0,9x oder die Zukunft ist schon da

Wir haben bei der Arbeit einen aktiven Slack-Einsatz. Wir teilen Dinge mit den Kolleg*innen, die wir für wertvoll halten. (Und verabreden uns fürs Kino, Mittagessen, Rauchen…)

Mein Weihnachtsgeschenk eines lieben Kollegen in Slack war das Video „10 Year Futures“ von Benedict Evans, der bei a16z arbeitet. (Der hat auch die epochale Präsentation Mobile is Eating the World gehalten.) Ich glaube, aus dem nur 65.000x bis heute angesehenen Video kann ich noch beliebig viele Blogposts schnitzen.

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Gutenberg soll für WordPress so epochal sein wie Gutenberg für die Welt. Illustration: Flickr-Nutzer Frédéric BISSON

WordPress: Gutenberg verstehen

Gutenberg verstehen, das war der Plan. Am besten von einem WordPress-Experten erklären lassen, das wäre perfekt.

Von meinem veritablen Respekt vor WordPress-Community-Legende Mor10 habe ich schon erzählt. Morten Rand-Hendriksen ist ein WordPress-Dozent, dessen Kurse sich schon hunderttausende Nutzer bei Lynda.com/Video2Brain angesehen haben. Das erste Mal habe ich ihn in Wien beim WordCamp Europe 2016 sprechen gesehen.

Jetzt, im Dezember 2017, hat er wieder zugeschlagen, also nur im übertragenen Sinne, er ist einfach viel zu freundlich. Auf dem WordCamp US 2017 in Nashville, dem größten zweitgrößten WordPress-Treffen weltweit, hat er seine Gedanken zum großen WordPress-Projekt Gutenberg vorgestellt.

Für die, die nicht wissen, was Gutenberg im WordPress-Kontext bedeutet

WordPress gilt als das erfolgreichste Web-CMS der Welt. Dabei ist es das nicht. Es ist ein Blog-CMS. Erst mit den geeigneten Erweiterungen, Plugins, wird WordPress als CMS für Magazin-Webseiten tauglich. Das haben wir bei TargetVideo gemacht, und unseren eigenen Stack für unsere Anforderungen bei Amazon Web Services kreiert, und tausende andere Agenturen, Startups und KMUs tun das auch, in einem extrem ausdifferenzierten Ökosystem. Es gibt alles schon einmal.

Was heißt das? Es gibt für viele Standardanfragen ein Standardset an Features, was man installiert, und dann kann WordPress auch das. So wie Neo Kampfsportarten in „Matrix“ lernt.

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Auf einmal geht es. Und WordPress kann Kung Fu – mit dem richtigen Theme. Alles geht – das ist der Plugin-Theme-Weg, den Millionen von WordPress-Nutzern kennen.

Back to black: Gutenberg

Mit Gutenberg wird sich das ändern, und ich hatte mir schon lange nicht mehr den Fortschritt der Entwicklung bei dem, was ich für den neuen Editor hielt, angesehen. Jetzt also das Video von Mor10. Und in 27 Minuten verrät er alles, was man wissen muss. Ich schweige kurz. Video ansehen, dann geht es weiter: https://wordpress.tv/2017/12/10/morten-rand-hendriksen-gutenberg-and-the-wordpress-of-tomorrow/

Einige der Fragen, die am Anschluss gestellt werden, sind tatsächlich gut. Das ist selten bei solchen Veranstaltungen. Und im Q&A-Teil gibt auch Morten Rand-Hendriksen zu, dass er zuerst Gutenberg als Editor-Ersatz gesehen habe. Aber das ist nicht alles. Ich hätte gefragt, wie ACF und Gutenberg zusammengehen. Aber dafür gibt es auch ein GitHub-Issue – schon seit Juni.

Gutenberg ist der Versuch, WordPress ohne einen deftigen Versionsnummernsprung, wie das andere Software (auch Konkurrent Typo3) macht und gemacht hat, zu einem voll flexiblen Inhalteverwaltungssystem zu machen. 4.9.1 ist jetzt, Gutenberg kommt (vielleicht/wohl) mit 5.0. Richtiger wäre wohl 6.0. Oder WordPress 95.

Und das geht einher zwar mit einer engen Verknüpfung von Form und Inhalt. Und das ist auch der Punkt, an dem ich eher kritisch bin, was das angeht. Viele professionelle WordPress-Projekte entstehen als decoupled frontend, auch bei TargetVideo.

WordPress-Erfinder und benevolent dictator for life Matt Mullenweg gibt den Rahmen und die Begründung für Gutenberg in wolkigen Phrasen wieder, wie er das immer macht, in seinem Post

„We called it Gutenberg for a reason“:

The printing press ushered in social, political, and economic sea changes. Gutenberg changed everything. WordPress has always been about websites, but it’s not just about websites. It’s about freedom, about possibility, and about carving out your own livelihood, whether it’s by making a living through your site or by working in the WordPress ecosystem itself. We’re democratizing publishing — and democratizing work — for everyone, regardless of language, ability, or economic wherewithal.

Wenn man das zersägt und weiter denkt, gibt er damit zu: Gutenberg soll alles ändern für WordPress. (Eine Softwareschmiede, HumanMade, die in der WordPress-Welt Rang und Namen hat, bietet sogar ein Whitepaper für diese dramatische Veränderung an.)

Was genau ändert Gutenberg?

Der bisherige Content-Blob, das Objekt, in das alles hineingepumpt wurde, und das Datenbankabfragen etwa nach einem Wechsel des Page Builder-Plugins fast nur noch Müll ausspucken ließ, wird durch etwas strukturierteren Content, kleinere Häppchen, die so genannten Blocks ersetzt. Der Wandel zu Gutenberg beginnt am Editor, wie Mor10 erklärt, weil das einfach der logische Anknüpfungspunkt ist. Aber auch Sidebar und Co. können sich durch Gutenberg massiv ändern.

PageBuilder sind eine Plage im WordPress-Kontext, einfach deshalb, weil sie so mächtig sind und dem System Funktionen gibt, die es out-of-the-box (Core WordPress) nicht hat. Mor10 hat PageBuilder auch erst für die ersten Opfer von Gutenberg gehalten, hat aber mittlerweile seine Meinung etwas revidiert.

Das neue System, Blocks statt Blob, ist epochal anders als bisher, und eine der beliebtesten Agenturen aus der WordPress-Welt, Yoast, hat das auch im Oktober noch kritisiert:

Here at Yoast, we are worried about the use of new technology combined with the introduction of big new concepts. This is bound to make for a rocky experience.

Morten ist ganz begeistert von den neuen Möglichkeiten, er ruft alle zu Experimenten auf. Ist auch richtig, aber mit wenig Geld gilt: Ich habe Bedenken, weil das alles auch Geld kostet – neue Wege ausprobieren, verwerfen und wieder neue Wege finden.

Das Umstellen der bestehenden WordPress-Installationen, die für ganz bestimmte Usecases mit Tonnen von Plugins angepasst wurden, wird viel Arbeitszeit kosten. Schlaue WordPress-Community-Mitglieder haben ihren Kunden schon empfohlen, dafür Budget fürs nächste Jahr einzuplanen. Eine Stimme:

The Gutenberg transition comes at a very high cost for small businesses. These businesses usually only have the resources to deal with their own daily business, but that’s pretty much it. However, with Gutenberg development processes need to change, products need to be modified or completely recoded, people need to improve their coding skills (learn JavaScript deeply), documentation needs to be rewritten, customers need to be educated, new staff needs to be hired to deal with the additional workload and so on. All of this while there is not much time left.

Oder aus einem GitHub-Ticket des Marketing-CoReps von WordPress zum Thema:

Small businesses often come to WordPress for the reasons we promote: technical SEO, ease of publishing, owning your own data. Convincing them to stay, when another option may be cheaper (WIX, Squarespace, even Dot Com), may become a challenge. Businesses don’t make decisions based upon community loyalty; they make decisions based upon finances.

Possible Solution

I would love to see the version that will be shipped with 5.0 set sooner than later. This will allow WordPress educators, agencies, businesses, the Make Team, and development shops to prepare the general public for the rollout with marketing materials, documentation, and, of course, compatible code.

Was ist mein Fazit zu Gutenberg?

Die Umstellung auf Gutenberg sollte länger dauern, als das bei einem neuen Release normalerweise der Fall wäre. Zu viel ändert sich, was kleine Teams und kleine Webseiten überfordern würde. Ich wollte nur meine Gedanken mal in einen längeren Faden knüpfen.

Illustration: Flickr-Nutzer Frédéric BISSON

Zitrone reicht nicht immer im Winter. Foto: Daiga Ellaby on Unsplash

Aktuelle Usability-Fails deutscher Online-Apotheken

Fallzahl 1. Tester: ich.

Für den Winter muss man vorsorgen. Dazu gehört auch die Großbestellung an Medikamenten für meine Familie, die man jetzt mit drei Kindern wohl beinahe eine Großfamilie nennen kann, auch wenn mir das nicht so vorkommt. Heiße Zitrone reicht nicht immer.

Medizinfuchs ist das Idealo für Medikamente. Ja, support your local dealer, aber eben nicht immer. 10 Euro sind dann doch schon eine Menge, wenn man für 100 Euro bestellt.

Folgende Fails habe ich heute erlebt:

  • Amazon Pay-Button funktioniert nicht (Grund: dem Nutzer egal, es war das fehlende Whitelisting der Domain für das Payment-SDK)
  • Nach der Übernahme meiner Adressen aus Amazon Payments wird Griechenland als Land in meinem neuen Apotheken-Shop-Konto angezeigt.
  • Aufforderung zur Überweisung erhalten, obwohl man per Lastschrift zahlt
  • zentrierter Text in der Bestellbestätigung (Success-Nachricht im Funnel)
  • Button zur Auswahl der Zahlmethode rechtsbündig angebracht
  • Lüge:

Um ihnen eine umfassende Beratung durch unsere Apotheker zu garantieren, fragen wir nach Ihrer Telefonnummer.

Photo by Daiga Ellaby on Unsplash

Transcoding Netflix-Style. Foto: Eigene Illustration, frei nach Stranger-Things-Logo von Netflix

Spot-Instances-Inception

Ich weiß ein oder zwei Dinge über Video-Transcoding. (Auch dank der Bücher, die mir ein Freund geliehen hat.) Und doch hat mich erstaunt, was Transcoding in der Größenordnung von Netflix bedeutet. Bevor ihr aussteigt: Was ist Video-Transcoding? Jedes Endgerät, auf dem ein Nutzer Videos ansieht, braucht eine andere Auflösung, Bildwiederholrate und einen leicht verschiedenen Video-Codec. Dein Fernseher ist anders als dein PC, dein Mac anders als dein iPhone.

Beispiel: Jedes der Videos, das wir bei den Webseiten von TargetVideo zeigen, liegt in sechs unterschiedlichen Qualitätsstufen vor: Original-Full-HD, optimiertes Full HD, SD und weitere Stufen, etwa für diese neuartigen Mobiltelefone.

Kleiner Scherz. Das sind längst die wichtigsten Geräte. Ein Post in einem Fachblog hat mich diese Tage gefesselt: Netflix unterstützt 2200 unterschiedliche Geräte (und an guten Tagen auch meinen Kindle-Fire-TV-Stick).

Sechs Stufen klingt nach viel, manche Video-OTT-Anbieter kommen in der einfachsten Konfiguration mit zwei oder drei aus. Nicht so Netflix, die nicht nur bei den Film-Empfehlungen, sondern auch bei den Transcoding-Empfehlungen führend sind. Mehr als 1000 Transcodings erzeugt Netflix pro Episode einer Serie.

An einem Beispiel einer Erfolgsserie (traut sich noch jemand, House of Cards zu sagen?) kann man sich das noch besser vor Augen führen:

The Eternal Cost Savings of Netflix’s Internal Spot Market – High Scalability –:

Stranger Things season 2 is shot in 8K and has nine episodes. The source files are terabytes and terabytes of data. Each season required 190,000 CPU hours to encode. That’s the equivalent of running 2,965 m4.16xlarge instances for an hour. The static encoding process creates 9,570 different video, audio, and text files.

Netflix lässt jeden Tag zehntausende Server starten und runterfahren – alles bei Amazon Web Services. Viele davon kommen aus dem Spot-Instances-Markt für derzeit nicht benötigte Rechenpower, den Amazon hat. Und Netflix schafft es jetzt, im Rest vom Rest von Amazon noch Effizienzreserven zu heben. Niemand außer Amazon selbst dürfte sonst groß genug sein, um ähnliche Effekte zu erreichen. Auch wenn all die, die selbst mit Video zu tun haben (Maxdome, ich meine dich!) auch tausende von Servern allein fürs Transcoding brauchen.

Und wie einst gilt auch hier, wenn man sich nur genug darauf einlässt: Das Internet ist ein Kaninchenloch. Es gibt immer noch etwas Spannendes zu lesen. Etwa über die Schriftwahl für den Stranger-Things-Vorspann (Motion Logo).

Am besten finde ich aber den Titel-Schriftzug-Generator Make It Stranger. Suchtgefahr! Stranger Things steht schon lange auf meiner Watchliste…

Botschaft der AMP-Roadshow: Mit AMP werden Webseiten auf Android-Geräten wie diesem schneller.

AMP-Roadshow in München / Google-Office, 7.11.2017

Wer die Büros von Google besuchen will, muss sich am Empfang anmelden, sein Namensschild anstecken und darf dann erst rein. So erlebt bei diversen Besuchen, auch bei der AMP-Roadshow wieder. Wer eine AMP-Version seiner Webseite in den Google-Index schicken will, muss das Gleiche tun: Seite anmelden, auf Freigabe warten und dann geht sie erst rein. (Erklärung hier: Was ist der AMP-Validator? Was ist der Google-AMP-Cache?)

Insofern passt es, dass Google mit der München-Ausgabe seiner AMP-Roadshow (Paris, Madrid, Beijing… ) in seinem eigenen Büro an der Donnersbergerbrücke Halt macht. Durch die ganze Welt touren die AMP-Verantwortlichen (viele aus New York, einige aus der Google-Zentrale in Mountain View bei San Francisco). Immer mit der Botschaft an Webseitenbetreiber (und oft genug Publisher): Macht eure Webseiten auf dem AMP-Standard, den wir kreiert haben, und Nutzer werden euch lieben. Weil die viel schneller laden.

Dagegen habe ich auch nix einzuwenden, das ist für Nutzer so. Viele Webseiten von Publisher wurden in den letzten 20 Jahren voll gemüllt – da gebe ich Paul Bakaus, dem Developer Advocate für AMP bei Google vollkommen Recht. Für einiges an Ad Tech-Müll bin ich auch selbst verantwortlich, in meinen letzten Stationen als Produktverantwortlicher in Medienhäusern, mal groß, mal klein. Und selbst kriegen wir Publisher und Publisher-Mitarbeiter das Problem nicht wieder in den Griff. Wir brauchen den Druck von einem Gatekeeper wie Google. (Letztlich war das auch der Charme von Facebook Instant Articles. Weniger Krempel von uns, bessere UX für unsere Kunden. Ende Exkurs 1.)

(Exkurs 2:

Finde es immer noch ironisch, dass der Erfinder von jQuery, damit mit verantwortlich für viel Bloat und Custom JS verantwortlich (wie auch für den Berufseinstieg für viele Web-Entwickler), jetzt an der Abschaffung von selbst geschriebenem Javascript mit arbeitet. Danach hätte ich ihn mal fragen sollen – aber mir fiel diese Frage natürlich viel zu spät ein. Bakaus ist übrigens unfassbar charmant, sowohl auf Englisch wie auch auf Deutsch.)

Dieser Tag, ein Gig auf der AMP-Roadshow, gehört Google, und die AMP-Mitarbeiter sind auf der Bühne erstaunlich on message. Auch die Gäste, wie etwa Jung von Matt, die den Relaunch von bmw.com vorstellen, der auf der AMP-Library basiert, sind von AMP angetan und der engen Zusammenarbeit mit Google.

Aber hier will ich auch denen eine Stimme geben, die etwas gegen AMP haben. Vehement und eloquent hat das Jeremy Keith getan, auf seinem Blog Adactio:

This is just one example of AMP’s sneaky marketing where some finely-shaved semantics allows them to appear far more reasonable than they actually are.

Keith ist einer der Verfechter der Indie Web-Bewegung, mit der ich auch sympathisiere (Disclosure), und er glaubt daran, dass jeder sich selbst über seine Webseite ausdrücken können muss. Und zwar mit offenen Standards. Nicht über einen proprietären Ansatz wie den von Google.

Ethan Marcotte wird auch von Keith zitiert, und der bringt es noch mehr auf den Punkt:

But when I hear AMP described as an open, community-led project, it strikes me as incredibly problematic, and more than a little troubling. AMP is, I think, best described as nominally open-source. It’s a corporate-led product initiative built with, and distributed on, open web technologies.

Die Publisher, für die ich in den letzten Jahren gearbeitet habe, haben Probleme, die Ladezeit ihrer Seiten am Desktop unter 10 Sekunden zu bringen. Mobile First wird zwar gesagt, aber die Mobile-Wende ist schmerzhaft. Die meisten Publisher sind eben nicht so tech-savvy oder ressourcenreich wie der Guardian, auf den Keith hinweist:

(AMP-Seiten kommen leichter in die Google News-Carousels in der Google-Suche, das ist der Hintergrund.) This is the only reason why The Guardian, for instance, even have AMP versions of their content—it’s not for the performance benefits (their non-AMP pages are faster); it’s for that prime real estate in the carousel.

Für sie hat Bakaus Recht, wenn er bei der AMP-Roadshow sagt: „AMP-Seiten sind für Entwickler auch ein Weg, dem Management Nein zu sagen, wenn sie noch einen Tracker auf ihren Webseiten integriert haben möchten.“Auf einmal dreht sich die Wahrnehmung um, wer hier wessen Steigbügelhalter ist.

Nach dem Tag AMP-Roadshow bei Google bin ich jedenfalls sehr inspiriert, auch aus unseren lahmen Enten Webseiten schnellere, AMP-powered Seiten zu machen. Und sei es in Verstoß gegen die Prinzipien des offenen Webs. Ja, das sehe ich immer noch. Aber wir müssen halt nach den Regeln der Großen spielen. Lobbyarbeit wie bei Springer gegen die beiden können die Kleinen unter den Publishern nicht leisten.

Beitragsfoto: Photo by Adrien on Unsplash

Passwortvergabe bei Paydirekt

Meine Sparkasse hat mich um die Einrichtung eines Paydirekt-Kontos gebeten. Mache ich doch gern, wenn es nix kostet. Ein paar Onlineshops haben ja bereits Paydirekt als Zahlmethode integriert. Ich habe aber vier Anläufe gebraucht, um mir ein Passwort festzulegen. Das liegt an den seltsamen Regeln für Passwortinhalte.

Ihr gewünschtes Passwort entspricht nicht dem vorgegebenen Format.Ihr Passwort muss mindestens 8, maximal 20 Zeichen haben. Es müssen Zeichen aus allen folgenden Gruppen enthalten sein:

Großbuchstaben A-Z – ohne Umlaute, keine Akzente

Kleinbuchstaben a-z – ohne Umlaute, ohne „ß“, keine Akzente

Ziffern 0-9

Sonderzeichen: @#$%&-._!?
Bitte geben Sie Ihr Passwort erneut ein.

Ich habe es dann geschafft. Aber die Freude, das einzusetzen, hält sich in sehr, sehr engen Grenzen.

Der Spotify Web Player kann nur Flash

Im Büro ist es mit der Installation von Software ja manchmal schwierig. Viele Unternehmen geben ihren Mitarbeitern ja gar nicht die Rechte, am PC etwas zu installieren. Für Spotify kann man in solchen Fällen auf den Web-Player ausweichen. Wollte ich letzte Woche mal machen, aber der kann nur Flash. Und das mag Chrome gar nicht. Dafür muss man sehr viele Fensterchen wegklicken und bestätigen, dass man sich über die Gefahren bewusst ist.

RIP, Flash!

RSS macht dich so alt

Über Männer sagt man ja, dass sie mit dem Alter interessanter werden und nicht weniger attraktiv. Das ist natürlich ganz großer Bullshit, Männer, die knittrig sind, sind natürlich auch einfach nur alt.

Ich werde dieses Jahr 40, und schon von daher beschäftige ich mich mit dem Alter. Ich arbeite außerdem in einem Startup mit einer ganz, ganz jungen Mannschaft. Darüber habe ich auch schon geschrieben in ebendiesem Blog. Weil mir das an vielen Stellen einfach dann doch wieder auffällt.

Einer Mitarbeiterin habe ich ja in 2016 erklärt, was RSS-Feeds sind. Wie macht man das, wenn man das nicht einmal in Browsern mal findet? Das habe ich gesagt, so oder so ähnlich:

RSS-Feeds sind Podcasts ohne die Datei zum Anhören, sondern mit einem Text zum Lesen.

Das ist ein bisschen hinten durch die Brust ins Auge formuliert, aber es trifft den Kern. Auch wenn es natürlich anders herum entstanden ist. Erst schuf Gott die RSS-Feeds, wobei Gott mehrere sind, und dann kamen die Podcasts (Dave Winer).

Wenn ich jetzt also auf einer Seite komme, die einen Feed anbietet, freue ich mich. Dafür benutze ich mittlerweile Feedly, darüber habe ich ja schon an dieser Stelle erzählt.

Wie alt bin ich jetzt also? Ich werde 2017 40 Jahre alt.

  • Ich kenne noch RSS-Feeds, als die noch nicht jedes CMS out of the box erzeugen konnte.
  • Ich halte Webseiten für in die Jahre gekommen, wenn die einen Follow-Me-Button in Feed-Form haben (haben nämlich immer weniger). Vor zehn Jahren entsprachen dem die kleinen Labels, das ein Website für Internet Explorer 4.0 oder so optimiert wurden. Die sind auch nicht in Würde ergraut. (Anders als ich natürlich!) Heute verweist man auf Facebook, Twitter, YouTube, Snapchat, VKontakte (letzteres scheint ein heißer Trend auch auf deutschsprachigen Seiten zu sein).
  • Meine erste Website habe ich selbst im HTML gepflegt. Neuer Inhalt? Neues HTML-Dokument notwendig.
  • Ich habe mal irgendwann gedacht, Onlineredakteure würden ohne HTML-Kenntnisse nicht auskommen. Das kommen sie heute sehr gut, und ich halte das auch prinzipiell für eine gute Sache in Sachen Beherrschbarkeit der CMSe.

Wenn daraus jemand eine T-Shirt-Kollektion machen möchte, bitte ich um ein Belegexemplar. #kudos

Calypso und der Zug

Calypso ist die Zukunft von WordPress. Das hat Matt Mullenweg auf dem WordCamp US 2016 wieder mal erzählt. Offenbar gibt es in der Zukunft überall Internet. Denn Calypso, der Desktop-Client für den Mac, ist ohne eine durchgängige Internetverbindung nicht nutzbar. Ich hatte ja wirklich überlegt, das alte Schlachtross MarsEdit, dessen Bookmarklet ich so oft in der Lesezeichenleiste in Chrome sehe und nutze, aufs Altenteil zu schicken. Aber nicht so schnell, junger WordPress-Padawan.

Software, die das Internet braucht: Irgendwie fühle ich mich an die Anfangsjahre der Chromebooks erinnert. Da war das auch notwendig. Ohne Netzverbindung waren die netbookartigen Geräte von Google nur schwer. Aber nicht besonders nützlich. Mit dem Hinzufügen von Offlinefunktionen und Entwicklungen wie PWA (Progressive Web Apps) täuschen die manchmal auch über Schwankungen in der Netzqualität hinweg.

Das wünsche ich mir für Calypso

Ich bin kein Entwickler, aber dennoch hätte ich gern ein paar Feature Requests an WordPress für das neue Vorzeigeprojekt. Deswegen habe ich die hier einmal aufgeschrieben:

  • Die Software speichert zur letzten Nutzung alle Entwürfe und eine lokale Kopie der Post-Datenbank der letzten 30 Tage. Dann kann man die Software schließen und beim nächsten Start steht alles zur Verfügung. Ohne Netz kommt nur diese traurige Fehlermeldung, die ich bekommen habe. 
  • Wenn ich die Software starte ohne Netzverbindung, darf mich das Programm gern darauf hinweisen, dass ih erst einmal nix publizieren kann. Aber meinen Entwurf würde ich gern in die Tastatur hauen können. So wie diesen Post, den ich in zehn Minuten zwischen München Ost und Rosenheim geschrieben habe.

Ja, das Netz sollte überall sein. Aber auch Automattic darf sich nicht darauf verlassen, dass der Netzausbau in ländlichen Regionen in Deutschland schnell genug vorankommt. Und manchmal will man ja auch gar nicht seinen Rechner über Netzverbindungen nach außen öffnen. Etwa, damit der Akku im Zug noch ein bisschen länger hält.