Die Ironie: Das Facebook-News-Blog produziert AMP-Seiten

Nuzzel ist eine mobile App, die News basierend auf deinem Social Graph kuratiert. Besonders hilfreich ist für mich die Funktion, dass dort alle News auflaufen, die mehrere in meinem Twitter-Stream geteilt haben.

Gestern war das die Ankündigung von Facebook, dass man Änderungen am Newsfeed vornimmt, die die Inhalte von Freunden und Menschen gegenüber denen von Medienorganisationen priorisiert. Die hat für gehörig Wellen gesorgt, nicht nur bei uns im Firmen-Slack, sondern auch in der großen, weiten Welt der Medienblase.

Bei Nuzzle habe ich die Ankündigung als erstes gelesen. Und Nuzzel war einer der Launchpartner für AMP von Google. Daher habe ich die Facebook-News als ge-AMP-ten Content gelesen, mit Blitz und allem. Und so findet sich fast am Ende des Heads im HTML eines Eintrages dieser Code:

<link rel="amphtml" href="http://newsroom.fb.com/news/2016/06/building-a-better-news-feed-for-you/amp/" />

Aber das Blog benutzt auch WordPress VIP, da ist das eine ganz normale Funktion.

Drei Indie Web Camp-Mitstreiter im Weggla – Nürnberg 2016

Die drei Brillenträger, die die Attraktion auf dem Indie Web Camp Nürnberg 2016 waren, heißen Jeremy Keith, Aaron Parecki und Tantek Celik. Tantek hat ein 1-Buchstaben-Twitter-Handle: twitter.com/t. Sie leben und atmen Web, das offene Web.

Sie kämpfen gegen Silos. Und wie auf jedem Barcamp sind ein paar Unerschrockene, zu denen ich mich auch zähle auch dabei. Diese stellen jenen Fragen aus ihrem Horizont. „Was sind Silos?“ Die Frage ist berechtigt, und sie muss auch beantwortet werden.

Was sind also Silos, gegen die Indie Web Camp-Mitstreiter sind?

Dann mache ich mal den Erklärbär: In Silos wird Zeug reingepumpt, und es kommt nur auf eine bestimmte Art und Weise wieder heraus. Ein Eingang, ein Ausgang, der Silobesitzer bestimmt die Regeln.

In der digitalen Welt sind damit die großen Social Media-Plattformen gemeint, Facebook, Snapchat und Twitter, aber auch Medium.com gehört dazu. Alle Plattformen dieser Art sollte man als kritischer Webnutzer unter einen Silo-Verdacht stellen. Dazu gibt es die Prinzipien POSSE und PESOS. POSSE ist das Wunschbild, PESOS akzeptabel für Dienste wie Instagram, zur Not.

POSSE

PESOS

Die Mitglieder der Indie Web Camp-Bewegung glauben an das Recht und das Bedürfnis einzelner Teilnehmer im Web, ihre Stimme auf ihrer eigenen Seite zu Gehör zu bringen. Warum? Die großen Unternehmen nehmen sich Rechte heraus, die sie nicht abtreten wollen. Sie stellen die Plattform, sie legen in ihren Nutzungsbestimmungen die Regeln fest. Dazu gehört die (inzwischen beigelegte) Debatte ums Stillen und Bilder vom Stillen, aber auch die Haltung in der Waffenkauffrage. Eine Facebook-Fanpage gehört immer Facebook, man besitzt die nicht (zu leicht ist sie verloren).

Und die Großen von heute können die Toten von morgen sein. Wer ist schon von den Einstellungen von Produkten erwischt worden? Jeder, bei mir war es Google Reader. Bei anderen MySpace, oder Geocities. Dabei ist der Fokus auf die „personal site“, wie das im Laufe des ersten Tages immer wieder genant wurde, wichtig. Diese Begriffsschärfe vermisste ich dann auch in Diskussionen mit anderen Camp-Teilnehmern.

Natürlich gibt es ein Bedürfnis, seine Daten nicht öffentlich zu machen, schon gar nicht als Unternehmen. Da gibt es ein Recht auf Unternehmensgeheimnis. Ich will auch meine Firmenkonzepte nicht überall im digitalen Untergrund finden. Apple und Google kämpfen ja auch immer gegen Leaks – bevor sie mit ihren Produktenthüllungen um Aufmerksamkeit kämpfen.

Aber darum geht es dem Indie Web Camp gar nicht. Es geht um die eigene publizistische Stimme. Diese Kombination von „Ich habe die Technik im Griff und kann mir eine Webseite machen“ und „Ich habe eine Stimme, die ich im Netz benutzen will“ scheint schon sehr amerikanisch zu sein. Ich wünschte mir die von viel mehr deutschen Internetbewohnern. Fakt ist: Einige der Anwesenden haben gar keine eigene Internetpräsenz. Ja, das gibt es 2016 noch bei den Teilnehmern eines digital zwar nischenhaften, aber eben doch sehr digitalen Events.

Publizistischer Impetus kann auch mit Uneitelkeit und Nahbarkeit einhergehen. Liegt nicht nahe, ist aber so. Ich habe zwei Sessions mit Jeremy Keith gemacht, daher will ich das mal an dem Iren, der in Brighton arbeitet und Clearleft mit gegründet hat, festmachen. Er sagt auch mal: „Das weiß ich nicht.“ Als Session-Lead bei einer Sitzung, die er morgens mit einem Klebezettel erst gepitcht hat. Er stellt immer wieder den Bezug zur Erfahrungswelt der Teilnehmer her. Er fragt, ist ernsthaft interessiert. Wahrscheinlich ist das auch seine Workshop-Erfahrung aus einer kundenorientierten Agentur. (Ich muss zugeben, ich habe bei erfahrenen Menschen immer ein gutes Gefühl, wenn diese auch mal sagen, dass sie etwas nicht wissen. Auch wenn das eine Selbstverständlichkeit sein sollte.)

Die deutschen Teilnehmer waren teils sehr zurückhaltend. Ein Drittel hat gefühlt kein Wort gesagt, sondern lieber ein paar Zeilen im Atom Editor oder einem anderen geschrieben. Ist das normal? War mein zweites Barcamp, daher habe ich noch keine Erfahrungswerte.

Danke ans Indie Web Camp Nürnberg

Der Event war das Beste, was ich seit langem besucht habe. Keine Powerpoint-Pointenschlachten von den üblichen Konferenzen, sondern echte Hilfestellung. Das Indie Web Camp wurde zeitweise auch zu einem  Homebrew Website Club. In einer Session mit Aaron Parecki, einem der vier Gründer des Indie Web Camps, haben etwa zehn Leute versucht, ihren Sites Webmentions abzuringen. Mir ist es nicht gelungen, wie ich das auch hier im Blog dokumentiert habe. Und weil ich angesichts meiner kaum vorhandenen Coding-Skills am Sonntag auch nix hätte zustande bringen können, habe ich mir den Hackathon-artigen Tag gespart. Das hätte mir nix gebracht, und euch auch nicht, liebe Mit-Anwesenden. Außerdem muss ich erst mal überlegen, welche meiner Domains meine neue zentralen Ich-Präsenz im Web bleiben soll. Mein WordPress-Blog (das du netterweise gerade liest) ist es wohl eher nicht, dazu ist es zu wenig umfassend. Es bedient nur meine publizistische Ader, nicht aber meine Arbeit als Manager oder Produktmacher. Die Ideen zur Gestaltung einer persönlichen Site waren wirklich sehr gut, aber erst bei der Ausführung zeigt sich, ob sich mir die Veranstaltung wirklich eingebrannt hat.

Ich habe selten eine so egofreie Veranstaltung in der Digitalszene erlebt. Hands on, mit direkter Ansprache von Vordenkern, die ich sonst nur von Twitter und aus dem Feedreader kenne. Toll. Das wäre sicher auch eine Organisationsgebühr wert. Dieses Barcamp war kostenlos. Außer Zug, Hotel, Bahn und Bus habe ich dafür nur 50 Cent bezahlt – für eine Flasche Apfelschorle.

Netflix zu Gast im Responsive Web Design Podcast: der perfekte Bildausschnitt

Für mich ist der Podcast Responsive Web Design von Ethan Marcotte und Karen McGrane aus einigen Gründen einer von denen, die man hören MUSS, wenn man an Webprodukten arbeitet: Sie archivieren das, was in den Podcasts gesprochen wird. Der gesamte Podcast wird transkribiert, aufgeräumt und ins Netz gestellt. Etwa dieser mit Netflix-Mitarbeitern über die Sign-Up-Erfahrung auf Netflix-Properties.

Ich habe eine Menge auszusetzen. Etwa:

  • Sie führen die Interviews nur sehr mechanisch. Viel ist ein Abhaken ihres Fragebogens. Wenn eine Frage mal eine faszinierende Antwort aufwirft, die weitere Fragen nach sich ziehen würde, nehmen sie sich nicht die Zeit eines Leo Laportes oder John Grubers, auch mal zwei bis drei Stunden für einen Gast einzuplanen.
  • Die weiteren Punkte hebe ich mir für einen weiteren Post auf, sonst schreibe ich meinen ersten großen Bildzuschnittsroman.

Aber.

Das Zuhören lohnt sich allermeistens.

Heute komme ich noch weniger zur Sache als sonst, merke ich gerade.

Eine Idee kam mir bei der Folge mit Netflix-Designern.

Netflix — Responsive Web Design:

„We had this template that was prototyped, where we had a focus area that we knew would appear on any screen size, and then negative area surrounding that, so that was more imagery that wasn’t necessary to be on screen no matter what. „

(Via.)

Für relativ statische Seiten wie eine Landingpage zur Leadgenerierung, und das ist die Netflix-Anmeldestrecke nun mal, kann das funktionieren. Ein Shooting, vielleicht zwei. Die Menge an produziertem Content, den man mit dem Template abgleichen muss, ist überschaubar. Aber wie kann man das für Webprojekte mit dynamischem Content operationalisieren? Darüber zerbreche ich mir seit ein paar Stunden den Kopf. Vor allem auf Seiten, die mit einem CMS produziert werden – auch wenn es den Trend zu headless CMS gibt.

Viele CMS haben das Problem, das an den einzelnen Inhalten unterschiedliche Bildformate hängen. Weil man die für das Frontend braucht. Von der angeblichen Trennung von Form und Inhalt sind wir noch weit weg in der Medienwelt, wenn ihr mich fragt. Aber wie könnte man das automatisieren?

Bleiben wir beim Beispiel Streaming-Service: Netflix benutzt etwa in seiner Software, gerade auf der Webseite, ganz oft die Poster zu einem Film. Die haben aber immer das richtige Seitenverhältnis. Da muss man nix an den Seiten abschneiden. Die Realität des Onlinejournalismus ist aber eine andere. Da kommen viele unterschiedliche Motive, Porträts, Buchcover, Landschaften, Menschen.

Ich habe in vielen CMS schon mit dem Problem gekämpft, und die programmatischen Wege, etwa mit Image Magick einen automatisch perfekten Ausschnitt zu finden, sind alle gescheitert fehlerhaft.

  • Der einfachste: von oben links den Nullpunkt setzen, dann so viel vom Bild zeigen, wie man Pixel braucht. Den Rest einfach abschneiden. Nehmen wir an, das Ausgangsmaterial ist 1500×1000 Pixel groß, das Zielformat ist 160×90 Pixel groß. Das Ergebnis ist Quatsch.

1500x1000 links oben

  • Ein besserer Weg: Aus der Mitte heraus das größte Motiv wählen, das man mit dem Ziel-Seitenverhältnis aus dem Bild herausschneiden kann.

1500x1000 aus der Mitte

Bei einem Querformat geht das gut bis perfekt auf. Bei einem Hochformat als Zielbild oder einem quadratischen Zielmotiv wird das schwieriger. Dann hat man etwas mehr Verschnitt, wie bei einem nicht perfekt passenden Schnittmuster.

Ein paar schlaue Köpfe haben aus den Aussagen der Netflix-Designer jetzt ein Konzept für Responsive Images entwickelt. Das kommt aus dem Printbereich und hat viele Linien, aber am Ende geht es um Safe Zones und Linien.

Noch einmal die Frage: Wie macht man dieses Wissen um das Bildverhalten den Redakteuren in einem Redaktionssystem zugänglich? Meine Idee ist es, dies als Schablone bei den verschiedenen Bildformaten zur Verfügung zu stellen oder etwa in der Bilddatenbank des CMS zu hinterlegen. Bei WordPress wäre das in der Medienbibliothek, wenn man Bilder aussucht, als Custom Reiter:

Dort klinken sich Plugins, die sich um die Anbindung von Video-Software (JW Player) oder Digital Asset Management-Systeme kümmern, auch ein. Der Ort erscheint mir auch vom Workflow für Redakteure sinnvoll.

Aber letztlich greift das auch zusätzlich noch einen Schritt zu spät ein. In vielen Redaktionen wird auf Stock-Material von Bildagenturen zurückgegriffen. Wenn das schon heruntergeladen ist, ist es zu spät. Weil zu teuer – das Bild kostet schon. Nur das Comp herunterzuladen und dann in Photoshop das Template darüber zulegen, ist aufwändig.

Das ist alles zu umständlich.

Ich habe ja gesagt, ich habe noch keine reife Idee, wie man das handhaben kann, damit es den Workflow in einem dynamischen Contentprojekt nicht sprengt. Das Beste wäre auch eine mentale Maske im Kopf des Bildredakteurs oder des Onlineredakteurs, der die Bildrecherche macht. Das muss man wohl über viele Tage hin einüben, und dann hängt es immer noch von der visuellen Auffassungsgabe eines Redakteurs ab.