Filmkritik: “Solo – A Star Wars Story”

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Die Vorgeschichte von Chewbacca würde mich interessieren. Foto: Freestocks.org

Die Vorgeschichte der Vorgeschichte war bei „Solo“ spannend. Die Dreharbeiten waren wohl eine Katastrophe, das Drehbuch eher work-in-progress.

Vulture’s source, who declined to be identified because he is not authorized to publicly discuss the movie at this time, felt Lord and Miller were out of their depth, more cut out for light comedy — like The Lego Movie and 2012’s big-screen adaptation of 21 Jump Street, the movies for which the pair earned their reputation for delivering surprise hits — than the kind of big-budget, galaxy-questing action that Lucasfilm required.

Der Film ist es nicht. Also spannend. Alles läuft linear, wie am Schnürchen.

So ähnlich wie bei „Rogue One“ hat der Film „Solo“ die Aufgabe, einen sehr kleinen Teil der großen Star-Wars-Saga mit Vorgeschichte aufzufüllen, die sich möglichst wenig mit dem beißt, was die Kanon-Filme zu dem Thema schon gemacht haben. Bei „Rogue One“ war es ein Objekt – mit neuen handelnden Personen, im Großen und Ganzen: die Baupläne eines Todessterns, mit dem mittlerweile berühmten fatalen Fehler im Raumschiff-Design. Bei „Solo“ kriegt eine Figur eine Vorgeschichte, die wir bisher noch nicht kannten – und zwar eine Nebenfigur, an der immer Sympathien hingen: Han Solo. Der profitiert in der Betrachtung davon, dass er mit einer gewissen Lässigkeit von Harrison Ford gespielt wird. Die gleiche Persona, die er in Indiana Jones aufscheinen lässt, geistert auch durch Star Wars. Nur vielleicht mit weniger Hochschulabschlüssen.

Solo ist nämlich ein notorischer Lügner, Dieb und Romantiker. Und natürlich Pilot. Er wächst in Gefangenschaft auf, die an Sklaverei grenzt. Er stiehlt für die Sklavenhalterin, und heimlich versucht er, Beutegut auf die Seite zu bringen. Um sich und seine Liebste zu befreien.

Seine „Was-juckt-mich-das-alles?“-Haltung hat er da schon, rein optisch ist das Casting von Alden Ehrenreich sehr gelungen. Ehrenreichs mimische Bandbreite ist, naja, überschaubar. Er muss im Grunde zwei Emotionen zeigen „wird schon werden“ und „Schock-schwere Not“. Letztere natürlich nur ganz kurz, weil ein echter Haudegen-in-Ausbildung so etwas nur in schwachen Momenten aufscheinen lässt. Meist ist er also eine Projektionsfläche für unsere Gedanken, die wir glauben, die er hat. Sehr leer, sehr jung ist dieses Gesicht. Er wäre perfekt auf Instagram. Lippen zusammengeschürzt, könnte er zu einem Zehntel von Stefanie Giesinger Followerschaft kommen. Wenn es denn in der Galaxie, weit, weit entfernt, Instagram gäbe.

Es ist Zeit für diese Gedanken, weil die Story so unglaublich vorhersehbar ist. Paar liebt sich, wird getrennt, trifft sich nach vielen Jahren weiter, hat sich auseinander entwickelt, er weiß es, sie nicht. Und wo einst innigstes Vertrauen angebracht war, sollte jetzt besser Vorsicht walten – aber ich will nicht zu sehr spoilern. Endgegner ist der immer verlässlich-mysteriös-bis-schurkenhafte Paul Bettany. Seit seinem Auftritt als Marktschreier der Ritter in „Ritter aus Leidenschaft“ mag ich den sehr gern, selbst seine Rolle als Vision im Marvel-Universum hat ihn mir nicht verleiden können. Für seine Darstellung in diesem Film scheint ihn die Doppelbödigkeit von Rhys Ifans in der Serie „Berlin Station“ inspiriert zu haben, und von ihm hat er das, was man als an der Grenze zum Chargieren Schauspielern bezeichnen könnte, entliehen.

Star Wars VII brachte schon den Tabubruch: Wer fürs Imperium gearbeitet hat, kann dennoch als Rebell erlöst werden. Solo unterscheidet sich da nicht von Finn (John Boyega) dem Storm-Trooper-wird-Pilot-für-die-Allianz-Charakter aus „Star Wars: The Last Jedi“. Dabei ist die Militärzeit von Solo alles andere als glaubwürdig. In den Missionen, in denen wir ihn erleben dürfen (in der Infanterie, tief in Schützengräben, nicht als Pilot), ist er so widerborstig und verweigert so viele Befehle, dass es ein reines Wunder ist, dass er nicht von einem Militärgericht verurteilt oder gar gleich standrechtlich erschossen wird. Er nervt.

Aber wie jeder naive Mensch, auf dessen Heldenreise wir uns mitnehmen lassen (müssen, es ist kein anderer zum Identifizieren da), muss er leiden: Vaterfigur verlieren, Schwester verlieren – erst dann kommt die Erlösung in Form von Chewbacca (bester Freund) und Prinzessin Leia (Frau, die ihn für das erkennt, was er sein könnte, und dafür liebt).

Das ist alles sehr mechanisch, und ich hatte Zeit, trotz beschlagener 3D-Brille, mir Gedanken darüber zu machen, wie die Drehbuchautoren im Writer’s Room sich die Logik überlegt haben. Das Schöne an dem riesigen Universum ist ja, dass es überall genügend bewohnbare M-Klasse-Planeten, ach ne, das ist ein anderes Universum. Also: Planeten betrachtet dieser Film als weiteres Setting, in dem man einfach mal lustig aussehende Aliens erschaffen kann. Die wichtigen sind natürlich humanoid genug, dass wir sie lieb haben können. Ich-se-mich-se-Fehltritte erlaubt sich diese sehr saubere, kontrollierte Disney-Welt natürlich nicht mehr.

Wertung: 3 von 5 Millennium Falcons

Photo by freestocks.org on Unsplash

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