BVB-Fan und trotzdem nicht traurig

Eigentlich ist der BVB ja schon seit dem Viertelfinal-Rückspiel ja im Plus. Sie waren tot, von Malaga (beinahe) eiskalt gestellt. Sie sind also so etwas wie die Zombies der Champions League. Ganz komische Gefühle durchziehen mich gerade. Sogar ein Roman Weidengeller, den ich überhaupt nicht ertragen kann, kommt im Interview sehr staatsmännisch rüber.

They have a grandios Saison gespielt, wenn auch 2012/13 nur in der Champions League.

Herzlichen Glückwunsch!

Ich wohne in Oberbayern, wo vor 20 Jahren ein BVB-Trikot auf dem Schulhof wohl Klassenkeile hieß. Alle um mich rum sind Bayern-Fans, oder schlimmer, Sechziger-Fans. Da kann man auch schätzen lernen, was die Bayern dieses Jahr leisten: Die Rekorde in der Liga sind für die Ewigkeit. Die beste Mannschaft der Welt haben sie an die Wand gespielt. Sie haben ihr System überragend verbessert. Aus zwei Einzelstars ein echtes Team geformt.

Im Finale hat der BVB gegen eine Mannschaft gespielt, die nicht verlieren durfte. Hat sie auch nicht, weil sie ihre anfängliche Angst im Spiel überwinden konnte. Vor drei Jahren saß ich im Flieger heim aus den USA und drückte den Bayern die Daumen – vergeblich. Letztes Jahr war es auf dem Sofa ebenfalls vergebens. Und dieses Jahr drückte ich den Schwarzgelben die Daumen, wieder vergeblich.

In Dortmund bin ich geboren, seit dem Pokalfinale 1989 natürlich BVB-Fan (ist zumindest das erste wichtige Spiel, an das ich mich erinnern kann). Hitzfeld fand ich sogar noch beim FCB spitze. Drei Spielzeiten lang war ich Ordner. Block 45, direkt bei den Fernsehkameras. Tollen Fußball habe ich gesehen. Einige Meisterschaften habe ich auf dem Friedensplatz gefeiert.

Was will ich eigentlich sagen? Die Bayern sind für mich zum ersten Mal überhaupt Meister der Herzen geworden, und auch heute nach 25 Minuten die bessere Mannschaft geworden. Mit besseren Chancen, und ich will auch gar nichts von Schiedsrichterschelte hören. Er hat halt nicht gepfiffen, war auch schon ok so. Für Dortmund war es ein Wunder, nach der Vorrunde im Finale zu stehen #echteliebe. Die Bayern kennen sich da aus, und sie haben zurecht den Pott geholt. Man muss auch gönnen können. Also: jetzt Sommerpause und im August geht’s raus und spuits Fußball.

Inzwischen sieht man auch schwarzgelbe Trikots. Und deren Träger werden sicher nicht mehr gehänselt.

Tag 2 mit Windows 8

Was bei Vista vorbildlich und nervig zugleich war, dass man immer ein Passwort eingeben musste, wenn man etwas neu installieren wollte, gehört bei Windows 8 der Vergangenheit. Gern hätte ich einen Nutzer zum Admin gemacht und wäre selbst unter einem normalen Login gesurft, aber offenbar geht das nicht so einfach. Da die Systemsteuerung auch in der klassischen Oberfläche so versteckt ist, ist mir das Tool Benutzerkonten-Verwaltung noch nicht wirklich über den Weg gelaufen.

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„Als Entwurf veröffentlichen“ ist kein gutes Wording für „Save as draft“, liebe Kollegen aus dem Word 2013-Produktteam.

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Erfolgreich Windows Media Player von der Taskleiste gelöst. Oder abgeheftet. Leider kann man das Programm sicher wieder nicht vollständig löschen.

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Natürlich hat man bei Microsoft längst nicht mehr die Kontrolle über das Ökosystem der Apps, äh, Software wie früher. Ein gutes Beispiel dafür ist Spotify. Natürlich muss es das für Windows geben. Aber wirklich nach Windows sieht die Anwendung nicht aus. Vom Kachellook meilenweit entfernt, erinnert es eher an ein frühes iTunes auf Windows.

Tag 1 mit Windows 8

Die Windows-Taste irritiert mich noch. Damit konnte man immer das Startmenü anfordern. Das ist Geschichte. In Windows 8 wechselt man damit zwischen der klassischen Windows-Ansicht, die sich kaum von Windows 7 unterscheidet, und der neuen Kachel-Ansicht Modern UI hin und her.

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Überhaupt ist Irritation eine gute Beschreibung für das Gefühl, das noch vorherrscht. Wie man die Charms Bar aufruft, habe ich immer noch nicht verstanden, auch deshalb, weil ich noch keinen Ton ans neue Setup angeschlossen habe und die Erklärungen auf office.com allesamt Videos zu sein scheinen. Auch wenn ich beruflich mit Video zu tun habe, manchmal lese ich eine Erklärung lieber als nach einem zehnminütigen Video immer noch viele Fragezeichen übrig zu haben.

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Dass nicht mehr automatisch der Internet Explorer als Standardbrowser überall dazwischenfunkt, wenn man auf einen Link klickt, ist offensichtlich der Intervention der EU geschuldet, aber dennoch eine gute Sache. Wenn man Chrome oder Firefox installiert, gibt es eine neue Ansicht oben recht im klassischen Windows-Look, die darauf hinweist, dass man eine neue Software zum Öffnen von Links installiert hat.

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Windows Live Writer gibt es nicht mehr. Diese kaum bekannte Software konnte es aus meiner Sicht mit dem Blogging-Client Mars Edit auf dem Mac aufnehmen. Jetzt wurde die Funktion „Blogbeitrag schreiben“ in Word 2013 integriert. Pfiffig. Damit schreibe ich auch diesen Post. Bin gespannt, wie die Formatierung, die natürlich in Word in Calibri startet, auf dem Blog landet. Wahrscheinlich muss ich gleich in die WordPress-Dashboard-Ansicht, um da zu fixen.

I’m a PC? Next machine: Mac.

(Entschuldigung vorab: Das kommt jetzt sehr erlebnisberichthaftig daher, aber die Eindrücke sind noch frisch.)

Wenn jemand eine neue Sprache lernen will, ist ein wichtiger Faktor das Alter: Er oder sie sollte jung sein, möglichst noch im Preteen-Alter. Der andere Faktor ist das Verhältnis von Muttersprachlern zu einem selbst. Je mehr außen um einen herum die fremde Sprache gesprochen wird, umso mehr ist man selbst gezwungen, sich damit zu beschäftigen und die Sprache zu lernen.

So habe ich Englisch gelernt, und so habe ich meine Macs lieben gelernt. Lieben ist ein sehr starkes Wort, zumal ich mich nie für einen „Mac-Enthusiast“ oder Mac-Fanatiker gehalten habe.

Jetzt habe ich nach drei Jahren mit meinem Mac Mini mal wieder nach einem neuen Computer geschaut. Warum? Weil Macs immer noch ein Exotenprodukt und ich einfach mal wieder so unterwegs sein wollte wie die Nutzer der Produkte, an denen ich mit entwickele. Wie sehr sind Macs Nische? Wir haben mehr iPad- und iPhone-Nutzer als Mac-Nutzer in unserer Web-Statistik. Aber wir haben sechs Mal mehr PC-Nutzer als Mac-Nutzer. Sogar XP ist noch genauso weit verbreitet wie Mac. Windows 8 ist der neue heiße Scheiß (naja, vielleicht auch eher New Coke).

Also bin ich losgezogen ins Netz, auf die Recherche nach PC-Kauftipps. Ich hatte ja vorher schon Angst vor den Transaktionskosten, und auch völlig zurecht. Gamestar hat da tolle Selbstbauanleitungen, aber wenn man zusammenrechnet, kommt man leicht auf 500 Euro und hat noch keine Windows-Lizenz dabei. Die macht noch einmal 80 Euro.

Da klingt der Aldi-PC für 499 Euro auf einmal sehr verlockend. Wenn der IT-Fachmann aus der Firma dann auch noch sagt, da kann man nix falsch machen – dann fällt die Entscheidung leichter. So ein schlichter schwarzer Klotz ist es jetzt auch geworden.

Welchen Prozessor nimmt man? AMD oder Intel? Intel ist wohl gerade besser, auch wegen Updates auf schnellere Prozessoren und so. Wie groß muss die Festplatte sein? Ich will ja gar nicht auf Torrent-Jagd gehen. Reichen dann 1,5 TB? Ich kaufe mein Zeug lieber bei iTunes oder im Google Play Store, oder schaue AdVOD. Wie viel Speicher braucht man? Reichen 4 GB? Transaktionskosten, ich habe euch echt noch unterschätzt. Das Budget reichte leider nicht für ein i5- oder i7-Produkt.

Aber auch das Kaufen als Prozess war ein Albtraum. Der Shop ging nicht im Mac Safari-Browser, auch nicht in Chrome, irgendwann ging es dann in Safari doch. Der Shop erlaubt nur ein 8-stelliges Passwort, länger darf es nicht sein. Auch mit den Pflicht-Großbuchstaben und Zahlen. Und beim Kaufen Anmelden ging auch nicht.

Was wäre das alles einfach gewesen im Apple-Onlinestore. Der ist auch nicht mehr der Allerneueste, aber ein paar Klicks später wäre das ganz praktisch abgebucht worden. Jetzt warte ich erst einmal auf den DHL-Mann und lege Geld zur Seite für das MacBook Pro mit Retina-Display der nächsten Generation.

Kein Wunder, dass sogar in den MediaMarkt-Shops und Saturn-Filialen immer mehr Menschen vor den Macs stehen. Der PC-Markt ist einfach zu stressig. Ich hatte immer das Gefühl, etwas falsch zu machen. Das Schlimmste war der Button „Zahlungspflichtig bestellen“. Ähm, habe ich gemacht – aber nur, weil ich es mir wirklich vorgenommen hatte.

So sieht der teure Button bei Medion aus.

So sieht der teure Button bei Medion aus.

(Kleiner Tippfehler im Haken für den Newsletter ist jetzt auch nicht besonders schmückend, Medien.)

Konferenz-Impressionen: IA Konferenz, die Konzepter-Konferenz

Es ist ein Familientreffen, meint der, der mich zum Konferenzbesuch angestiftet hat. Man kennt sich. Zwar hat die Familie der IA Konferenz 2013 in Berlin etwa 300 Mitglieder, also etwas das Doppelte von Dunbars Zahl. Aber ich habe trotzdem beim Mittagessen an Tag zwei das Gefühl, einige Gesichter schon wiederzukennen. Und zwar Gesichter, die ich definitiv von der IA Konferenz nicht kannte.

  1. (Einschub: Ich will die ganze Zeit iA Konferenz schreiben, in Anlehnung an das Tokioter/Schweizer Büro der Informationsarchitekten, die auch den famosen iA Writer gemacht haben, das beste Tool, was zum fokussierten Schreiben im Mac App Store ist.)
  2. (Einschub 2: Über die Schreibweise einer Konferenz sollte man so lange nicht nachdenken müssen. Oder anders, angemessener formuliert: Als Besucher einer Konferenz möchte ich nicht über die Schreibweise eines Namens nachdenken, um mehr Zeit für das Verdauen der Inhalte zur Verfügung zu haben.)

Die IA Konferenz wird seit Jahren vom beinahe gleichen Team gemacht, allerdings mit wechselnden Locations. Das schadet aber bemerkenswerterweise nicht dem Maße ihrer Organisiertheit. Die Bemerkungen zum Organisatorischen, die Jan Jursa am ersten Konferenztag in seiner Begrüßung charmant absolviert, sind das beste Prozess-Pflichtprogramm, das ich je gehört habe. Die Folien sollte sich jeder Organisator eines größeren Events für Knowledge Yorker besorgen. Auch damit ab zu Slideshare, bitte!

Warum ich zum ersten Mal bei der IA Konferenz war? Weil ein Kollege von seinen bisherigen Besuchen mir stets vorgeschwärmt hat. (Carsten, dir steht eigentlich eine Ticket-Provision zu.) Warum ich erst zum ersten Mal bei der IA Konferenz? Das kann ich wirklich nicht entschuldigen. Äh, sorry, ne?

Die IA Konferenz ist für die Konzepter-Szene (Menschen, die mit Ideen für Websites und die Feinkonzepte davon Geld verdienen) so etwas wie die re:publica für die Blogsphäre. Ein Klassentreffen, wo jeder jeden kennt. Nina erzählt mir beim abendlichen Bier, dass man sich gegenseitig Jobs gönnt und auch beschafft, wenn man selbst als Freelancer ausgelastet ist. Glaubwürdig. Und zwar bundesweit.

In den Vorträgen werden Fallstudien ausgebreitet, sehr ehrlich, sogar von einem Agenturmenschen wie Martin Weber-Schaeuffelen von Ogilvy, der im Umfeld etwa einer DMEXCO normalerweise nie konkret von seinen Kunden erzählen würde. Ob diese Vorträge es zu Slideshare schaffen? Da bin ich skeptisch, freue mich aber über jeden, der meine Befürchtung widerlegt.

Die Konferenz stand unter dem etwas sperrigen Motto „Prozess. Dialog. Qualität.“ In jedem Vortrag ging es irgendwie um agiles Entwickeln. Wer nicht an Agil glaubt, sollte nicht in die Agentur-Konzepter-Szene gehen. Festes Budget, fester Release-Termin, flexible Kunden und flexibler Scope- dann geht Scrum. Interessanterweise ging es fast immer um das Abliefern eines Releases, und dann ist Schluss mit Scrum. Die weiteren Vorteile von Scrum, etwa das Schätzbarmachen von Teamfähigkeiten über einen längeren Zeitraum, bleiben in den meisten Kunden-Projekten, von denen die Rede war, ungenutzt.

Vertrauen ist der Anfang von allem. Nicht nur ein kitschiger Spruch aus der Werbung der Deutschen Bank. Auch im agilen Arbeiten der Konzepterszene. Jutta Eckstein, Autorin zu Agilen Konzepten, war der Begriff Vertrauen ein Thema. Auch wenn ihr der Begriff Zutrauen lieber war.

Ich könnte hier nachbeten, was in den Vorträgen war und was dazwischen war. Dachte auch erst, dass ich das machen wollen würde. Aber eigentlich geht es um mein Staunen. So viele nette Menschen, die im Wesentlichen das Gleiche machen wie ich – auch wenn sie UX Ninja oder Usability Expert auf ihren Visitenkarten stehen haben – oder eben Information Architect, was der klassische Begriff wäre. Sie haben Probleme wie ich in einem großen Unternehmen, auch wenn sie in einer hippen Agentur arbeiten oder im Bankenumfeld oder in der Werbung. Und hier sagen sie laut heraus, dass sie auch nur mit Wasser kochen.

Schluss.

Mit dem gelben Lanyard bin ich jetzt auch total offiziell als Information Architect ausgewiesen. Liebe neue Familie, danke für die herzliche Aufnahme. In noch keiner anderen Berufsgruppe habe ich mich so wohl und verstanden gefühlt. Gruppenumarmung!

Hier eine Auswahl der besten Tweets: http://storify.com/krautsource/die-besten-tweets-zur-iak13

Andere waren mit ihren Einsichten schneller:
http://querweb.wordpress.com/2013/05/05/iak13-in-berlin-meine-eindrucke/ – danke Sabine für deinen Vortrag!
http://wilmalendle.wordpress.com/2013/05/05/ia-goes-agile-die-ia-konferenz-2013/
http://freyheyt.de/berlin-sonne-wasserfall-iak13/

Responsive Design for Complex Websites

Am Ende einer langen Woche im Büro ist ein Vortrag, den ich am Montagabend in München besucht habe, noch weiter weg. Doch dieser liegt mir am Herzen. Information Architect Sabine Berghaus hat diesen am Montag, 11.4., in München gehalten. In den Räumen von SapientNitro, wo sie arbeitet.

Hier die Slides:

Sie hat in einem Team von sieben Information Architects und fünf Visual Designern ein halbes Jahr (Juli bis Dezember 2012) an den Entwürfen für den Relaunch einer großen deutschen Medienseite gearbeitet. Die Tool-Auswahl kam mir seltsam vor – InDesign für die Scribbles, dann Photoshop für die Ausarbeitung für den Kunden. Seltsam, aber sie hat es gut begründet: Der Kunde denkt Desktop, also kriegt er klassische psd-Files. InDesign finde ich immer noch ein bisschen sehr exotisch und sehr Pixel perfect, aber mei – beim geschätzten mittleren sechsstelligen Budget wohl ein legitimes Vorgehen.

Warum hat mich der Vortrag so interessiert und auch bewegt? Weil ich an einem ganz vergleichbaren Projekt arbeite – mit einem um ein Vielfaches kleineren Budget. Wir arbeiten auch mit Photoshop, ansonsten aber auch mit Axure und rapid prototyping.

Dabei haben Sabine Berghaus und ihre Kollegen von SapientNitro mit vielen gesetzten Behauptungen aus der Welt des Responsive Designs aufräumen müssen. Dinge wie „Mobile First“ werden in den Blogs ständig verbreitet. Aber dann müssen die meisten Responsive Design-Projekte sich auch nicht mit Sites mit mehreren hunderttausend Seiten auseinandersetzen, die wild aus dem Modulbaukasten zusammengebaut werden.

Und über den Kunden hat sie sich genauso wie ihre Kollegen bewusst ausgeschwiegen. Denn das Projekt ist noch nicht live. Der Launch ist für den Herbst 2013 geplant.

Eins noch:

Bei Veranstaltungen für Designer fühle ich mich immer ein bisschen seltsam. Alle so stylisch, schick und man kennt sich. Ich kannte keinen und hatte dafür die Speakerin am Ende für Fragen für mich allein. Warum hat keiner die Chance genutzt? Folgt ihr: @stadtnomadin.

Ich vermute, bei der iAKonferenz wird sie einen ähnlichen Vortrag halten: <a href="http://2013.iakonferenz.org/programm##9„>Programmeintrag

Süddeutscher Journalistentag 2013 – like it’s 2001 or 2002

Wir hören und speichern, was wir hören wollen. Auch ohne jetzt die entsprechenden Studien zitieren zu können – wir alle kennen den Effekt. „Heute Abend gibt es Schweinebraten mit Rosenkohl“. Wer hört da schon den Rosenkohl heraus?

Natürlich wollte ich diese Schwarzmalerei hören. Schon auf dem Bussteig am Mainzer Bahnhof hörte man 40- bis 50-jährige Berufskollegen jammern, dass dieses Online immer mehr an Bedeutung gewönne. Und die anderen Kollegen, die vor allem zum Mitnehmen von Kugelschreibern und zum Bestaunen von sehr prominenten Mitgliedern des Berufsstandes (Gundula Gause!, Ulrich Meyer!), waren natürlich mir auch sehr willkommen.

Da die Situation der Zeitungen heute (am 16.3.2013) auf dem Journalistentag auch ein Thema war – da passte das als Einstimmung zu gut, um es nicht hier auch aufzuschreiben.

Wie Elmar Theveßen möchte ich auch mal einen meiner Journalismus-Professoren zitieren. „Wissenschaft ist eben auch Schwarzbrot.“ So oder ähnlich ging das Bonmot an der Universität. Lokaljournalismus ist derzeit offenbar das Schwarzbrot im Medienbetrieb. Claus Monhart, Chefredakteur des beim Main-Echo, einer Tageszeitung mit 76.000 Auflage, erzählte aus der Provinz. Er habe Probleme, seine Außenredaktionen in Städten mit vielleicht 15.000 Einwohnern mit jungen Journalisten zu besetzen. Diese wollten lieber im Kulturressort arbeiten, dieses könne er theoretisch mit bis zu 30 Kollegen besetzen. Vorteil am Kulturressort: Die Journalisten, die in Großstädten oder vielleicht in Tübingen studiert hätten, könnten in der Großstadt wohnen bleiben. Aber Lokaljournalismus, der auch daraus bestehe, in den entsprechenden kleinen Ort zu ziehen und dort anzukommen, ließe sich mit diesen Journalisten eben nicht machen.

So düster ist die Stimmung also mittlerweile bei den ehemaligen Renditekönigen aus den Zeitungsverlagen. Die Gesellschaft habe einfach ein geringeres Interesse am Journalismus. Und auch die Journalisten, die aus ihr hervorgehen, gehören allmählich dazu – so in etwa habe ich das Impulsreferat von Elmar Theveßen verstanden. Selbst beim ZDF sei mittlerweile in den Bewerbungen zu sehen, dass die rechtlichen und ethischen Grundlagen bei vielen Jungredakteuren fehlten. Diese versuche man durch Workshops nachzuholen, erklärte der stellvertretende ZDF-Chefredakteur. Man sei darüberhinaus in der luxuriösen Lage, Bewerbungen von hochqualifizierten jungen Journalisten zu erhalten, für die es bei ihren bisherigen Print-Stationen nicht weitergehen. Der baden-württembergische Landesverbandsvorsitzende des DJV, Thomas Godawa, nannte das Kind beim Namen: Bezahlung unter Tarif (für junge Journalisten und für Online-Journalisten) und immer wieder befristete Verträge.

Aber es gibt auch Lichtblicke. Ausgerechnet die Schlachtrösser Gundula Gause und Ulrich Meyer konnten mit ihrer Leidenschaft für das, was sie tun, anstecken. Die beiden sind seit 20 Jahren oder mehr auf dem Bildschirm (tatsächlich tut Frau Gause seit 20 Jahren den Dienst im heute-journal).Die beiden hielten ein Plädoyer dafür, die Vermittlungsleistung von Moderatoren nicht zu klein zu reden. „Wir sind Marken für unsere Sender“, so Meyer. Meyer, ja dieser Meyer, den man ja mal für den größten Kotzbrocken im Privatfernsehen halten konnte (Der heiße Stuhl etc.), begab sich auf Kuschelkurs zu den Öffentlich-Rechtlichen. Gause kuschelte zurück – Personal wechsle ja hin und her. Eine schöne Zusammenfassung der Woche, in der erstmals in diesem Land ein durch lange Jahre im Privatfernsehen gegangener Journalist Intendant einer öffentlich-rechtlichen Anstalt wird (Peter Limbourg bei der Deutschen Welle). Ob Meyers Begeisterung gespielt war oder nicht – sie ist an einem vom „alle wollen nichts mehr von uns wissen“-Lebensgefühl geprägten Kongress eine Wohltat.

Der schlagfertigste Redner war aber Joachim Braun, seit zwei Jahren Chefredakteur des Nordbayerischen Kuriers in Bayreuth. Und für mich ganz persönlich auch der, der mir neben Stefan Plöchinger und den beiden Wolfgangs das Gefühl gibt, dass sie verstanden haben, was getan werden muss, um dem Journalismus wieder Relevanz zurückzugeben. Brauns Blatt hat noch eine Auflage von 36.000. Er verriet nicht, wie es da in den letzten Jahren aussah. Aber das zeigt ja eine kleine Recherche bei der IVW (Update folgt). Er hat keine Probleme, Nachwuchs für die Redaktionen zu finden. Das hat aber auch mit geänderten Ansprüchen zu tun. Hochschulabschluss ist nicht mehr zwingend Pflicht. Das war in den Nuller Jahren vielerorts ganz anders. Vielleicht hat es auch mit seiner Strahlkraft zu tun als jemand, der einem Redakteur das Vertrauen in die Macht und die Attraktivität einer Lokalzeitung zurückgeben kann.

Er war der Redner, dessen Sätze sich am besten für Tweets eignen.

„Wir müssen wieder in die Herzen der Leser zurück“ – war eine dieser Aussagen.

Wer mir heute gefolgt ist, hat einiges davon auch schon lesen können. Wahrscheinlich bietet es sich auch an, daraus etwas mit Storify zu machen. Update am 17.3.: Hier ist das Storify.

Disclaimer Hinweis: Vor langen Jahren habe ich mal für den Nordbayerischen Kurier als freier Journalist gearbeitet. Dabei habe ich vor allem Filmkritiken beigesteuert. Also das Zeug, von dem es mittlerweile mit Recht in vielen Diskussionen heißt – das muss eine Regionalzeitung nicht selbst machen.

Das hat mich auch zum Titel dieses Postings inspiriert. Nachdem das Lokalzeitungsgeschäft gemeinsam mit der CD im Jahr 2000 einen einmaligen Peak gefeiert hatte, ging es seitdem bergab. 2001 habe ich das erste Mal eine Kündigung bekommen, weil der Verlag sich nicht mehr leisten konnte oder wollte. Schon damals ging die Angst vor dem Internet um. Irgendwie hat sich nicht so richtig viel getan seitdem – zumindest in den Verlagen. Ich glaube, 2003 war das nächste Mal. Seit 2008 helfe ich nur noch, Journalismus und Medien zu organisieren, bin ich nicht mehr in vorderster Front tätig.

Update: Auflagenentwicklung seit 1998

Produktkritik: iPhone 5 als neues Diensthandy

Seit einigen Woche habe ich ein neues Handy vom Arbeitgeber. Vorher hatte ich einen Blackberry. Größter Vorzug des RIM-Geräts? Man musste nur einmal pro Woche damit an die Steckdose. Nachteil: E-Mails darauf lesen war doppelte Arbeit. Erstens machte es keinen Spaß, zweitens musste man sie auf dem Desktop dann noch einmal löschen.

Das neue iPhone ist da anders. Das Lesen und Bearbeiten von E-Mails macht Spaß. Newsletter und anderer Bacon sind schnell gelöscht. Und mal schnell eine Mail auch am Wochenende beantwortet.

Gratuliere, Arbeitgeber!

Warum das Schreiben von Mails an einem Android-Gerät noch mehr Spaß macht, ist ein Thema für eine weitere Produktkritik.

Warum der Verlust einer Lokalzeitung keiner ist

Natürlich ist der Verlust von 120 Arbeitsplätzen eine Tragödie, besonders in einer strukturschwachen Region wie dem Ruhrgebiet, Sauerland und Siegerland.

Natürlich ist es eine Farce, dass der Verlag, der die Westfälische Rundschau betreibt, die Marke beibehalten will, aber das Gebäude Zeitungsprodukt dahinter komplett entkernen will, ja sogar abräumen.

Natürlich ist die Art und Weise, wie der Verlag in den letzten Jahren Konzernstrategie betrieben hat, gleichermaßen zynisch wie kurzsichtig.

Aber: Ist es wirklich schlimm, dass das publizistische Produkt WR nicht mehr existiert?

Wohl kaum.

„Sie glauben doch wohl nicht, dass auf Seite drei des Lokalteils in Dortmund noch Qualitätsjournalismus stattfindet?“

Dies oder zumindest sinngemäß waren dies die Worte von Prof. Dr. Hans Bohrmann in einem Presse-Seminar am Institut für Journalistik in Dortmund, an dem ich auch studiert habe. (Disclaimer Hinweis: Ich habe sogar zwei Jahre als freier Mitarbeiter für die Dortmunder Lokalredaktion der WAZ gearbeitet, im Anschluss an ein Pflichtpraktikum. Diesen Lokalteil hat die WAZ bei der Säuberungsaktion vor einigen Jahren bereits geschlossen.)

So nennt das ein Akademiker. Für Berufsstandkritiker wie Hardy Prothmann ist es Bratwurstjournalismus. Ich habe keinen Überblick über die Qualität der hinteren Seiten eines lokalen Zeitungsteils im Ruhrgebiet oder im Verbreitungssprengel der Westfälischen Rundschau. Aber meine wohl begründete Annahme ist es, dass es gerade in den kleineren Städten und kleineren Teams mit der Qualität nicht besser gestellt ist als bei den Lokalzeitungen in meiner neuen Heimat, dem bayerischen Alpenvorland. Während auf der ersten Seite im Lokalteil noch Featurefotos von professionellen Fotoredakteuren Eingang finden, finden sich im hinteren Teil nur Gruppenbilder, Reproduktionen von Bauvorhaben, zugesandte Vereinsbilder. Ich möchte hierfür Titelschutz für den Begriff Kaninchenzüchterjournalismus anmelden, in alter Harald-Schmidtscher Tradition.

Neben dem obligatorischen Bericht aus der Ratssitzung oder der Hauptausschusssitzung (kaum verständlich, weil die Vorgeschichte fehlt und einfach der Sitzungsverlauf nacherzählt wird, kaum Analyse vorhanden) stehen da die Fotos vom Spendenaufruf fürs Altenheim, die Ehrung der Jubilare und die Leuchtenaktion für einen sicheren Schulweg. Alles ehrenwerte Sachen, aber auch status-quo-erhaltend und schnarchlangweilig.

Kennen Sie noch eine Familie, in der die Eltern zwischen 30 und 40 sind und wo eine Tageszeitung auf den Tisch kommt? Nein, Journalisten- und Politikerpaare lassen wir nicht gelten. Für die 30 Euro im Monat, die eine mediokre Tageszeitung kostet, bekommt man ja schon fast das Fußball-Paket von Sky.

Was ist also bei der WR schief gegangen? Der Verlag hat vergessen, was die Basis seines Geschäfts ist, was ihn besonders macht. Das ist die direkte Kundenbeziehung. Die weiß man bei Sky sehr zu schätzen. Man hört direkt, wenn denen das Paket nicht gefällt, das äußert sich in Mails und an der Hotline.

Meine Erfahrung in der Tageszeitungsbranche sagt mir, dass an vielen Orten, wo Zeitung gemacht wird, der Leser als störendes Element betrachtet wird. Die Sonntagsreden von der Aufklärung und vom Kämpfen für den Leser – die sind genau das, Sonntagsreden. Da wird kalkuliert in Redaktionskonferenzen: „Wie viele Mitglieder hat der Verein, der Chor?“ Da wird die Seite mit den Leserbriefen zusammengestellt, die schlimmsten rechten und linken Verirrungen herausredigiert. Aber wenn der Empfang meldet: „Da ist jemand hier unten, der möchte sie sprechen“ – dann reagiert die nackte Angst.

Denn viele Zeitungsredakteure, mich damals eingeschlossen, wollen gar nicht den direkten Kontakt mit dem Leser. Damit sabotieren sie die eine Beziehung, die die Grundlage von allem ist. Wahrscheinlich haben die meisten Printredakteur vom Cluetrain Manifesto noch nie etwas gehört. Aber es ist die Wahrheit. Nennen wir hier mal nur die ersten vier Thesen:

  1. Märkte sind Gespräche.
  2. Die Märkte bestehen aus Menschen, nicht aus demographischen Segmenten.
  3. Gespräche zwischen Menschen klingen menschlich. Sie werden in einer menschlichen Stimme geführt.
  4. Ob es darum geht, Informationen oder Meinungen auszutauschen, Standpunkte zu vertreten, zu argumentieren oder Anekdoten zu verbreiten – die menschliche Stimme ist offen, natürlich und unprätentiös.

Das gilt für alle Unternehmen. Für die Telekom, wenn man an der Hotline schlecht behandelt wurde, bei Starbucks, wenn der Kaffee mal nicht schmeckt. Und sogar für Zeitungen.

Viele Lokalredakteure sagen dann immer: „Dafür war keine Zeit.“ Weil die Seiten auch anders vollgepflastert werden mit Content. Es geht aber im Journalismus nicht um Quadratzentimeter für Quadratzentimeter Content, es geht in erster Linie um die Menschen. Biete ihnen etwas an, was sie brauchen oder haben wollen, und sie werden kommen. Das zeigt der Erfolg der ach so entspannten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Wenn jetzt also vom Erhalt der Medienvielfalt die Rede ist – glauben Sie den Verlagsspitzen der WAZ kein Wort. Es ist gut, dass diese Zeitung geht. Sie macht Platz für Innovation. Für lokale Blogs, mehr Qualität beim Wettbewerber Ruhr Nachrichten. Ich wünsche den ehemaligen WR-Mitarbeitern, einige habe ich vor Urzeiten auch mal getroffen, alles erdenklich Gute. Aber leider wird ihre Aktion wohl nicht fruchten. Die Rundschau ist gegangen. Der Verlag hätte sie komplett platt gemacht, wenn er sich nicht Anzeigen- und Aboerlöse erhoffen und Angst vor dem Kartellamt haben würde.