Das iPhone hat das Podcasting populär gemacht. Foto: Unsplash/Alvaro Serrano

Huffduffer – Oder warum Audio im Netz so schwierig ist und was man dagegen tun könnte

Auf dem Indie Web Camp 2016 in Nürnberg habe ich Jeremy Keith das erste Mal getroffen. Keith hat eine Digitalagentur in Brighton mitbegründet und ist einer der bekanntesten Mitwirkenden der Indie-Web-Bewegung. Wofür steht die? Kurz gesagt glaubt die, dass jeder Mensch, der am Internet mitwirkt, dies eben nicht nur in den herrlichen Silos der großen Firmen (Facebook, Twitter, Google usw.) machen sollte, sondern mit seiner eigenen Webseite und damit mit seiner eigenen Stimme.

Keith ist ein Mann mit vielen Talenten, und eins davon ist: Er ist ein Bastler. Wenn er ein Problem hat, ist in der Lage, die Lösung dazu zu programmieren, anders als ich. Eines seiner Projekte ist Huffduffer.

Komisches Wort? Findet er auch und erklärt es gleich:

Huff-Duff– noun

The common pronounciation of the acronym HF/DF meaning high frequency direction finder. A triangulation method that uses two or more radio receivers to find the bearings of a radio transmitter.

Was macht Huffduffer? Man findet eine Audio-Datei im Netz und hat gerade keine Zeit, diese anzuhören. Und den ganzen Podcast will man auch nicht abonnieren, falls es einer ist.

Dann kann man auf den Huffduffer-Button im Browser klicken (Bookmarklet, das neues Fenster öffnet), und die Datei wird dem eigenen Huffduffer-Podcast-Feed hinzugefügt. Personalisierung aufs Allergenaueste. (Ja, ich will mein eigener Programmdirektor sein, nicht nur am Fernseher, Helmut Thoma.) Dafür muss man nicht mal etwas programmieren, das macht Keith alles hinter den Kulissen.

Audio-Dateien im Netz, die ich hier und da finde, etwa in Mediatheken, sind für mich so etwas wie die bisher in der Breite ungehobenen Schätze. Google findet vor allem Texte und Videos zu Suchanfragen, und auch bei den Videos sind es eher die Metadaten, die sich Google anschaut. Videoinhalte indexieren ist rechenintensiv und damit teuer.

Auch wenn ein Viertel der Deutschen Podcasts kennt und hört, so ist das immer noch nicht so weit verbreitet wie das Ansehen von Fernsehsendungen über das Internet. Woran liegt das? Auch an der mangelnden Sichtbarkeit. Von außen kann man sich auch mit Vorspulen keinen schnellen, visuellen Eindruck davon verschaffen, was da verborgen liegt. Die wenigsten Podcasts haben Transkripte, die man durchscrollen kann – auch aus Kostengründen. Eine professionelle Transkribierung kostet einige Cent pro Sekunden (professionell im Sinne von: Menschen müssen sich den Podcast anhören und abtippen). Sein Gerede von ein, zwei, viereinhalb Stunden noch einmal abzuhören, um Geld zu sparen: Das nervt, und auch hier fallen erhebliche Opportunitätskosten an.

Ich habe bei der Arbeit einige Podcasts geerbt und mich in diesem Zuge auch mit dem Podcast-Markt beschäftigt. Was es bräuchte: Podcast-Transkription as a Service. Gibt es, heißt zum Beispiel Happy Scribe. Dürfte aber auch für die meisten, die gerade damit anfangen, zu teuer sein. Das Ergebnis einer Folge unseres HALLO:ELTERN-Podcasts: Ich hätte vielleicht noch eine Stunde gebraucht, um das von der Rechtschreibung her zu glätten, damit man das konsumieren kann.

Deswegen geht hier ein Shoutout an die Podcasts, die die Aufbereitung der Kerninhalte der Podcasts vorbildlich machen – und die ich halt kenne und regelmäßig höre. Da ist etwa der Podcast der Online-Marketing-Rockstars, der in Deutschland für alle digital Tätigen ein Muss ist. So viel Neues aus benachbarten Branchen erfahre ich nirgendwo, und ich bin wirklich schon lange im Neuland Internet unterwegs. Kurz nach der Folge erscheint dann auch eine Zusammenfassung des Interviews, und das eignet sich hervorragend zum Weiterschicken im Büro (Slack-Channel #management).

Zweiter Podcast, der in Auszügen immer auch nachzulesen ist: der Digiday-Podcast. Der leider viel zu leise ausgesteuerte Chefredakteur von Digiday (das geht besser, ist im Auto kaum zu verstehen!) interviewt interessante Menschen aus der Digitalbranche. Das wird kurz und bündig zusammengefasst.

Ein Klassiker ist der dritte Podcast, den ich an dieser Stelle loben möchte: Von den Sponsoren lassen sich Karen McGrane und Ethan Marcotte die Transkription ihres Responsive-Webdesign-Podcasts zahlen. Und davon dürften sie auf Dauer auch bei Google profitieren. Also: Investiert 100 Euro (oder wenigstens zehn) in einen Transkriptionsservice und testet das Ergebnis. Wenn ihr mit wenig Musikbetten auskommt, werdet ihr von der Textqualität überrascht sein. Euer SEO-Erfolg festigt die Podcast-Branche und führt dem Markt neue Kunden zu.

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