Facebook Pixel Custom Events: Sie haben das Ende vom Internet erreicht

Als Marketer würde ich mich nicht bezeichnen – bis heute habe ich mich mit dem Facebook Pixel nicht besonders ausführlich beschäftigt. Bis heute. Wie das so ist im Startupleben, kommt der Tag irgendwann, wo du ins kalte Wasser springen muss. Da trägt jeder alle Hüte. Weil es sonst keiner tut, aber die Aufgabe wichtig ist.

Ich habe noch nie über Conversion Tracking tiefer nachgedacht, aber jetzt muss ich es auf Bitten der Marketingkollegen tun. Ab in die Doku, hieß es dafür jetzt also.

Was ist das Facebook Pixel? Das wird hier ganz gut erklärt. Facebook selbst macht es auch. Facebook hat mit dem Pixel die Möglichkeit geschaffen, Paid Kampagnen aus dem Facebook-Ad-Konto auch auf der eigenen Seite zu verfolgen und vor allem ihren Erfolg zu messen. Oder anders: Sind die Euro, die ich bei Facebook ausgebe, am Ende gut investiert? Continue reading →

Unbundling und Nischen als Herausforderung für General Interest-Brands

Die alten Medienmarken sind breit. Eine Tageszeitung berichtet in verschiedenen Ressorts, und als Kunde muss ich alle Ressorts bezahlen. Auch wenn ich mich zum Beispiel für Sport nicht interessiere (das ist das Beispiel, dass Journalismus-Professor Jeff Jarvis immer bringt.) Bei mir hält sich das Interesse am überregionalen Mantel einer Regionalzeitung in Grenzen. Erstens steht mir die lokale Monopolzeitung politisch eher fern, und dann kommt viel von Agenturen oder von zweitklassigen Autoren. Wer einmal die Süddeutsche Zeitung oder die Washington Post im Abonnement hatte, kommt mit den Käseblättern nicht klar. Äh, Regionalzeitungen.

Sie glauben doch nicht, dass auf der Seite 3 des Lokalteils noch Qualitätsjournalismus stattfindet.
Prof. Dr. Hans Bohrmann, ungefähr 2001 (aus Erinnerung zitiert)

Das Unbundling ist eine der Herausforderungen für die alten Medien. Ihre ordnende Rolle wird nicht mehr gebraucht. Das Internet macht jede Nische adressierbar und organisiert ihre Mitglieder dementsprechend.

Das merken auch die neuen Marken des Journalismus, die digital-only Player, wenn sie sich zu General Interest-Angeboten entwickeln. Als Buzzfeed und Vice noch kleine Teams hatten und keine General Interest-Seiten waren, reichte eine Marke. Buzzfeed stand für alles, Vice stand für alles außer Standard.

Aber das differenziert sich aus. Tasty und Motherboard sind entstanden. Auch bei Facebook performt eine Fanpage zu einem speziellen Thema, sagen wir mal „vegan Kochen“ besser als eine allgemeine „Kochen“-Seite. Das merken wir sogar im Kleinen bei TargetVideo, aber die Großen haben daraus natürlich eine Strategie gemacht und betreiben oftmals mehrere dutzend Seiten, weil Facebook höhere Klickraten (die man durch Homogenität in der Zielgruppe und in der Themenwahl bekommt) mit mehr Reichweite belohnt.

Konkretes Learning, sogar (oder gerade?) bei einem Startup: Deswegen planen wir in unserem Handbuch für die Umsetzung neuer Projekte seit neuestem auch mit mehreren Facebook-Seiten, wenn das Projekt sich für mehrere thematisch abgegrenzte Gebiete eignet mit mehreren Zielgruppen.

Traffic, der von Facebook geschenkt wird, folgt den Newton’schen Gesetzen

Als ich noch bei fem.com Produktmanager war, war das Redaktionsteam damit beschäftigt, den Google-News-Trafficstrom am Laufen zu halten. Ganz offenkundig gab es damals (2009) einen Algorithmus, der Seiten belohnte, die ständig frischen Content produzierten.
Facebook scheint jetzt auf einen ähnlichen Algorithmus gekommen zu sein. Von dessen Auswirkungen erzählen jetzt jedenfalls die Social-Media-Redakteure bei meiner Arbeit. Wenn sie mal einen Tag lang keinen erfolgreichen Post hatten, der eine große Reichweite und gute Interaktionswerte erreicht hat, dann sind die nächsten Tage schwieriger.
Die Logik dahinter scheint zu sein: Was gestern für viele Nutzer relevant war, könnte auch heute interessant sein. Das Zeug von letzter Woche – eher nicht so.

MobX Conference 2015: Viel gelernt an unerwarteten Orten

Ikonischer wird es kaum in Berlin. Auf der Karl-Marx-Allee, die mehr als nur den Namen mit der Ost-Vergangenheit der Stadt gemein hat. Die Flachdachgebäude Kino International und Café Moskau sind für Indie-Touristen ein beliebtes Ziel. Nicht nur im Februar, wenn der beinahe sibirische Winter und die Berlinale die Stadt im Griff haben.

Designer und Entwickler sind Anfang September in der Stadt, für die MobX Con. Das ist kein Treffer der Mobster, sondern eher eines der Mobile Hipster. Ich zähle mich selbst dazu, also darf ich auch mal alle beleidigen.

Mit dem bekannt guten Kaffee im Kino International in den Flaschenhaltern an den Sitzen vor uns geht es für die, die genug Geduld hatten, los, und es geht mit dem Anfang los.

Wie kann ich Nutzer in meiner App oder Web App begrüßen und ihnen die Features zeigen, die wichtig sind?

Das Thema ist das User Onboarding. Ein klassischer Weg sind Tooltips auf einem halbtransparenten Overalls über dem App-Screen. Ein Holzweg, wie Samuel Hulick findet. Er betreibt eine Seite, auf der er viele Onboarding-Erfahrung, etwa die von Slack, seziert hat. Das ist nämlich eine sehr eingeschränkte Sicht auf das Thema Onboarding. Wenn man ein, zwei Schritte zurücktritt, kann man sich die Frage stellen, warum man Onboarding braucht.

Onboarding ist Teil der gesamten Produkt-Erfahrung eines Produktes.

Der zweite Vortrag, der mich fasziniert hat, war die Vorstellung von Studienergebnissen zu Best Practices für E-Commerce-Seiten. Christian Holst vom dänischen Forschungsinstitut Baymard stellte sechs wesentliche Ergebnisse einer Benchmarkstudie von mobilen Retail-Seiten vor. Größter Clou: 6 Dinge, die die meisten Shops nicht machen, aber von Interessenten sehr gern angenommen werden.

Höhepunkt ist aber der Vortrag von Brad Frost zu seinem Designsystem-Konzept Atomic Design, zu dem er auch ein Buch schreibt, das im Herbst erscheinen soll (natürlich gleich vorbestellt). Sein System kannte ich schon aus dem ein oder anderen Podcast, und im lebendigen Vortrag kann er ein bisschen über die Schwächen des Systems auf den Aggregationsstufen 4 und 5, Templates und Pages, hinwegtäuschen. Er hat sichtbar viel Erfahrung mit großen Bühnen und größeren Zuhörermengen.

Auf Konferenzen gilt das gleiche Prinzip wie beim Eurovision Song Contest: Auch der schlimmste Vortrag hat nach einer vorher bestimmten und bekannten Zeit ein Ende – 30 Minuten im Fall der MobX Conference. Bleibt nur zu hoffen, dass der Redner nicht überzieht. Bis zum Nachmittag hatte sich das Programm auch nur eine halbe Stunde verschoben.

Wie schneidet die Konferenz bei meinen sonstigen Konferenz-Besuchen ab?

Das gleiche Team der IA Konferenz, über die ich hier schon voll des Lobes war, steht auch hinter der MobX Conference. Da die IA Konferenz in diesem Jahr Pause gemacht hat, war der Besuch der MobX Conference dieses Jahr für mich Pflicht. Ob ich weiterhin beide besuchen werde, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich schon, denn die Speaker waren so hochwertig, dass man sonst für einen An Event Apart-Termin in die USA fliegen müsste. Da sind die paar hundert Euro Reisekosten ein Schnäppchen.