Symbolbild Yoga: Frau am Strand. Foto: Simon Rae/Unsplash

Nischen-SEO für Themes schön und gut, aber das geht zu weit

Eigentlich habe ich mir gedacht, ich brauche keine Pointe. Aber eine kleine Vorbemerkung schon. WordPress ist das beliebteste CMS der Welt. 25 27 Prozent aller Websites laufen darauf. Jeder kann das einrichten, und das führt auch dazu, dass jeder mitreden kann. Und das jeder Kunde werden kann.

Für kein anderes CMS gibt es so viele Designs für das Frontend wie für WordPress. Das technische Konstrukt, wie man WordPress-Frontends designt, nennt sich Themes. Um sich die Arbeit zu ersparen, so ein Theme selbst zu designen und zu programmieren, kann man Themes auch in Onlineshops kaufen. Bei vielen davon habe ich den Feed mit ihren Neuvorstellungen abonniert, damit ich auf dem Laufenden in der WordPress-Welt bleibe. Ein paar besondere Perlen habe ich heute mal aus dem Feedreader gezogen:

Die 33 besten Themen für Versicherungsagenturen
http://wplift.com/insurance-wordpress-themes

Die 25 besten Themes für Yoga
http://wplift.com/best-yoga-wordpress-themes

Die 50 besten, femininen Themes
https://themefurnace.com/blog/feminine-wordpress-themes/

Die 20+ besten Themes für Knowledge Bases
https://themefurnace.com/blog/knowledge-base-wordpress-themes/

Die besten Themes für Sportvereine
http://wplift.com/best-sports-themes

Die besten Themes für Nachtclubs
https://athemes.com/collections/nightclub-wordpress-themes/

Diese Liste könnte man endlos weiterführen. Vielleicht werde ich sie noch mal um besonders absurde Themes erweitern. Ich warte noch auf Bestatter und Aromatherapie.

Photo by Simon Rae on Unsplash

Es gibt bereits den definitiven Post zum Thema wp-admin

Das Problem habe ich auch schon gehabt: zu viele Plugins im Backend von WordPress. Die Community nennt das nach der URL wp-admin. Darüber gebloggt habe ich auch schon – ich habe es Zumüllen genannt.

Jetzt bin ich über eine Umfrage gestolpert, die das „Loslassen von wp-admin“ getauft hat.

Aber Freunde, das muss nicht sein. Es gibt Regeln und noch mehr Regeln für Plugins!

Post-its auf digital: Entwürfe im CMS. Foto: Unsplash / Kelly Sikkema

Edge Case der User Experience: viele Entwürfe in WordPress

Kennen Sie das? Die Kollegen haben für ihre Gedankenstütze Klebezettelblöcke auf dem Schreibtisch liegen. Und da wird notiert, was länger als zwei Minuten dauern würde. Das ist gute Getting-Things-Done-Praxis. Ich habe das Buch von David Allen („Getting Things Done“ eben) damals verschlungen, und Teile davon in meine Praxis umgesetzt. Außerdem habe ich es schon 2x verschenkt. Weil ich nämlich eben auch ein Klebezettelmessie bin. Die Kollegen, von denen ich da spreche, bin zu einem Gutteil auch ich selbst. („Experten sagen…“)

Meine Klebezettel finden sich jetzt in Wunderlist ToDoist. Da habe ich verschiedene Listen angelegt, etwa für die Arbeit mit den aktuellen To-Dos, das ist die aktivste. (Außerdem müsste-man-mal-Listen und eine Liste für angehende Praktikant*innen bei uns.)

Aber auch fürs Bloggen habe ich einen Themenspeicher dort angelegt. Genauer: für jedes Blog ein eigenes Projekt. Der Titel des Eintrags ist dann der geplante Titel des Blogposts.

Manchmal reicht der Speicher aber nicht. Besichtige ich die dürren, nur aus dem Titel des künftigen Blogposts bestehenden Notizen, Monate später dort, wo gern auch noch mal Rechtschreibfehler enthalten sind, fällt mir oft nicht mehr ein, was ich eigentlich bloggen wollte. (Notiz an mich selbst: gleich Skelett des Beitrags mit anlegen, im Kommentar zur Aufgabe.)

Der noch bessere Weg ist es daher für mich, bereits einen Entwurf für einen Post mit einer Outline mit Stichworten anzufangen. Dass mir Posts gern mal aus dem Ruder laufen, vor allem im Einstieg – geschenkt. So eine Outline zwingt im Nachgang zu etwas mehr Sorgfalt. Derzeit liegen in meinem Blog mehr als 190 Entwürfe, die ich auch versuche abzuarbeiten. Warum so viele? Weil ich aus meinem Lieblingsclient zum Bloggen, MarsEdit, wegen der geplanten Neuinstallation alle ins Blog geschickt habe. Gern auch mal in unterschiedlichen Zuständen. Versionskontrolle von Blogpostentwürfen wäre auch ein Thema für einen Post. Heute soll es aber über die Übersichtlichkeit des Redakteursbackends in CMSen gehen.

Es ist ganz sicher ein Edge Case in der CMS-Entwicklung. Die User Story liest sich auch nicht ganz schmeichelhaft:

Als Redakteur möchte ich eine Ansicht im CMS-Backend haben, die es mir ermöglicht, den Zustand vieler (n= 50-100) angefangener Beiträge auf einen Blick einzusehen, damit ich schneller entscheiden kann, welchen Blogpost ich als nächsten fertigstelle.

Als Product Owner würde ich so eine Story auch nach hinten priorisieren. Der Business Value ist zweifelhaft. Einem Stakeholder in einem solchen Projekt würde ich sagen: Dafür ist das System nicht vorgesehen. Da sollen die Nutzer weniger anfangen und mehr beenden.

Aber warum ist das eigentlich so und wie müsste das in einer besseren Welt aussehen? Es wäre eine Liste mit Spalten, so ähnlich wie in Outlook. Stürzt das Programm ab, so speichert es in der Regel die bereits begonnenen Entwürfe ab. Es gibt dann nicht nur einen Eintrag mit dem Betreff, sondern auch dem Empfänger und einen Zeitstempel der letzten Änderung an dieser Mail. Seltsamerweise sind aber die meisten Outboxen oder Postausgänge nicht so durchkonzipiert wie die Inboxen. Inboxen sind für schnelle Abarbeitung ausgelegt, Outboxen nicht. Offenbar weil die Konzepter von einer 1:n-Beziehung ausgehen, vermute ich. Alle (=n) können dir schreiben, aber nur 1 kann nach außen senden. (Haben die eine Ahnung. Wer unter Andruckstress und hartem Redaktionsschluss produziert hat, kann erstaunlich viel produzieren. Zum Beispiel auf der Heimfahrt – da gehen zwei vollständige Blogposts, ohne Links, oder etwa drei bis vier Outlines.)

Das gewünschte System würde die Einträge also in einer stufenlos verstellbaren Ansicht anbieten – mehr Details, wenn der Autor das gern hätte. Wie man das Problem neu betrachten kann, beweist für mich die Desktop-WordPress-App für den Rechner. Anders als beim klassischen wp-Admin, dem beliebten und auch verhassten Backend der Blogsoftware, ist für das Anzeigen eines Posts da nicht eine Zeile, sondern gleich eine ganze Karte. Nimmt noch mehr Platz weg, ist zum Abarbeiten aber ein bisschen hilfreicher, weil man erahnen kann, worum es in dem Entwurf geht:

Dieses Stück Software heißt im WordPress-Slang Calypso, und der Talk, den ich dazu auf dem WordCamp Europe 2016 in Wien gesehen habe, zeigte mir: Bei Automattic macht man sich wirklich Gedanken, wie man die User Experience verbessern kann. Gleichzeitig muss man eben die Legacy-Software-Probleme des beliebtesten CMS der Welt beachten. Ein… weit aufgespreizter Spagat, um das nett zu sagen.

Die meisten Redaktionssysteme gehen auch von einem mehrstufigen Publishing-Workflow aus. Autor schreibt etwas, schickt das zum abnehmenden Redakteur, der gibt frei und plant den Beitrag ein. So ist etwa die Dashboard-Ansicht in einem anderen CMS, das ich gut kenne, eZ Publish zu verstehen.

Auch Non-CMS-Web-Publishing-Lösungen wie Jekyll lösen das Problem nicht. Dort hat man dann nur in dem Posts-Ornder der Installation lokal einen Haufen Markdown-Dokumente vorliegen, die man mit dem Finder oder dem Explorer previewen kann. Auch nicht ideal, um den Überblick zu behalten.

Meine Lösung ist jetzt jedenfalls pragmatisch. Ich bin kein Coder, daher kann ich mir nicht das Interface bauen, das ich brauche. Ich räume auf. Ein Post nach dem anderen. Ein CMS ist auch nur wie ein Wohnzimmer. Wenn ich mich da nicht mehr wohlfühle, muss ich einfach mal aufräumen. Da kann ich nicht einfach nach einer Fee rufen, die für mich klar Schiff macht. Es ist eine Herkulesarbeit, aber dann habe ich genug Blogposts im Köcher, die im Urlaub erscheinen können.

Nur noch 194 to go.

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

Gutenberg soll für WordPress so epochal sein wie Gutenberg für die Welt. Illustration: Flickr-Nutzer Frédéric BISSON

WordPress: Gutenberg verstehen

Gutenberg verstehen, das war der Plan. Am besten von einem WordPress-Experten erklären lassen, das wäre perfekt.

Von meinem veritablen Respekt vor WordPress-Community-Legende Mor10 habe ich schon erzählt. Morten Rand-Hendriksen ist ein WordPress-Dozent, dessen Kurse sich schon hunderttausende Nutzer bei Lynda.com/Video2Brain angesehen haben. Das erste Mal habe ich ihn in Wien beim WordCamp Europe 2016 sprechen gesehen.

Jetzt, im Dezember 2017, hat er wieder zugeschlagen, also nur im übertragenen Sinne, er ist einfach viel zu freundlich. Auf dem WordCamp US 2017 in Nashville, dem größten zweitgrößten WordPress-Treffen weltweit, hat er seine Gedanken zum großen WordPress-Projekt Gutenberg vorgestellt.

Für die, die nicht wissen, was Gutenberg im WordPress-Kontext bedeutet

WordPress gilt als das erfolgreichste Web-CMS der Welt. Dabei ist es das nicht. Es ist ein Blog-CMS. Erst mit den geeigneten Erweiterungen, Plugins, wird WordPress als CMS für Magazin-Webseiten tauglich. Das haben wir bei TargetVideo gemacht, und unseren eigenen Stack für unsere Anforderungen bei Amazon Web Services kreiert, und tausende andere Agenturen, Startups und KMUs tun das auch, in einem extrem ausdifferenzierten Ökosystem. Es gibt alles schon einmal.

Was heißt das? Es gibt für viele Standardanfragen ein Standardset an Features, was man installiert, und dann kann WordPress auch das. So wie Neo Kampfsportarten in „Matrix“ lernt.

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Auf einmal geht es. Und WordPress kann Kung Fu – mit dem richtigen Theme. Alles geht – das ist der Plugin-Theme-Weg, den Millionen von WordPress-Nutzern kennen.

Back to black: Gutenberg

Mit Gutenberg wird sich das ändern, und ich hatte mir schon lange nicht mehr den Fortschritt der Entwicklung bei dem, was ich für den neuen Editor hielt, angesehen. Jetzt also das Video von Mor10. Und in 27 Minuten verrät er alles, was man wissen muss. Ich schweige kurz. Video ansehen, dann geht es weiter: https://wordpress.tv/2017/12/10/morten-rand-hendriksen-gutenberg-and-the-wordpress-of-tomorrow/

Einige der Fragen, die am Anschluss gestellt werden, sind tatsächlich gut. Das ist selten bei solchen Veranstaltungen. Und im Q&A-Teil gibt auch Morten Rand-Hendriksen zu, dass er zuerst Gutenberg als Editor-Ersatz gesehen habe. Aber das ist nicht alles. Ich hätte gefragt, wie ACF und Gutenberg zusammengehen. Aber dafür gibt es auch ein GitHub-Issue – schon seit Juni.

Gutenberg ist der Versuch, WordPress ohne einen deftigen Versionsnummernsprung, wie das andere Software (auch Konkurrent Typo3) macht und gemacht hat, zu einem voll flexiblen Inhalteverwaltungssystem zu machen. 4.9.1 ist jetzt, Gutenberg kommt (vielleicht/wohl) mit 5.0. Richtiger wäre wohl 6.0. Oder WordPress 95.

Und das geht einher zwar mit einer engen Verknüpfung von Form und Inhalt. Und das ist auch der Punkt, an dem ich eher kritisch bin, was das angeht. Viele professionelle WordPress-Projekte entstehen als decoupled frontend, auch bei TargetVideo.

WordPress-Erfinder und benevolent dictator for life Matt Mullenweg gibt den Rahmen und die Begründung für Gutenberg in wolkigen Phrasen wieder, wie er das immer macht, in seinem Post

„We called it Gutenberg for a reason“:

The printing press ushered in social, political, and economic sea changes. Gutenberg changed everything. WordPress has always been about websites, but it’s not just about websites. It’s about freedom, about possibility, and about carving out your own livelihood, whether it’s by making a living through your site or by working in the WordPress ecosystem itself. We’re democratizing publishing — and democratizing work — for everyone, regardless of language, ability, or economic wherewithal.

Wenn man das zersägt und weiter denkt, gibt er damit zu: Gutenberg soll alles ändern für WordPress. (Eine Softwareschmiede, HumanMade, die in der WordPress-Welt Rang und Namen hat, bietet sogar ein Whitepaper für diese dramatische Veränderung an.)

Was genau ändert Gutenberg?

Der bisherige Content-Blob, das Objekt, in das alles hineingepumpt wurde, und das Datenbankabfragen etwa nach einem Wechsel des Page Builder-Plugins fast nur noch Müll ausspucken ließ, wird durch etwas strukturierteren Content, kleinere Häppchen, die so genannten Blocks ersetzt. Der Wandel zu Gutenberg beginnt am Editor, wie Mor10 erklärt, weil das einfach der logische Anknüpfungspunkt ist. Aber auch Sidebar und Co. können sich durch Gutenberg massiv ändern.

PageBuilder sind eine Plage im WordPress-Kontext, einfach deshalb, weil sie so mächtig sind und dem System Funktionen gibt, die es out-of-the-box (Core WordPress) nicht hat. Mor10 hat PageBuilder auch erst für die ersten Opfer von Gutenberg gehalten, hat aber mittlerweile seine Meinung etwas revidiert.

Das neue System, Blocks statt Blob, ist epochal anders als bisher, und eine der beliebtesten Agenturen aus der WordPress-Welt, Yoast, hat das auch im Oktober noch kritisiert:

Here at Yoast, we are worried about the use of new technology combined with the introduction of big new concepts. This is bound to make for a rocky experience.

Morten ist ganz begeistert von den neuen Möglichkeiten, er ruft alle zu Experimenten auf. Ist auch richtig, aber mit wenig Geld gilt: Ich habe Bedenken, weil das alles auch Geld kostet – neue Wege ausprobieren, verwerfen und wieder neue Wege finden.

Das Umstellen der bestehenden WordPress-Installationen, die für ganz bestimmte Usecases mit Tonnen von Plugins angepasst wurden, wird viel Arbeitszeit kosten. Schlaue WordPress-Community-Mitglieder haben ihren Kunden schon empfohlen, dafür Budget fürs nächste Jahr einzuplanen. Eine Stimme:

The Gutenberg transition comes at a very high cost for small businesses. These businesses usually only have the resources to deal with their own daily business, but that’s pretty much it. However, with Gutenberg development processes need to change, products need to be modified or completely recoded, people need to improve their coding skills (learn JavaScript deeply), documentation needs to be rewritten, customers need to be educated, new staff needs to be hired to deal with the additional workload and so on. All of this while there is not much time left.

Oder aus einem GitHub-Ticket des Marketing-CoReps von WordPress zum Thema:

Small businesses often come to WordPress for the reasons we promote: technical SEO, ease of publishing, owning your own data. Convincing them to stay, when another option may be cheaper (WIX, Squarespace, even Dot Com), may become a challenge. Businesses don’t make decisions based upon community loyalty; they make decisions based upon finances.

Possible Solution

I would love to see the version that will be shipped with 5.0 set sooner than later. This will allow WordPress educators, agencies, businesses, the Make Team, and development shops to prepare the general public for the rollout with marketing materials, documentation, and, of course, compatible code.

Was ist mein Fazit zu Gutenberg?

Die Umstellung auf Gutenberg sollte länger dauern, als das bei einem neuen Release normalerweise der Fall wäre. Zu viel ändert sich, was kleine Teams und kleine Webseiten überfordern würde. Ich wollte nur meine Gedanken mal in einen längeren Faden knüpfen.

Illustration: Flickr-Nutzer Frédéric BISSON

Calypso und der Zug

Calypso ist die Zukunft von WordPress. Das hat Matt Mullenweg auf dem WordCamp US 2016 wieder mal erzählt. Offenbar gibt es in der Zukunft überall Internet. Denn Calypso, der Desktop-Client für den Mac, ist ohne eine durchgängige Internetverbindung nicht nutzbar. Ich hatte ja wirklich überlegt, das alte Schlachtross MarsEdit, dessen Bookmarklet ich so oft in der Lesezeichenleiste in Chrome sehe und nutze, aufs Altenteil zu schicken. Aber nicht so schnell, junger WordPress-Padawan.

Software, die das Internet braucht: Irgendwie fühle ich mich an die Anfangsjahre der Chromebooks erinnert. Da war das auch notwendig. Ohne Netzverbindung waren die netbookartigen Geräte von Google nur schwer. Aber nicht besonders nützlich. Mit dem Hinzufügen von Offlinefunktionen und Entwicklungen wie PWA (Progressive Web Apps) täuschen die manchmal auch über Schwankungen in der Netzqualität hinweg.

Das wünsche ich mir für Calypso

Ich bin kein Entwickler, aber dennoch hätte ich gern ein paar Feature Requests an WordPress für das neue Vorzeigeprojekt. Deswegen habe ich die hier einmal aufgeschrieben:

  • Die Software speichert zur letzten Nutzung alle Entwürfe und eine lokale Kopie der Post-Datenbank der letzten 30 Tage. Dann kann man die Software schließen und beim nächsten Start steht alles zur Verfügung. Ohne Netz kommt nur diese traurige Fehlermeldung, die ich bekommen habe. 
  • Wenn ich die Software starte ohne Netzverbindung, darf mich das Programm gern darauf hinweisen, dass ih erst einmal nix publizieren kann. Aber meinen Entwurf würde ich gern in die Tastatur hauen können. So wie diesen Post, den ich in zehn Minuten zwischen München Ost und Rosenheim geschrieben habe.

Ja, das Netz sollte überall sein. Aber auch Automattic darf sich nicht darauf verlassen, dass der Netzausbau in ländlichen Regionen in Deutschland schnell genug vorankommt. Und manchmal will man ja auch gar nicht seinen Rechner über Netzverbindungen nach außen öffnen. Etwa, damit der Akku im Zug noch ein bisschen länger hält.

Du bist Introvertiert und glaubst nicht an dich, oder: Hochstapler-Syndrom, das

Irgendwo in den ersten zehn Jahren meiner Karriere im Online-Journalismus ist die Spezialisierung gekommen. Sie ist nicht über Nacht gekommen, sondern wie allen epochalen Brüche als schleichender Prozess. Heute sind Onlineredakteure viel besser ausgebildet, um im Nachrichtengeschehen standzuhalten, um ein Beispiel aus dem Online-Journalismus zu nennen. Um Fehler zu erkennen, Geschichten sozial zu verbreiten.

Aber sie können in ihrer Gesamtheit (meine Erfahrung) auch weniger gut konzeptionell arbeiten. Diese Fähigkeit ist weg gewandert, in den leitenden Journalismus, ins Produktmanagement oder die Produktentwicklung.

Sie können auch kein HTML mehr, das machen jetzt Entwickler für sie und praktische Shortcodes oder HTML-Container im CMS. Der Webdesigner ist seltener geworden, meist reden Designer mit Frontend-Entwicklern. Da gibt es viele dieser Fähigkeitenwanderungen. Das ist auch nix Schlimmes, ist einfach eine normale Folge der Spezialisierung, einer Grundtendenz der modernen Gesellschaft.

Ich bin als Journalist Generalist gewesen und bin es heute auch noch. In vielen Feldern, in denen ich arbeite, sind andere besser. Programmieren, Design, Projektmanagement – die Liste ist endlos. Aber meine Kombination der Fähigkeiten macht mich wertvoll. Für ein Startup ganz besonders, wo ich viele Hüte tragen darf und muss.

Daher lief Sonja Leix bei mir offene Türen ein, und auch bei vielen anderen, wie man an den zahlreichen hoch gehobenen Armen in dem Video sieht. Der Kern ihrer Aussage ist: Du zählst was, die anderen sind nicht alle besser als du. Ich habe mich in dem Blog auch schon mit Designern vergleichen und kam nur zu einem Zähneknirschen.

Sonja Leix bedankte sich mit dieser phänomenal offenen Rede bei der WordPress-/WordCamp-Community. (Wer das lieber lesen will, kann es auf ihrem Blog tun.) Jeder Introvertierte, der das Gefühl der (eingebildeten) Unterlegenheit kennt, sollte sich das ansehen, um Kraft zu tanken. Jede Führungskraft, die mit Kollegen in Home Offices zu tun, sollte sich das ansehen

Was man lernen kann?

  • Sprich bei Events, etwa einem WordCamp
  • Lass Lob an dich heran, vor allem das ernst gemeinte
  • Vergleich dich nicht mit den großen Leistungen – alle machen Fehler

Fragen, die ich gern beantwortet hätte, für die ich aber keine Antwort habe:

  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen Solopreneurship und Imposter Syndrom? (Hochstapler-Syndrom). Sonja Leix spricht davon, dass sie viel daheim gearbeitet hat, und nicht zu WordCamps oder Meetups ging
  • Ist es irgendwann zu spät, kein Imposter/Hochstapler mehr sein zu wollen? Wir kennen all die im Job Resignierten, die noch brennen könnten, wenn man sie nur ließe.

Und wegen Sonja Leix habe ich auch noch an diesem Barcamp-WordCamp Köln in 2016 teilgenommen. Darüber habe ich geschrieben. Obwohl ich dieses Jahr auf keine weitere Konferenz wollte.

WordCamp Cologne 150x150

Wissensmanagement in Unternehmen

Wissensmanagement, ein großes Wort. Was meine ich damit? Wissen ist Macht. Das gilt insbesondere für Unternehmen. Wer viel weiß, nimmt als Mitarbeiter automatisch eine privilegierte Stellung ein. Das ist oftmals keine durch Titel gekennzeichnete Position, sondern eine rein informelle. Die hat etwas mit der Nützlichkeit des Wissens zu tun, das die Person besitzt. Ich kenne mich damit aus, ich behaupte mal, ich habe das das ein oder andere Mal schon so erlebt.

Dieser Prozess ist ungesteuert. Er hat mit gemeinsamen Projekten und Erlebnissen zu tun. Er hört immer an den Kontakten und Kontakten von Kontakten auf. Er ist nicht planbar. So belastbar er in gewachsenen Organisationen auch ist, weil die Fluktuation gering ist: In schnell wachsenden Unternehmen wie Startups kommt er schnell an seine Grenzen.

Zentralisiertes Wissensmanagement

Als Führungskraft ist es mir daher wichtig, das, was wir als Organisationswissen erarbeitet haben, auch zu dokumentieren. Denn die Probleme, die man einmal gelöst hat, kommen wieder, wenn auch in anderer Form.

So habe ich schon 2008 in der Zusammenarbeit mit Partnern bei meinem ersten Startup als Mitarbeiter eine Dokumentation für immer wiederkehrende Themen angelegt. Die ist mir jetzt über den Weg gelaufen, als ich mich mit dem neuen Aufguss von Google Sites beschäftigt habe – das kann es mittlerweile bis auf die Custom Domain als kostenloses Produkt beinahe mit Squarespace aufnehmen. Damals habe ich mit dem Firmen-Google-Account da mehrere Spaces angelegt, äh, Sites: einen fürs Produktmanagement, einen für die Partner und einen später als Übergabe für meinen Nachfolger.

Gerade den letzten empfinde ich als peinlich. Eigentlich hätte der gar nicht notwendig sein müssen, weil meine Arbeit aus sich heraus gut dokumentiert war. Das war sie aber nicht.

Acht Jahre später finde ich mich natürlich schlauer. Viel zum Operations ist jetzt im Firmen-Jira und im Trello notiert. Und Handgriffe, die immer wieder gemacht werden müssen, aber selten vorkommen (etwa im Projektgeschäft alle paar Monate), schreibe ich gleich ins Intranet oder Firmen-Wiki, das ich auf der Basis von WordPress angelegt habe. Warum WordPress? Weil das unsere meist genutzte Software bei TargetVideo ist.

Dabei habe ich mich bewusst gegen andere System entschieden. Bei Microsoft wurden zum Beispiel Sharepoints für den Austausch zwischen internen und externen Stakeholdern angelegt. Das ist aber sehr mühselig, weil man immer erst ein Dokument öffnen muss, bevor man etwas lesen kann. Davon rate ich aus diesem Grund der mangelnden Einfachheit also ab. WordPress würde ich heute wohl etwas anders aufsetzen, oder gleich ein Q&A-fähiges Produkt benutzen. Aber die Suche ist eh die wichtigste Funktion in Intranets. Die muss passen. Wir setzen hier auf die Kombination ElasticPress und Elasticsearch.

The WordPress 1%: Lektionen aus dem Scaling auf 1 Million Nutzer

Der Aufruf war unmissverständlich: Wenn du zum ersten Mal auf einem WordCamp bist, mache eine Session. Ich habe das nicht geplant, und ich wollte es auch nicht tun. Aber dann kam der Moment der Sessionplanung beim WordCamp Cologne 2016 und da war noch eine Lücke – also habe ich meine Session gepitcht.

Seit einem Jahr beschäftige ich mich intensiver mit WordPress. Und zwar als CMS für Magazinseiten. Das ist schon mehr als WordPress von Haus aus eigentlich kann. Das Besondere an Magazinseiten ist nämlich, wenn man mit menschlichen Redakteuren zusammenarbeitet, dass diese die Magazinseiten auch händisch bestücken wollen mit Teasern. Im alten Zeitschriftensprech hieß das Komponieren. Etwas Ähnliches tun auch Onlineredaktionen noch. Die Mischung muss auch hier stimmen. Henri Nannen wäre froh, wenn er das noch mit erleben könnte.

Und so haben wir uns in der Anfangszeit des Verticalbetriebs bei TargetVideo für den Site Builder Visual Composer entschieden. Der stellte sich dann bald als eher ein Problem denn als eine Lösung heraus. Deshalb sind wir dabei, den aus unseren Verticals wieder zu entfernen. Das war eins der wichtigsten Learnings.

Aber auch andere betreiben große WordPress-Installationen, von denen kann man lernen. So etwa von zwei Artikeln, die haarklein schildern, wie man auf AWS WordPress zum richtigen Laufen bringt. Das ist nämlich nicht trivial. WordPress ist nicht dafür gedacht, auf einem verteilten Stack zu laufen. Dafür muss man einiges tun.

Anstatt sich meinen Vortrag anzusehen, kann man auch einfach zwei Blogposts folgen, die ich aus vollem Herze empfehlen kann: beim Cloudonauten (https://cloudonaut.io/wordpress-on-aws-you-are-holding-it-wrong/) und bei Big Bite Creative (https://bigbitecreative.com/scalable-wordpress-with-aws-elastic-beanstalk/)

Mir ging es bei dem Vortrag nicht um Kundengewinnung oder Kudos von der Community. Mir ging es um Feedback: Ist der Weg mit Elasticache der richtig? Kann man mit Advanced Custom Fields Visual Composer ablösen? Oder kommt man dann bloß in eine andere div-Hölle?

Hier sind meine Folien. Außerdem habe ich sie bei Slideshare zur Verfügung gestellt, damit ich dort von der besseren Auffindbarkeit profitieren kann.

Sobald die Videos online sind, füge ich im folgenden Absatz noch den Link ein:

Und hier ist mein Vortrag, bei dem es sich lohnt, zur Diskussion zu skippen – ich hoffe, die wurde auch aufgenommen. Für die Diskussion habe ich den Vortrag nämlich gehalten. Das Feedback, das ich da bekommen habe, hätte ich in so kurzer Zeit im Netz in der Community nie zusammenbekommen.