Was ich im ersten Jahr im Startup gelernt habe

Startups sorgen dafür, dass man als Mitarbeiter dort schneller lernt. Weil das Startup lernen muss, sich auf dem Markt zu behaupten. Überhaupt erst einmal den Markt zu finden.

Why is this learning so important for startups? Simply because competitive pace and an intense focus on rapid learning are the two keys weapons of your startups’ nimbleness and unfair advantage

Quelle: How to Accelerate Learning in An Early-Stage Startup

Das ist letztlich der Grund, warum ich 2015 dem Arbeiten im Konzern Tschüss gesagt habe. (Ober besser Servus! Wir sind ja in Bayern, in diesem München.) Ich wollte mich wiedre fordern. Das meiste meines Lernens geschieht beim Selbststudium online. Das Wissen, das ich brauche, findet sich in Blogs und immer stärker im Content Marketing von Softwareanbietern – und Hardwareanbietern.

Viele Anbieter stellen ihre Dokumentation gleich ganz offen ins Netz und verlangen dafür keinen Login mehr. So kann man bei der Evaluierung von Software gleich die Fragen an die Doku stellen, die man bei einer späteren eventuellen Implementierung eh hätte. REST-API oder restful? Gibt es SDKs?

Was hätte ich sonst nie angesehen, wenn ich nicht bei Target Video begonnen hätte zu arbeiten? Nur eine Auswahl, die mir gerade einfällt:

  1. Newsletter: Wo versendet man die am besten? Was ist für Redakteure gut zu handhaben?
  2. Mailinglisten und Newsletter-Template für mobile Geräte bearbeiten
  3. Video-Terminologie und -Workflows studiert
  4. Dutzende von Demo-Accounts in verschiedenen Software-Kategorien eingerichtet
  5. Passwort-Manager für die Vielzahl der Accounts besorgt
  6. AWS-Dinge
    1. Windows Server bei Amazon AWS konfiguriert
    2. Route 53 für einen Proof of Concept eingerichtet
    3. WordPress-Instanz mit Hilfe von Bitnami-Installer aufgesetzt
Man sieht schon: Als Startup machen wir natürlich viel bei Amazon AWS.

Video killed the FAQ star

Amazon Web Services stellt eine Menge Videos ins Netz, die erklären, wie ihre Produkte funktionieren. Das hier habe ich mir die Tage angesehen. Dabei geht AWS auch einen Schritt weiter und ist eine Partnerschaft mit einem Pay-Anbieter von Trainings eingegangen, wie man gleich auf der Übersichtsseite aller Trainings sehen kann. So wie AWS das macht, sieht das sehr unaufgeregt ist, aber es dürfte eins der besten Lernangebote sein, dass es für SaaS-Anbieter gibt.

Viele Menschen sind visuelle Lerner. Ich erinnere mich noch gut an einen Kollegen, der alles gescribbelt hat, was er verstehen wollte. Die Zeilen in einem Buch rauschten ansonsten nur an ihm vorbei.

Exkurs Lernen und Startups

Woher kommt das eigentlich mit dem Lernen? Das kommt aus dem Buch Lean Startup von Eric Ries:

3. Validated learning. Startups exist not just to make stuff, make money, or even serve customers. They exist to learn how to build a sustainable business. This learning can be validated scientifically by running frequent experiments that allow entrepreneurs to test each element of their vision.

4. Build-Measure-Learn. The fundamental activity of a startup is to turn ideas into products, measure how customers respond, and then learn whether to pivot or persevere. All successful startup processes should be geared to accelerate that feedback loop.

Die Zitate aus diesem Buch dürften sich in endlosen Pitchdecks und Investor-Präsentationen finden.

Gescheiterte Startups sind auch alle gleich

Oft lese ich Geschichten über das Arbeiten in einem Startup. Manchmal aus der Sicht des Gründers, dann wieder mal aus der Sicht eines Investors. Mal hat das Blogform, dann gibt es ein Buch dazu.

(Das Beste, das ich kenne: The Hard Thing about Hard Things, von Ben Horowitz. (Affiliate-Link))

Heute will ich mal aus eigener Sicht über ein Startup schreiben. Accelerated Learning ist ein Begriff, den ich mal gehört habe über das Arbeiten dort. Bekannter ist der vom „Validated Learning“ aus der Lean-Startup-Schule von Paul Ries.

The unit of progress for Lean Startups is validated learning-a rigorous method for demonstrating progress when one is embedded in the soil of extreme uncertainty.

Am Anfang steht die Idee. Und ob die sich auf dem Markt behaupten kann, kann nur der Markt beantworten. Natürlich brauchte der deutsche Medienmarkt 2008 kein weiteres Frauenportal. Wir haben mit fem.com trotzdem eins gestartet. Mit einem besonderen Clou: Wir haben das Geschäftsmodell von Glam kopiert und noch vor dem deutschen Start des Netzwerks nach Deutschland gebracht. Man nennt das auch das Rocket Internet-Modell der Samwer-Brüder.

(Die machen das inzwischen industriell in unfassbar kurzer Zeit. Im Grunde sagen sie: Die Idee hat sich schon bewiesen in anderen Ländern, jetzt rollen wir die Idee in einem anderen Markt aus. Auch wenn die Börse mittlerweile Zweifel am ewigen Up and Away der Projekte hat.) Glam heißt inzwischen Mode Media und hat das Modell vom Frauensegment auf andere Segmente übertragen.

2011 ist fem Media komplett an den Standort vom Konzern in Unterföhring gezogen, ich bin ausgeschieden und in den Konzern in eine andere Firma gewechselt.

Aus meiner Sicht war fem gescheitert, auch wenn es fem heute noch im Konzern gibt. Und zwar an mehreren Dingen. Das Wichtigste war: Als Publisher musst du dich vertikal integrieren. Du musst die entscheidenden Produktionsmittel selbst besitzen. Das ist etwa die Hoheit über deine Website, auch bei der Werbung. Wenn du das Produkt eines Dritten nur durchschleust, fehlt bei Display-Werbung ein entscheidender Hebel, um hohe TKPs mit Direktbuchungen zu erzielen. Der Adserver muss dir gehören, auch wenn die Technik von DoubleClick kommt.

Das ist auch genau der Punkt, den der AdTech-Leiter der Washington Post, Jarrod Dicker (Ex-HuffPo, Ex- vor kurzem in einem Podcast bei Digiday erwähnte:

but publishers should be willing to build their own (ad) tech where necessary.

That’s what has led to the growth of Red, the Post’s internal product arm behind products like Fuse, ad tech that lets users open ad units and stay within the app, like Facebook Instant Articles. “The benefit is we want to make advertising faster,” he said. “We have a full commitment to make our content faster already. Now we have to figure how to build ads that will make money.”

Und der Vertrieb ist ein weiterer Punkt, an dem man zusätzliche Erlöse erzielen kann. Das hat leider mit den kleinen Kampagnen, die auf eine so kleine Marke wie fem kamen, nicht funktioniert. Zusätzlich: Der Markt war 2008-2010 nicht reif für das Native Advertising, das wir gemacht haben. Sehr kleinteilig waren die Kampagnen, zur Umsetzung brauchte man Entwickler, Projektmanager – da blieb wenig Marge hängen. Buzzfeed hat das Geschäft mit Native auf ein komplett neues Level gehoben. Wer den Buzzfeed-Community-Editor mal gesehen hat, sieht, wie günstig Buzzfeed solche Integrationen verkaufen kann. So ähnlich stelle ich mir auch den echten Editor vor. (Wer mir den mal zeigen will, ist gern willkommen. Dafür komme ich auch nach Berlin oder anderswo hin.)

 

Die zwei größten Produktivitätstipps

Seit ich (wieder) bei einem Startup arbeite, kann ich meinen Erfahrungen wieder besser folgen. Wann bin ich produktiver? Wenn ich wenig unterbrochen werde an einem Arbeitstag. Dann steigt mein Score von 60 auf über 70 bei RescueTime. (Ja, ich glaube an die Kraft, sich seine Verfehlungen, auch was Produktivität angeht, sich zu visualisieren. Jawbone und Fitnesstracker sind auch so etwas.) Was ist also anders bei Basecamp und bei kleinen Unternehmen als bei großen Konzernen?

It’s urgent! (Really?) — Signal v. Noise: „In the meantime, you attend meetings all day long during which hardly anyone actually participates because they’re reading email. When I worked at companies where this was the norm, if I had 30 minutes in a day when there were no meetings, I did the dance of joy. That was my time slice to ‘work.’ Ironically, I found that if a meeting got cancelled, I was able to get more work done in that one hour than the entire rest of the day. „

(Via.)

Die eine Stunde ohne Meeting wird als Gewinn empfunden. Dabei kann man da nicht viel schaffen, oder kreieren, zu eingespannt ist man in das Hamsterrad. C-Level in einem Konzern schreiben die großen Projektmails daher meist abends, und so wird aus der 40-Stunden-Woche des normalen Mitarbeiter schnell eine mit 80 Stunden oder mehr, sobald man Führungskraft geworden ist. 

Basecamp ist eins von den Unternehmen, in denen Standards gegen den Strich gebürstet werden. Ist das Handeln gut? Soll man was am Status Quo ändern? Basecamp ist manchmal seltsam in seiner Ablehnung gegenüber Management-Traditionen, dass es mir auch schwer fällt, das zu verstehen. Aber muss eine Mail nach Feierabend wirklich beantwortet werden? Auf einmal sehen die Regeln bei VW nicht mehr so betriebsrätig aus.

Das zweite Geheimnis? Nicht ständig auf Mail schauen. Auch dieses Geheimnis wird in dem Post der Basecamp-COO gelüftet

When did every email become urgent? When people started hanging out in email all the time.

Hier empfiehlt sich mal wieder die reguläre Lektüre von „Getting Things Done“ von David Allen.

Ich bin dann mal weg, das Buch wieder lesen.

WordPress, das perfekte System für Content Marketing für Onlineshops

Wenn einer von meinen Lesern darüber nachdenkt, aus seinem Onlineshop etwas mehr zu machen, etwa eine Dosis Content-Marketing-Koolaid zu tanken, dann sollte er unbedingt darüber nachdenken, seinen Shop mit WordPress und WooCommerce zu machen.

15 tips to build a successful WordPress Ecommerce website: „8. Add a blog to your store Or do some content marketing, as techies like to put it nowadays. Enriching your website with a blog means that you’re willing to interact with customers and to provide them free of cost content, and your traffic will soon show how much they appreciate this.“

(Via.)

Natürlich sind so geniale Gedanken nie die eigenen, sondern andere hatten sie auch schon. Den habe ich derzeit gelesen, in einem Buch über WooCommerce:

„Blogs als ideales Medium für Narrative Retailing

Wenn du als Blogger zu WooCommerce und einen Onlineshop gekommen bist, dann bringst du ideale Voraussetzungen mit, um deinen Kunden mehr als langweilige und austauschbare Produkttexte zu liefern. Ein Blog eignet sich zudem ideal, um Narrative Retailing-Ansätze mit möglichst einfachen CMS-Mitteln ausprobieren zu können. So setzt etwa der „Two for Fashion“-Blog von Otto – umgesetzt mit WordPress – immer öfter auf Beiträge im Storytelling-Format (nachzulesen unter http://twoforfashion.otto.de/vorher-nachher-tizia-als-diva/76231/):“

Auszug aus: Inpsyde E-Books. „WooCommerce verständlich.“ iBooks.

Daher will ich gar nicht zu viele Worte verlieren: Aber die Kombination von einfachem Blog-CMS für die Erstellung von Landingpages und der vollen Shopfunktion dahinter ist einzigartig. Für den Einsteiger sollte das auch die am besten zu beherrschende Startkombi sein.

Tatsächlich ist das auch ein erklärtes Ziel von Automattic, der Mutterfirma von WordPress und WooCommerce, wie Gründer Matt Mullenweg. Er betrachtet nicht nur andere Shop-Software als Konkurrenz, sondern auch Website-Creation-Tools wie Squarespace und Shopify. Das hat er auf der WooConf in Austin erzählt (Video als Wistia-Lightbox verfügbar).

WordPress ist so beliebt, dass das beliebteste Plugin für Content Marketing bei Magento auch die WordPress-Integration ist.

Buchkritik: Cumulus

Wenn man nur ein paar Jahre in die Zukunft geht mit einem Science-Fiction-Roman, also thematisch jetzt, dann kann man sich als Autor auf ein paar Extrapolationen unserer Gegenwart einlassen, die nur allzu plausibel sind. Das Setting bei „Cumulus“ (Affiliate-Link) von Eliot Peper ist folgendes: Wir leben in einem Kalifornien, das noch ein bisschen ungleicher geworden ist, auch durch den Reichtum, den Cumulus, eine Art Google-Facebook-Klon wie Hooli, über einen Teil der Bucht von San Francisco gebracht hat und durch das Ende der (industriellen) Beschäftigungsgelegenheiten für die Leute formerly knows as Mittelschicht. Und die Alternative Trump als Sprachrohr und Ventil der Emotionen wäre ja nun wirklich viel zu unglaubwürdig gewesen. Cumulus ist DER Cloud-Konzern der Zukunft. Auf seinen Server speichert alle Welt seine Fotos, die Regierungen der Welt ihre Videoaufzeichnungen, Cumulus betreibt Fleet (=Uber) – Allmacht.com wäre auch ein passender Namen.

Was passiert also, wenn in einem solch mächtigen Konzern jemand Unfug macht? Rogue gehen, das kennen wir aus Mission Impossible. Ein einzelner kann auch in einem börsennotierten Konzern Schlimmes anrichten, wenn er es ins Topmanagement geschafft hat. Und einen Hintergrund in der Spionage hat. Dagegen ist der VW-Diesel-Skandal nur ein laues Lüftchen.

Cumulus ist an Stellen sehr plotgetrieben, ein sehr knapper Roman mit etwas mehr als 200 Seiten. (Wenn solch eine Seitenangabe bei Büchern, die ich auf dem Kindle gelesen habe, überhaupt noch sinnvoll ist. Vielleicht sind Lesestunden die neuen Seiten.)

Sind Lesestunden die neuen Seiten?

Unfassbar viel passiert in dem Buch, die Ereignisse werden auf mehreren Strängen vorangetrieben, und am Ende mündet das kunstvoll, aber auch vorhersehbar in ein gewalttätiges Finale. Ungleiche Menschen schließen Allianzen, die Technik bringt die Technik zur Strecke. Sprachlich ist das wie so viel englische Belletristik gut konsumierbar – als die nicht so heitere Tech-Literatur für den Sommerurlaub des Apokalyptikers.

Das Buch regt zum Nachdenken an. Was ist denn wirklich, wenn die gutmütigen Diktatoren an der Spitze der großen Internetkonzerne oder Open-Source-Projekte wirklich mal durchdrehen? Was liegt dann zwischen uns und Willkür? Das ist auch die große Stärke des Buchs, als eine Art Gedankenkatalysator zu wirken. Was hält die Konzernlenker auf demokratischem, ethisch akzeptablem Kurs? Welche Kontrollmechanismen sind das?

  • Shareholder Value ist das eine – so ein Projekt der Datensammlung ob mehr Macht verschlingt Ressourcen. Das wird irgendwann sichtbar für den Unternehmensbericht.
  • Die Mitarbeiter: Google hat etwa eine sehr lange Tradition (in Internetjahren) von mündigen Mitarbeitern, die alles Böse ablehnen. Dazu hatte der Konzern ja auch mal eine Leitlinie, „Don’t be evil“. Der nächste Whistleblower mit riesigem Medienecho könnte aus einem Internetunternehmen kommen.
  • Naivität: Die Entwickler wollen mit Technik die Welt aus den Angeln heben, und zwar für privaten oder unternehmerischen Gewinn. Die Technik ist nicht das Mittel, um Machtintrigen zu spinnen, sondern das Ziel. Die Beschreibung der Unternehmensgründerin als Erbauerin, nicht als Herrscherin – das klingt in meinen Ohren sehr zutreffend. Eric Schmidt wurde zu Google als eine Art erwachsener Aufpasser geholt – das war das wörtliche Zitat. („Adult Supervision“)
  • Wettbewerb: Du hast gerade als Startup noch die Welt disrupted, also auf den Kopf gestellt. Die größte Gefahr für dich lauert dann in irgendeiner Garage oder einem Inkubator.
  • Nutzer: Wenn du das Vertrauen der Nutzer verspielst, und die Gefahr ist groß, wenn man wie in „Cumulus“ mit den Daten der Nutzer spielt – auch das Feuer genannt – ist dein Unternehmen in ernster Gefahr.

Timehop tut mir leid. Und alle andere mit den Mitbewerbern auch

Timehop hat eine der besten Onboarding-Erfahrungen in einer App, die ich kenne. Findet auch Samuel Hulick, siehe sein Teardown. Was macht die App? Sie zeigt mir an jedem Tag Fotos und andere irgendwo in der Cloud gespeicherten Erinnerungen an. Das sind Fotos oder auch Check-ins von vor ein, zwei, drei, fünf, 21 Jahren. Kennt man mittlerweile auch von Facebook und Co.

Zwei Dinge unterscheiden das Produkt von dem, was die Großen anbieten:

  • Timehop ist anbieterunabhängig. Man sieht alle Fotos überall. Das ist etwas, was die Großen (Google & Co.) nicht anbieten können – und auch nicht wollen.
  • Timehop fügt historische Daten hinzu, wie für mich etwa der Tag, an dem „Clueless“ ins Kino kam und der mich auf einmal so alt machte, wie ich bin. Hier mein Tweet dazu:

Wenn man durch die Timeline bei Crunchbase surft, sieht man die ganzen Konkurrenten für Timehop. Hier die Auswahl, auf die es mir ankommt:

  1. Apple macht etwas an Photos-App in iOS
  2. Facebook fügt Funktion hinzu
  3. Wie man mit Google Photos etwas macht
Es fehlt noch Punkt 4: Microsoft bietet das mit OneDrive auch an. Und Punkt 5: Amazon Photos hat die gleiche Funktion. Offenbar können aber Firmen aus Seattle und Umgebung gar kein Marketing. Die kennt nämlich in meinem Umfeld niemand.

Dein Produkt wird das Features eines anderen Produkts

Was passiert hier also demnächst mit Timehop? Dein Produkt wird zum Feature von den Großen – die Funktion bei Facebook dürfte jeder kennen: On This Day.
Utility — It becomes a feature of other products.
(aus „The Three Phases of Consumer Products“, bei Medium)
Offenbar hat Timehop einen Trend vorhergesehen, alles in der Cloud speichern und daran erinnert werden. Aber da das Produkt kostenfrei ist, konnte man das auch nicht richtig monetarisieren. Und jetzt wird

Crunchbase sagt, dass die letzte Finanzierungsrunde zwei Jahre her ist, dabei wurden zehn Millionen Dollar eingesammelt. Bei zehn Mitarbeitern sollte das noch einige Zeit reichen. Aber so richtig große Hoffnung habe ich nicht für das Tierchen Unternehmen mit dem sympathischen Unternehmensmaskottchen.

Neues Framing: Warum die Kicktipp-Macher mal einen kleinen Tritt brauchen

Du hast eine Web App, die ihren Wert am Markt bewiesen hat. Du stellst fest, dass zu besonderen Events dein Produkt noch mal einen zusätzlichen Traffic-Boost erhält. Und dann kriegst du es nicht hin, dass deine Server den Ansturm aushalten. Die Rede ist von Kicktipp.de, dem Sommerliebling unter den IVW-kontrollierten Websites.

In geraden Jahren wird nämlich von UEFA oder FIFA noch mal ein Monat kostenloser Hochlast-Traffic verschenkt. Das nennt sich im Sprachgebrauch der Nicht-Techies Fußball-Europameisterschaft oder -Weltmeisterschaft und ist so berechenbar wie das Amen in der Kirche. Und dann stellt sich der Unternehmensgründer dann da hin und jammert, dass er die Server am Laufen halten muss:

Wettfieber: Die Kicktipp-Macher verführen die ganze Nation – DIE WELT: „“

(Via.)

Zum Beispiel wegen der vielen Nutzeranfragen, die alle zeitnah beantwortet werden. Oder wegen der ständigen Sorgen um die Technik. „Die Server müssen immer wieder kurzzeitig extreme Lasten abfedern. Denn alle sitzen vor dem Fernseher und haben zur gleichen Zeit den gleichen Impuls: Tor, Jubel – und dann wird schon auf dem Smartphone nachgeguckt, welche Auswirkungen sich daraus für das Tippspiel ergeben.“ Beim ersten Deutschland-Spiel war die Homepage dadurch nach dem Schlusspfiff gleich mal für wenige Minuten nicht erreichbar. „Da bereitet man sich ein Jahr vor – und dann das“, ärgert sich Vygen, der nun über eine Aufstockung der Serverkapazitäten nachdenkt.

Hm. EM ist immer so plötzlich. Wäre Aufstockung der Serverkapazitäten nicht die erste Idee gewesen? Das Wachstum geht ja offenbar seit Jahren schon so.

Von Mal zu Mal bleiben mehr Spieler „hängen“ und werden zu Stammkunden. 

Er sagt auch, dass er immer noch im Startup-Modus unterwegs sei. Aber das scheint mir nicht zu sein. Seine Peaks liegen vorhersehbar in der Zeit Spielbeginn plus zwei Stunden. In der Zeit kann er schon ein paar mehr Server starten, AWS macht das einfach. Wahrscheinlich hat er seine Infrastruktur, die nicht so leicht skalierbar ist. Aber ich finde, in der spielfreien Zeit wird es Zeit, für einen Kurs in Sachen Cloud Architektur. Ich kann da was bei Cloud Guru empfehlen. Und hier einen ersten Einstieg in Sachen Microservices-Strategie.

„Wörter wie ,Strategie‘ und ,Businessplan‘ fallen bei uns nicht“, sagt der Jurist aus Duisburg, der später zum Programmierer wurde. Er habe einfach Spaß an der Arbeit und der Seite.

Es ist ja nicht so, dass Kicktipp.de nur zu solchen internationalen Events ein Problem hätte. Wer an einem Bundesligaspieltag samstags um 17.20 Uhr auf die Seite geht, kennt genau das gleiche Phänomen. In einer App könnte man das sogar noch leichter skalieren – lokale Kopie der Daten halten, nur das Ergebnis-JSON anfordern, dass man in einem CDN hält. Dann muss kein Nutzer den ganzen Seitenaufbau laden. Aber die App ist zum Beispiel auch nur ein Wrapper für die Website, in der Architektur geht das natürlich auch nicht.

Was man von den kaputten Robotern in Wall-E lernen kann

Wall-E ist ein zauberhafter Zeichentrickfilm, der nur einen Oscar gewonnen hat. Das Wort Zeichentrickfilm fühlt sich bei einem computeranimierten Film komisch an, aber er ist und bleibt zauberhaft. Eine halbe Stunde zu Beginn wird gar nicht gesprochen. Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein kleiner Roboter namens Wall-E räumt den Müll auf der Erde auf, den die Menschheit, die vor dem Müll ins All geflüchtet ist, dort hinterlassen hat. 700 Jahre, nachdem die Menschheit die Raumschiffe bestiegen hat.

Eines Tages kommt eine andere Robotersonde zurück auf die Erde, um dort nachzuschauen, ob wieder auf der Erde Leben möglich ist. Er verliebt sich in sie und reist mit ihr aufs Raumschiff, wo die letzten Menschen wohnen.

Auf diesem Raumschiff treffen die beiden auf kaputte Roboter in einer Roboter-Werkstatt. Diese befreit Wall-E aus Versehen.

Auch Wall-E könnte man für einen kaputten Roboter halten, denn er hält sich auch nicht nicht an Vorschriften. Die meisten Roboter an Bord halten sich an Befehle, egal, wie alt sie sind. Dabei verselbstständigen diese sich und erheben sich über die Menschen. Wall-E und die kaputten Roboter machen das, was ihnen in den Kopf kommt – aber immer, um der Sache, der Menschheit zu dienen. Einer von ihnen malt singend Streifen aufs Raumschiff, wo sie nicht hingehören, die dem steril wirkenden Raumgleiter aber eine menschlichere Note geben.

Das Gesamtbild im Kopf haben, das Gesamtwesen optimieren wollen – das ist eine ganz wichtige Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg: Machen, und dann um Vergebung bitten. Im Startup-Umfeld hat das längst den Charakter eines Glaubenssatzes:

Don’t ask for permission, ask for forgiveness.

(Die Ur-Quelle für dieses Zitat konnte ich nicht finden, es könnte Grace Hopper gewesen sein.) Diese sehr amerikanische Form der Regelverletzung, um ein neues Maximum oder auch einfach weit entferntes Ziel zu erreichen, ist sehr inspirierend. Altucher hält zu ihr an, Thiel, Branson und Musk auch. In einem Konzern oder einem klassischen Unternehmen ist das oft nicht möglich. Und Deutsch scheint die auch gar nicht zu sein.

Zu viele Kommittees, zu viele Hierarch(i)en stellen Entscheidungen in Frage, sodass am Ende gar nicht entschieden wird. Warum bewegen sich etwa klassische Automobilhersteller so langsam im Vergleich zu Tesla? Warum werden in Lebensmittelkonzernen Entscheidungen so langsam getroffen? Etwa verglichen mit Red Bull?

Das ist einer der Gründe, warum ich im letzten Jahr ausgestiegen bin aus dem Konzern. Als Teamleiter kann man sich nur in sehr engen Bahnen frei bewegen. In meinem jetzigen Startup ist das einfacher. Da wird ausprobiert, und ich kann Schritte in neuen Bereichen machen. Die sind wacklig, die Muskeln für sowas sind in den letzten Jahren auch eingeschlafen. Wie bei einem Patienten, der ins Bett gefesselt war. Rennen kann ich noch nicht, und oft genug frage ich nach Erlaubnis. Das tun die Roboter nicht. Die haben einen festen Kompass. Bei Wall-E ist es die Liebe, die ihn antreibt. Letztlich ist es die bei mir auch. Meine Familie gibt mir die Kraft. Auch sehr amerikanisch – aber dieses eine Jahr vor über 20 Jahren hat mich stark geprägt.

Nenne deinen WordPress-Theme-Shop nie WP Something

Es ist naheliegend, die Firma nach dem zu nennen, was man tut. Wenn du also ein Business gründest, das du auf WordPress aufbaust, spielt man mit dem Gedanken, das WP-SuperduperneuesDing zu nennen.

Allerdings heißen alle so, weil alle so denken und den ersten Gedanken nicht in die Flucht schlagen. Der erste Gedanke ist halt oft der erstbeste Gedanke. Hier eine Liste, für die ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe – sie stammt aus den Feeds in meinem Feedreader.

  • WP Best Practices
  • WP Cube
  • WP Daily Themes
  • WP Dev Shed
  • WP Dev Table
  • WP Engine
  • WP GRUB
  • WP Mayor
  • WP Site Care
  • WPBeginner
  • WPKube
  • WPML
  • WPMU DEV Blog
  • WPSessions.com
  • WPShout
  • WPZOOM

WP_ hat seinen Platz. Als Präfix für eine Datenbanktabelle.

(Es gibt übrigens einen anderen Markt für digitale Unternehmungen, der ähnlich versessen auf ein Akronym ist: Die Liste der SEO-Unternehmen, die mit SEO anfangen, ist ebenfalls endlos. Und es gibt gute Gründe, warum SEOMOZ seinen Namen in MOZ geändert hat.)

(Ich habe das Beitragsbild übrigens mit der Schrift Bentham gestaltet, die der Original-Wordpress-Schrift Mrs Eaves recht ähnlich ist.)

Wenn du kein Designer bist, ist es ok, das in deinem Blog zu zeigen

Du bist kein Designer? Und doch brauchst du grafische Elemente für dein Blog, weil du gern schreibst. Dann gibt es es mehrere Möglichkeiten. Vor einiger Zeit habe ich mal Canva entdeckt. Damit können sogar Nicht-Designer ansprechende Designs herstellen. Letztes Jahr etwa habe ich die Weihnachtskarten, die wir als Familie verschickt haben, damit gestaltet und dann bei Foto Quelle bestellt.

Ein anderer Weg ist es, den Dilettanten durchscheinen zu lassen.

Ich nenne es den Stratechery-Style. Dort findet man ihn sehr oft.

Ben Thompson ist einer der scharfsinnigsten Beobachter des Internets, von Startups und allen digitalen Geschäftsmodellen. Er ist authentisch und gut zugänglich. Er sitzt wie der Vorzeigedeutsche Sascha P. unter den Internetgiganten in Taipei, Taiwan. Seine Grafiken macht er meines Wissens nach mit Paper by Fiftythree, der einen App, die dazu führen könnte, dass ich mir doch noch mal wieder ein iPad kaufe.

Aber es gibt auch andere Wege, auf großformatigeren Schreibmaterialien. Besonders beeindruckt bin ich von einigen Einsätzen im Software-Vendoren-Bereich. MOZ ist das bekannteste Beispiel für den Einsatz von Whiteboards. Im Blog gibt es eine eigene Kategorie, Whiteboard Friday.

Man kann da eine gesamte Tafel fotografieren oder filmen, oder eben Close-ups.

Prezi-artig wird es gar bei einem Zoom auf die gesamte Darstellung. Wer als Firma so vorgehen will, muss entweder ein sauberes Whiteboard abfotografieren oder setzt gleich auf digitale Whiteboards. So kann man auch einen Workshop nachbereiten, auch für den internen Gebrauch im Firmen-Wiki oder Intranet etwa. Und wenn man eine offene Firmenphilosophie hat, kann man natürlich auch im Company-Blog darüber etwas schreiben.

Update: Ein weiteres schönes Beispiel liefert Brian Krebs, Sicherheitsexperte für Computersicherheit in seinem Blog. Er benutzt einfach eine Mindmap, die er zu einem Thema gemacht, als Visualisierungshilfe.