Henry Cavill und Ben Affleck in San Diego. Foto: Gage Skidmore/Flickr

Filme mit grünen Gegenständen haben einen schweren Stand. Mir scheint es fast, als hätten sich die Filmgötter gegen Grün verschworen. „Green Lantern“ war ein verzichtbarer Superheldenfilm, der beinahe Ryan Reynolds’ Karriere zerstört hätte. (Er konnte sich mit „Deadpool“ aus dem Kader der angeschossenen Filmstars retten.) „Green Hornet“ – ein Superheldenfilm mit Seth Rogen. Kein Wunder, dass das nicht funktioniert hat. Hätte ich auch wissen können, ohne den ganzen Film erleiden zu müssen. Hat mir ja auch bei „The Interview“ auch gereicht, der Groteske über einen untalentierten Moderator/Interviewer, der nach Nordkorea reist. Das war fast genauso unerträglich wie Filme von Sacha Baron Cohen. (Und ja, Ali G fand ich wirklich lustig. Aber irgendwann wurden ihm, wie auch Ricky Gervais, die  Grenzübertretungen wichtiger als dabei auch noch lustig zu sein.)

Kryptonit ist grün, das weiß doch jedes Kind. Auch wenn es nie Comics gelesen hat, so wie ich. (Tim & Struppi ja, aber DC und Marvel? Ne.) Also rufe ich jetzt den Zusammenhang mit der Grün-ist-Gift-Theorie auf. Im ersten Teil kam Kryptonit nicht vor, und das fand ich gut. Jetzt aber umso mehr. Es wird waffenfähig gemacht, auf eine schlaue, und auf eine steinzeitliche Art, die sich natürlich als die richtige im Kampf gegen den orkartigen Endgegner entpuppt.

Nachdem „Man of Steel“ dem Aufbau der Persona Superman/Clark Kent diente, und dennoch gute Unterhaltung bot – geht es jetzt um die Wurst. Also eher: Wer ist der beste Beschützer der Menschheit? Er oder ich? Wer ist der Geilste? Das ist der Kampf aus dem Titel, er beginnt zwei Stunden nach Filmbeginn, und er ist noch nicht die Klimax des Films. Jungs müssen tun, was Jungs tun müssen.

Selten habe ich einen Film erlebt, indem das Setup, das die beiden Kraftbolzen aufeinander zurasen lässt, so durchschaubar und manipulativ war. Die beiden sollen gegeneinander kämpfen? Da muss ordentlich was passieren. So macht Bruce Wayne Superman dafür verantwortlich, dass er seinen Wolkenkratzer und viele Angestellte verloren hat – im Kulminationspunkt eines Kindes, das seine Mutter in den Trümmern des Wayne-Towers verloren hat. Jaja, Tränendrüse wird erzwungen, aber eben erzwungen. Ben Affleck kann das mit seiner Mimik nicht so ganz ausdrücken. Die wurde hölzern genannt, das ist auch soweit zutreffend. Er hätte allein für diesen Film all die Witze verdient, die auf Matt Damons Kosten in „Team America“ gemacht wurden.

Die Titel passen ganz gut: „Man of Steel“ war menschlich, im neuen Teil steht das „vs“ im Vordergrund. Das ist ein bisschen wenig für 151 Minuten Laufzeit, aber in den letzten Jahren ist das Zusammenbringen diverser Franchises und Vermarktungswelten wichtiger geworden.

Wertung: 2 von 5 Muskelpaketen

Filmkritik „Limitless – Ohne Limit“

New York bei Nacht mit Lichtreflexen, von denen auch "Limitless" voll ist. Foto: Stewart Butterfield/Flickr

Der Stoff gibt eigentlich nicht mal einen überzeugenden Film her, wie hat man dann aus „Limitless“ eine Serie machen können? Erfolgloser Autor trifft seinen Schwippschwager. Der war und ist Drogendealer, gibt ihm ein Mittelchen, mit dem er sich viel besser konzentrieren kann und das ihn zu neuen Leistungsniveaus katapultiert. Seinen Roman schreibt er in vier Tagen zu Ende.

Wenn man so will, ist „Limitless“ eine Parabel auf die Gefühle, die Crystal Meth- und Tablettenabhängige in sich erzeugen. Einen so drogenverherrlichenden Film habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Religionslehrer werden ihn hassen. Für mich ist er wie eine schillernde Erscheinung, etwa wenn man einen Star ganz von nahe sieht. Sehr faszinierend, und ein elektrisierendes Erlebnis. Aber ein kalter Glanz, keiner, den man sich immer und immer wieder an kalten Tagen, an denen die Stimmung auch gedämpft ist, hervorholt.

Das liegt für mich auch an der sehr gewollten Übertreibung auf der visuellen Ebene. Bereits in den Titeltafeln zu Beginn des Films präsentiert „Limitless“ seinen Vorzeigeeffekt: Es ist ein Zoom auf Menschen auf New Yorker Straßen, der nicht aufhören will. Immer dann, wenn eine normale Kameralinse an ihre optischen Grenzen stößt, wird ein weiteres Bild, ganz offensichtlich durch den Computer unterstützt, daran geschnitten. Man merkt die Schnitte nicht. Das ist eben so berechnend wie kindisch. Das ist ein ganz normales filmisches Instrument, das es schon lange gibt: vom ersten Film, in dem eine einfahrende Dampflok die Zuschauer erschreckt hat bis hin zu Meisterregisseuren wie David Fincher, die bei der trickreichen Kamerafahrt durch ein geschlossenes Fenster und eine Kaffeekanne die Grenzen der Physik und die Nerven der Zuschauer strapazieren.

„Limitless“ zeigt ganz deutlich die Grenzen der schauspielerischen Künste von Bradley Cooper. Zu Tode betrübt nimmt man ihm einfach nicht ab, und damit bekommt der Film auch keine Fallhöhe. In Komödien ist er toll, aber nicht in psychologischen Studien.

Bewertung: 3 von 5 Buchverträgen

Für solche Sätze muss man den „New Yorker“ lieben

Aus einer Biografie-Rezension über Prinz Charles, Thronfolger in Großbritannien, im New Yorker:

Where Prince Charles Went Wrong – The New Yorker: „His Royal Highness Prince Charles Philip Arthur George, Prince of Wales, K.G., K.T., G.C.B., O.M., A.K., Q.S.O., P.C., A.D.C., Earl of Chester, Duke of Cornwall, Duke of Rothesay, Earl of Carrick, Baron of Renfrew, Lord of the Isles, and Prince and Great Steward of Scotland, is a deeply unpopular man.“

(Via.)

Also on:

Profitipp: Cyberduck als S3-Client

Eine nicht digitale Ente. Foto: Pexels

Cyberduck hat mir in einer stressigen Projektphase die Arbeit leichter gemacht. Wer viel mit Dateien hantiert, die in einem S3-Bucket bei Amazon Web Services gespeichert sind, kennt das Phänomen: Im Umgang mit vielen Dateien fühlt sich die Arbeit in S3 langsam an. Das liegt an vielen technischen Entscheidungen, die Amazon getroffen hat, und die den Speicher sicher und verfügbar machen.

Aber die Suche nach Inhalten ist schwierig. Wer das User Interface der AWS-Console bemüht, kann nur nach einer Vorsilbe eines Dateinamens suchen, den so genannten Prefix.

Cyberduck speichert aber die gesamten Dateinamen und erlaubt die Suche nach allen Bestandteilen des Dateinamens – auch Dingen, die weiter hinten vorkommen. Sehr praktisch. Vor allem, wenn man mehr als 2500 Elemente in seinem Bucket hatte – wie ich das jetzt bei einem Projekt hatte.

Postmodern Jukebox in München

Eine Besetzung von Postmodern Jukebox beim Konzert. Foto: Dr. Frank/FlickrEine Besetzung von Postmodern Jukebox beim Konzert. Foto: Dr. Frank/Flickr

Über Musik zu schreiben ist schwer, finde ich. Meistens ist es mir zu schwer. Ich möchte es aber als eine Art Fingerübung doch noch einmal probieren. Anlass ist der Konzertbesuch von Scott Bradlee’s Postmodern Jukebox. Der Name der Band ist Programm: Bekannte Hits werden in einem Swing-Sound oder mit viel Jazz komplett gegen den Strich gebürstet. Ich habe eine Schwäche für ungewöhnliche Coverversionen. Marilyn Manson mit „Spin me Round“ fand ich großartig. Auf diese Art habe ich auch die Version des Rihanna-Hits „Umbrella“ von Postmodern Jukebox entdeckt.

Die haben sie bei ihrem Auftritt in der Muffathalle in München nicht gespielt. Wie überhaupt gar nicht auf der Europa-Tour, in der die „Band“ gerade ist. Wahrscheinlich haben sie die Liverechte dafür nicht bekommen.

Warum setze ich den Begriff Band in Anführungszeichen? Postmodern Jukebox ist ein Ensembleprojekt, mit sehr austauschbaren Performern. Von Lied zu Lied wechseln die Leadsänger auf der Bühne. Elf Musiker und Sänger gestalten den Abend, alle sind technisch toll, aber keiner hat wirklich eine magnetische Ausstrahlung. Scott Bradlee schickte durch den Manbun des musikalischen Direktors seine Grüße nach München. Er konnte nicht da sein. Wahrscheinlich war er gerade auf dem Auftritt in Marseille, den mir Spotify am Auftrittstag in der App angezeigt hat.

Denn die Gruppe scheint zweigleisig zu fahren. Zwei Teams bedeuten doppelte Tourumsätze. Warum schreibe ich mit so angenervtem Ton? Weil mir eine halbe Stunde lang das Konzert unfassbar auf die Nerven ging. Jedes Lied wird mit vollem Einsatz auf Speed gebracht. Hier eine Phrasierung mehr, da ein Träller, da noch ein paar Tempoverschleppungen. Was ich an Coverversionen mag, ist, wenn sie dem Lied neue Seiten abgewinnen. Wenn man zu viele von den Arrangements von PMJ hört, ist das, wie wenn man 30 Pralinen essen müsste. 3 gehen vielleicht noch, aber danach ist einem mehr nach Übergeben zumute als man lieb hat.

Glücklicherweise hat der Abend dann von der Instrumentierung her auch noch mal die Dynamik verändert. Mit der sehr, sehr reduzierten Version von „Halo“ haben sie mich dann wieder einfangen. Da konnte man wirklich Gefühle hören.

Viele Nummern bekommen durch die showerfahrenen Musiker und Sänger schnell einen affektierten Duktus. Alles so glatt, so gespreizt hier. Und im sehr hipsteresken Publikum (alle Manbuns und alle Hosenträgerträger Münchens, gefühlt) kommt nicht so richtig die Tanzstimmung auf, obwohl die Band wirklich musikalisch toll ist. Das erinnert mich an den technisch begabten Klaviervirtuosen in meiner Musikschule, der die Tastatur bearbeitete wie ein kleiner Tastengott, aber keine Gefühle außer Bewunderung damit zu hervorrufen imstande war.

Eine interessante Konzerterfahrung, auch mit dem Bogen von sehr genervt zu fasziniert. Aber keine, die ich jetzt wiederholen würde. Lustigerweise hätte ich meinem Spotify-Verhalten mehr trauen sollen. Von Zeit zu Zeit höre ich die Musik ganz gern, aber dann ganz gezielt, ein, zwei Lieder. Mehr nicht. Dann droht der Süßkram-Ohr-Infarkt.

Wertung: 3 von 5 Kostümwechseln.

Warum man als Medium keine Aprilscherze machen sollte

Frühjahrsblüten: Aprilscherze

Nicht jeder Aprilscherz ist so lustig wie die selbstfahrenden Fahrräder von Google aus Holland. Aprilscherze zeigen mir immer ein wenig, was die Redaktionen, die die Aprilscherze ersonnen haben, von ihren Lesern/Zuschauern halten.

Wie ist die Vereinbarung, die hinter gedruckten Witzen steht? Bierernste Medien dürfen an dem einen Tag auf lustig machen. Ich verstehe, dass man als Medienmacher ein Ventil braucht. Aber dafür gibt es die Weihnachtsfeier und das Sommerfest. Dein Draht zu den Nutzern, diese Konversation – die ist für ernste Sachen da.

Mit Listicles geht alles besser. Das wissen wir nicht erst seit Buzzfeed, sondern schon Mose kannte die „10 Dinge, die du besser nicht tust, wenn du Gott nicht erzürnen willst“.

Welche Alarmsignale gibt es dafür, dass man nicht als Aprilscherz-Erzähler geeignet ist?

Passwortvergabe bei Paydirekt

Viele Euro-Münzen auf einem Tisch. Foto: Rudy van der Veen

Meine Sparkasse hat mich um die Einrichtung eines Paydirekt-Kontos gebeten. Mache ich doch gern, wenn es nix kostet. Ein paar Onlineshops haben ja bereits Paydirekt als Zahlmethode integriert. Ich habe aber vier Anläufe gebraucht, um mir ein Passwort festzulegen. Das liegt an den seltsamen Regeln für Passwortinhalte.

Ihr gewünschtes Passwort entspricht nicht dem vorgegebenen Format.Ihr Passwort muss mindestens 8, maximal 20 Zeichen haben. Es müssen Zeichen aus allen folgenden Gruppen enthalten sein:

Großbuchstaben A-Z – ohne Umlaute, keine Akzente

Kleinbuchstaben a-z – ohne Umlaute, ohne „ß“, keine Akzente

Ziffern 0-9

Sonderzeichen: @#$%&-._!?
Bitte geben Sie Ihr Passwort erneut ein.

Ich habe es dann geschafft. Aber die Freude, das einzusetzen, hält sich in sehr, sehr engen Grenzen.

Mehr Auswahl, besseres Produkt

Für besondere Inhalte zahle ich Geld. Unter anderem für eine Testphase für Ben Thompson, einen Analysten, der auch viel Wahres über Medien schreibt. In einem – wie immer – langen Stück argumentiert er, woran Medium krankt und wie auch die Abos das Unternehmen nicht unbedingt retten werden:

Medium Membership, Medium Content, The Medium Newspaper – Stratechery by Ben Thompson: „It’s basic math: a curator selecting from a larger set is going to have better content than one limited to a single site.“

(Via.)

Es ist genau das gleiche Problem, das den Durchbruch der EINEN Mediatheken-App verhindert. Egal, ob sie ARD, TV Now oder 7TV heißen. Als ich noch bei ProSieben Produkt gemacht habe, war ich auch an der 7TV-Web-App beteiligt. Das Konzept kommt zu großen Teilen von mir. Dabei hatten wir uns die Archivfunktion der App ganz toll gedacht. Die Realität ist aber, dass die Fernsehsender nur in einem sehr begrenzten Maße die Streamingrechte an den Formaten haben, die sie im linearen Fernsehen zeigen (dürfen). Das limitiert den Pool an verfügbaren Inhalten. Hier haben SVOD-Anbieter einen größeren Pool – Maxdome war da allein in-house besser mit Rechten versorgt. Von Netflix und Amazon gar nicht zu reden.

So kann man allein wegen der fehlenden Rechte kein für Nutzer zufrieden stellendes Produkt bauen. Da helfen auch aberhunderte von Kommentaren in den App-Stores leider nicht weiter.