Passwortvergabe bei Paydirekt

Meine Sparkasse hat mich um die Einrichtung eines Paydirekt-Kontos gebeten. Mache ich doch gern, wenn es nix kostet. Ein paar Onlineshops haben ja bereits Paydirekt als Zahlmethode integriert. Ich habe aber vier Anläufe gebraucht, um mir ein Passwort festzulegen. Das liegt an den seltsamen Regeln für Passwortinhalte.

Ihr gewünschtes Passwort entspricht nicht dem vorgegebenen Format.Ihr Passwort muss mindestens 8, maximal 20 Zeichen haben. Es müssen Zeichen aus allen folgenden Gruppen enthalten sein:

Großbuchstaben A-Z – ohne Umlaute, keine Akzente

Kleinbuchstaben a-z – ohne Umlaute, ohne „ß“, keine Akzente

Ziffern 0-9

Sonderzeichen: @#$%&-._!?
Bitte geben Sie Ihr Passwort erneut ein.

Ich habe es dann geschafft. Aber die Freude, das einzusetzen, hält sich in sehr, sehr engen Grenzen.

Mehr Auswahl, besseres Produkt

Für besondere Inhalte zahle ich Geld. Unter anderem für eine Testphase für Ben Thompson, einen Analysten, der auch viel Wahres über Medien schreibt. In einem – wie immer – langen Stück argumentiert er, woran Medium krankt und wie auch die Abos das Unternehmen nicht unbedingt retten werden:

Medium Membership, Medium Content, The Medium Newspaper – Stratechery by Ben Thompson: „It’s basic math: a curator selecting from a larger set is going to have better content than one limited to a single site.“

(Via.)

Es ist genau das gleiche Problem, das den Durchbruch der EINEN Mediatheken-App verhindert. Egal, ob sie ARD, TV Now oder 7TV heißen. Als ich noch bei ProSieben Produkt gemacht habe, war ich auch an der 7TV-Web-App beteiligt. Das Konzept kommt zu großen Teilen von mir. Dabei hatten wir uns die Archivfunktion der App ganz toll gedacht. Die Realität ist aber, dass die Fernsehsender nur in einem sehr begrenzten Maße die Streamingrechte an den Formaten haben, die sie im linearen Fernsehen zeigen (dürfen). Das limitiert den Pool an verfügbaren Inhalten. Hier haben SVOD-Anbieter einen größeren Pool – Maxdome war da allein in-house besser mit Rechten versorgt. Von Netflix und Amazon gar nicht zu reden.

So kann man allein wegen der fehlenden Rechte kein für Nutzer zufrieden stellendes Produkt bauen. Da helfen auch aberhunderte von Kommentaren in den App-Stores leider nicht weiter.

Der Spotify Web Player kann nur Flash

Im Büro ist es mit der Installation von Software ja manchmal schwierig. Viele Unternehmen geben ihren Mitarbeitern ja gar nicht die Rechte, am PC etwas zu installieren. Für Spotify kann man in solchen Fällen auf den Web-Player ausweichen. Wollte ich letzte Woche mal machen, aber der kann nur Flash. Und das mag Chrome gar nicht. Dafür muss man sehr viele Fensterchen wegklicken und bestätigen, dass man sich über die Gefahren bewusst ist.

RIP, Flash!

Unwort des Monats: „Die Jugend“

Was macht die Jugend heute eigentlich so in ihrem digitalen Alltag? Sätze, die man gar nicht mehr sagen kann – und was schlimmer ist, auch nicht mehr ungeschehen machen kann, hat man in der Zeit nach der Wahl von Trump zum Präsidenten oft gelesen. Da stammten sie von Trump. Aber auch wir Journalisten machen uns zum Beförderer eines Trends zur Sprachverwahrlosung. Nein, ich werde jetzt nicht Mitglied im VDS. Ich glaube aber, dass die deutsche Sprache auch schön sein kann. Dafür muss man sie kennen, mit ihr täglich üben und auch neue Wege gehen.

(Lieber Schlussredakteur, das „man“ redigierst du mir noch raus, oder? Danke, der Autor.)

Was denkt die Jugend?

Einer der Sätze, die nicht mehr gehen, lautet:

Nein, das muss ich besser sagen. Wir können als weiße, mittelalte Männer nicht annehmen, dass wir wissen, wie die Zielgruppe oder die Menschen, die man mal Publikum genannt hat (TPFKAA – the people formerly known as audience), so tickt. Unsere Erfahrung mit digitalen Produkten trennt uns von ihnen. Außerdem ist es eine Anmaßung, sich mit werdenden Müttern oder shoppenden Anzugträgern zu vergleichen. Oder auch der Jugend. Dafür gibt es Methoden wie Befragungen von echten Mitgliedern der Zielgruppe. Allen, die ein wenig Geld für Research ausgeben wollen, empfehle ich das Buch „The One Dollar Prototype“. Und deshalb ging ich bei diesem Satz aus der Snapchat-Spectacles-Berichterstattung steil:

What it feels like to wear Snapchat Spectacles: „Put simply: The kids are gonna love ‚em.“

(Via.)

Das ist natürlich tongue-in-cheek, aber eben irgendwo auch ernst gemeint. Bei Übermedien wäre das ein Hasswort. Für mich ist es eben diese kleine Kolumne.

Rant: Meine Scribbles nenne ich ab sofort Design

Design mache ich auch ab und zu. Früher habe ich das einfach Scribbles oder Skizzen oder meinetwegen auch Prototypen genannt. Ab sofort nenne ich das Design. Warum? Jeder kann sich Designer nennen. Der Begriff Designer ist nicht geschützt. Du kannst Photoshop? Dann bist du Designer. Bisschen #oldskool, aber eben Designer.

Auf meinem treuen Pendelbegleiter, einem 13-zölligen MacBook Pro läuft zwar Sketch, der neue Liebling der Designer, weil die Power für Photoshop nicht reicht, und weil ich die meisten Designs eh als skalierbare Vektorformate brauche.

SVG for the win in web Design!

Bei einem Nebenprojekt hatte ich jetzt das zweifelhafte Vergnügen, mit einem Designer zusammenzuarbeiten, der sich auf die gleiche Art auch Designer nennt. Ich hätte die Chuzpe nicht besessen. Deswegen nehme ich mir den Rat eines früheren HIPPOs von mir an: mehr dicke Eier wagen. Bäm, bäm, bäm.

Für das erste Vertical bei TargetVideo habe ich ein Moodboard als Briefing an meinen erklären Lieblingsdesigner für solche Projekte verschickt. Was er daraus gemacht hat, hat meine Erwartungen noch übertroffen. Dafür zahle ich gern. Ich designe nicht, um andere Designer aus dem Job zu treiben. Ich designe, um nicht schlechtes Geld gutem hinterherzuwerfen. Versteht mich nicht falsch: Gute Designer, ihr seid euer Geld wert. Aber dann seid ihr Profis. Webfonts, die keine sind, sind ein Indiz dafür, dass ihr es nicht seid.

Und jetzt beruhige ich mich wieder, mache einen Entspannungstee und ein Erkältungsbad.

Woher kommt der Chatbot-Hype? Gedanken vom Vocer Innovation Day 2016

Chatbots, the new frontier.

Seit 1997 entwickle ich journalistische Produkte im Netz, erst als Journalist für den Desktop. Später als Produktmanager, seit 2011 auch Responsive Design für die mittlerweile mobile Mehrheit. All diese Dinge, die ich in dieser Zeit gelernt habe, sind bei dem Thema „Sprache als nächstes User Interface“ nur bedingt zu gebrauchen. Klar, man braucht immer noch Klarheit in der Sprache und in der Nutzerführung.

Sprache als User Interface

Das ist ein großes Thema, ich möchte mich heute um die geschriebene Sprache kümmern. Wo kommt Sprache zum Einsatz in neuen Kontexten? Ich schreibe einem Messenger-Kontakt, dass ich News zu einem bestimmten Thema erhalten möchte, etwa zum Transfermarkt in der Fußball-Bundesliga, und die unermüdliche Maschine schickt mir fortan Links zu diesem Texten. Das ist ein anderer Umgang mit Sprache als der, wenn ich Dinge in die Google-Suche tippe. Aber wir können hier wohl an der Phrasierung, die SEOs aus den umgangssprachlichen Fragen herausgezogen haben, etwas lernen. „Was ist xx yyy?“ ist ein beliebter Suchterminus.

Erst in der Session beim Vocer Innovation Day 2016 habe ich verstanden, warum die Medienhäuser so wild sind auf diese neue Möglichkeit, viel Engagement in die Beziehung mit den Nutzern zu bringen. Das versuche ich mal zu erklären:

no filter, just me

Messenger enthalten immer noch alle Nachrichten, die mir meine Kontakte senden. Es gibt keinen Filter, eine algorithmische Auswahl von Posts, die ich in meinem Feed sehe. Das ist ganz anders als im zentralen Produkt der Social Media-Riesen Facebook, Twitter, Instagram. Da wird gefiltert. Nutzer sehen kaum zehn Prozent aller Nachrichten im Newsfeed bei Facebook, als Beispiel.

Der Nutzer bekommt die volle Ladung mediale Beschallung. Messenger sind die neuen Push-Nachrichten aus Apps. Nein, sie sind sogar eine Neuauflage einer neuen Welle an Push-Nachrichten aus Apps, und zwar aus Apps, in denen wir die Push-Nachrichten nicht abbestellen.

Kein Filter. Das müssen wir einmal sacken lassen. Der volle Durchgriff. Als Medium kann ich wieder senden. Ich glaube, das ist der Appeal, den die Medienhäuser, die etwa auf den Chatbot von Spectrm setzen. Das hatte ich vor der tollen Session mit Martin Hoffmann von Resi und Bastian Pech von Spectrm noch nicht verinnerlicht. Ich habe mich bisher oberflächlich mit der Frage beschäftigt, ob die Sites, die wir bei TargetVideo betreiben, gute Lieferanten von Chatbot-Futter wären. Da war meine Antwort nein. Nach der Session sieht die Antwort anders aus. Ich habe ein paar Ideen, die ich ohne den Besuch in Hamburg nicht gehabt hätte. Dafür hat sich die Reise schon gelohnt, auch wenn ich das vor dem Businesstrip nicht wusste.

Diese Art, die Chatbots zu benutzen, als Breitseite aufs ganze Publikum, wird sich schnell totlaufen. Auch Spectrm ist schlauer als das. Die gut funktionierenden Bots richten sich an eine eng begrenzte Zielgruppe, etwa Fans von Werder Bremen, die an Transfermeldungen ihrer Mannschaft interessiert sind. So funktioniert nämlich das Onboarding bei dem ersten deutschen Bot, dem Transferticker von Bild und Spectrm. Damit ist Spectrm auch auf der Entwickler-Konferenz F8 von Facebook aufgetreten.

Auch ein Chatbot muss einen Mehrwert bieten

Die Frage an Produktmacher in journalistischen Umfeldern muss jetzt lauten: Wie kann man die Bots gestalten, dass sie dem Nutzer dauerhaft einen Mehrwert bringen? Der Churn muss ja niedrig bleiben. Nur ein dauerhaft aktiver Nutzer ist ein guter Nutzer. Ich glaube, wir werden hier genauso Dinge lernen über Personalisierung wie es die App-Betreiber schon in den letzten Jahren auf den mobilen Betriebssystemen getan haben. Die Masse aus Massenpublikum gibt es nicht. Wir sind alle individuell. Und das Adressieren dieser Individualität wird der Schlüssel sein, damit Nutzer nicht nur ein paar Messages, sondern mehrere Monate oder sogar noch länger abonniert bleiben.

Der Inhalt vertieft die Beziehung zwischen dem Medium und dem Individuum. Der Chatbot in einem Messenger wird zur Chance für die Medien, wirklich ein Individuum zu erreichen, nicht nur eine Persona. Das finde ich eine hochspannende neue Fragestellung.

Das ist der Adressierung von Newslettern im E-Commerce-Bereich nicht unähnlich, wo auch personalisierte Angebote die Conversion und den Lifetime Value steigern können.

Aber es ist für journalistisch denkende Menschen neu. Alles im Journalismus zielt darauf ab, eine möglichst große Menge an Menschen zu erreichen.

Sender – Empfänger

Die Druckmaschinen, das Radio, das Fernsehen – einer an viele. Alles das Gleiche. Das Internet hat die Kommunikation von vielen an viele ermöglicht, Facebook hat es zu einer Realität für viel mehr Beteiligte gemacht.

Messenger sind vollends entbündelt und man muss sich überlegen, wie man produktseitig Themen wieder bündeln kann, um sie von den Prozessen automatisierbar und beherrschbar zu machen. Kein Nutzer wird sich seine Interessen konfigurieren, wenn das schwierig ist. RSS-Feeds und News-Aggreatoren, die so funktionieren, sind etwas für die Power-User – keine Chance auf den Massenmarkt.

Ich bin gespannt, wie lange das Fenster der Kommunikation mit den Nutzern über Chatbots offen bleibt, bevor auch wieder Social Media-Gamer wie Upworthy das Fenster mit Müll zustopfen.

Gesprochene Sprache als User Interface

Stimme als User Interface werde ich hoffentlich noch einmal besichtigen in diesem Blog. Meine ersten Erfahrungen mit Amazon Echo waren erstaunlich gut, auch wenn auch mir schon Limitierungen aufgefallen sind.

Die ersten Stunden mit dem Amazon Echo

Die Killerfrage lautet: „Braucht man Amazon Echo?“

Die muss ich natürlich mit Nein beantworten. Braucht man noch nicht. Um meine Frau zu paraphrasieren: Amazon Echo ist eine Spielerei.

Den Ausschlag gab die Möglichkeit, dass sie beim Kochen weiter ihre geliebten Hörbücher hören kann. Also meine Frau. Das ist selbst mit dem nach Meinung der Stiftung Warentest derzeit besten Smartphone am Markt, dem Samsung S7, aufgrund des geringen Tonumfangs der externen Lautsprecher des Geräts schwierig – vor allem, wenn sie für die Kinder Fleisch brät und es laut in der Küche zischt. Alexa hat mehr Bums, und Amazon gehört ja Audible. Daher ist der Service gleich in die erste Version der App eingebaut.

Ich komme gleich noch zu den Hörbüchern zurück.

Bei Technik gehöre ich zu den Early Adoptern. Die CD-Sammlung habe ich einst digitalisiert und die analogen Überbleibsel verkauft. Damit haben wir die Sonos-Anlage in der Wohnung finanziert.

Außerdem entwickle ich gewerbsmäßig digitale Produkte, und hier schreibe ich auch mal darüber. Und daher will ich bei interessanten Entwicklungen vorne mit dabei sein. Virtual Reality (VR) habe ich vorbeiziehen lassen, weil mir bisher noch immer mit einer solchen Brille schlecht geworden ist (Oculus Rift Developer Edition, Ozo).

Meine Usecases

Wofür habe ich Amazon Echo also konkret gekauft?

  • Beim Zubettgehen Alexa das richtige Hörspiel für die Kinder heraussuchen lassen, den Sleep-Modus aktivieren und die richtige Lautstärke finden. Dafür gibt es aber noch die Hürde zwischen Alexa und Sonos, die noch nicht integriert sind.
  • Morgens beim Kaffeekochen nach dem Wetter fragen.
  • Muss ich etwas einkaufen?
  • Kommt der Zug zu spät?

Beim Kochen am ersten Abend nach der Aktivierung von Alexa musste das Smartphone noch mal herhalten. Warum? Sie wollte das Buch, das sie gerade hört, noch einmal von vorne hören. Dazu muss man bei der Audible-App für Android nur ein paar Zentimeter nach oben scrollen und klicken. Alexa das mit Sprachkommandos beizubringen, ist mir nicht gelungen. Aber dafür haben wir einige Male herzhaft gelacht. Das ist auch schon für ein Technik-Spielzeug/Gadget eine tolle Leistung, oder?

Danke, Alexa.

(Und immer schön bei den Skills hoch leveln, ok?)

VerDAMmt schwer, die Suche nach einem Digital Asset Management-System

Einleitung: Die besten Impulse zum Bloggen kommen durch das Lesen von anderen Blogs. Manchmal sind es persönliche Erlebnisse. Heute soll es mal um einen Post des wohl bekanntesten deutschen DAM-Bloggers gehen. DAM: Das bedeutet Digital Asset Management System. (Wen das Thema nicht interessiert, muss jetzt nicht weiter lesen.)

Tim Strehle sprach mir aus der Seele, als er vermutete, wie schwer die Auswahl eines DAM-Systems sein müsse. Er selbst muss ja nicht auswählen, er arbeitet für einen Hamburger Anbieter, der etwa öffentlich-rechtliche Sender mit den Systemen versorgt.

It must be terrible to shop for a Digital Asset Management system. While the Web empowers cheap smartphone, fashion or book buyers – with independent coverage from press and bloggers, and customer reviews on Amazon – it’s not very helpful when you’re planning to spend tens (or hundreds) of thousands on DAM software and need to compare products. 

Warum ist das so schwer? Alle Verkäufer finden ihr Produkt am besten. Oder haben Sie schon einmal einen BMW-Verkäufer gesehen, der ernsthaft einen VW empfiehlt? Früher mag das der Fall gewesen sein, als es keine Vans von BMW gab. Aber die gibt es mittlerweile, und für einen Lastwagen gehen Sie ja auch nicht zum BMW-Händler. Und die andere Seite ist nicht besser – die Käufer können selbst keine Autos bauen und hinter die Spezifikationen, Whitepapers und Firmenvideos schauen. Vor allem nicht bei Softwareprodukten, die auf Servern auf dem Firmengelände, also on-premise, installiert werden müssen. 

Die richtig guten Verkäufer/Account Manager der DAM-Anbieter kennen ihr Produkt sehr gut. Sie fragen den Interessenten erst einmal sehr viele Dinge, die der vielleicht noch gar nicht weiß. Die wenigsten DAM-Interessenten dürften an einem Produkt als Ersatz für ihr altes Produkt interessiert sein, sondern eher an einem Einstieg ins Thema der besseren Verwaltung ihrer Daten. (Bei meinem alten Arbeitgeber ProSieben war das etwas anders, aber das ist auch ein Medienunternehmen, das seit Menschengedenken mit Videodat(ei)en arbeitet.)

Marktübersicht ist ein aufwändiges, aber auch lukratives Thema

Tim Strehle zählt 148 Anbieter auf seiner Liste Planet DAM. Anbieter wie Capterra oder CMS Wire habe ich auch genutzt, um diese Liste kleiner, handhabbarer zu kriegen. An die 80 Systeme habe ich mir zumindest angesehen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich sowas gemacht. Das dürfte den meisten so gehen, die ein DAM brauchen. Oft sind das ja Marketer.

In meinem Team haben wir zwei Evaluationsrunden gedreht. Einmal habe ich die am Anfang gemacht, als ich noch wenig wusste. Und dann habe ich das einen Mitarbeiter machen lassen, als wir die Requirements angepasst hatten, weil wir besser wussten, was wir brauchen.

An einer ungewöhnlich scharfen Kritik (von Ralph Windsor) im Bereich DAM bin ich hängen geblieben, weil hier eine Pressemitteilung zerrupft wurde. Und sie schlug eine Saite in mir an, die ich hier versuche zu beleuchten.

Es gibt Anbieter, die einem den Markt transparent machen wollen. Sie verdienen mit dem Verkauf von Reports, die den Marktüberblick herstellen wollen, Geld. So ein Bericht zu einem Marktsegment kostet eine vierstellige Summe. Wahrscheinlich ist das der auch wert, weil er viel Recherche erspart. Aber für mich ist Recherche so etwas wie die Anamnese eines Arztes. Der Mediziner traut seinen Standeskollegen auch nur bedingt, er erhebt selbst noch einmal die Symptome, auch wenn die Überweisung vom Fachkollegen kommt. Für mich als IT-Manager ist es daher wichtig, dem Anbieter zu trauen. Und manchmal stolpert man dann über Copy & Paste-Fehler auf der Website eines solchen Vergleichsbericht-Anbieters, die Zweifel säen. 

„I have heard reports about other DAM system review sites where the operators (while less obviously biased) are sometimes partial to weighting the prominence afforded to certain products over and above the others.“ 

Wenn mein Produkt etwas ist, was den Verkauf eines anderen Produktes befördert, dann bin ich automatisch incentiviert, das margenstärkste Produkt zu empfehlen. Das ist bei Versicherungsmaklern so, die selbstverständlich Lebensversicherungen empfohlen haben, weil da die Kopfprämien so gut sind. Und das ist auch bei Google so, weil da die Meistzahler bevorzugt werden. 

Wie hat es also Google geschafft, dass wir den Anzeigen vertrauen? Die Fallzahl der Klicks ist hoch zu jedem Keyword. Es herrscht ein reger Wettbewerb. Und es ist ja nur ein Klick. Was kann für den Nutzer schon schief gehen.

Bei DAMs ist das anders. Wahrscheinlich gibt es im deutschen Markt pro Jahr nur ein paar hundert, vielleicht einige tausend Interessenten. Der Markt ist klein, wenig transparent. Und die falsche Kaufentscheidung für ein nicht geeignetes Digital Asset Management System dürfte eine Karriere bei einem Unternehmen torpedieren. Fünf- bis sechsstellige Summen sind eine Leichtigkeit, große Installationen kosten auch siebenstellige Euro-Beträge. Daher habe ich das sehr ernst genommen.

Wissen, was man braucht

Bei der Evaluation hat es mir geholfen, dass ich mich mit Content Management Systemen (CMS) sehr gut auskenne. Die haben meist rudimentäre DAM-Funktionalitäten ( WordPress – ich meine deine Medienbibliothek). Außerdem bin ich ein erfahrener Product Owner. Aufschreiben, was meine Stakeholder brauchen, und mit dem Business Owner priorisieren: Check.

Und dann habe ich die 80 Systeme so gut es geht überprüft: mit Online-Demos und wo möglich, Testläufen mit einer cloudbasierten Variante des Systems. Ralph Windsor liegt mit seiner Schätzung, dass man pro System sicher einen Tag braucht, um das beurteilen zu können, gar nicht so falsch.

So kam über eine Zeit von drei Monaten ich auf eine Shortlist von vier Systemen, letztlich zwei, bei denen wir Angebote verhandelt haben. Gerade rollen wir bei Target Video Cantemo aus, ein System, für das sich im letzten Jahr auch der Guardian und AOL entschieden haben.

Zweite Meinung einholen ist schwer

Ich wollte natürlich die Kaufempfehlung absichern. So haben wir auch eine IT-Beratung ins Projekt mit einbezogen. Wir haben uns trotz einer gegenseitigen Wertschätzung dann dagegen entschieden, mit ihnen das Projekt umzusetzen. Im Wesentlichen aus zwei Gründen:

  1. Die Software ist teuer genug, da können wir uns nicht auch die Beratung leisten.
  2. Die Berater hatten eher Erfahrung mit großen Unternehmen, nicht mit kleinen Startups.
Wie holt man sich als Branchenfremder dann dennoch Input zu der eigenen Kaufentscheidung, die man natürlich selbst treffen muss und die einem auch keiner abnehmen kann? Man redet mit Leuten aus dem Netzwerk. Mir haben da vor allem die geholfen, die gesagt haben: gutes System, aber für uns war das aus den und den Gründen nix. Oder die gesagt haben: Ihr kennt eure Anforderungen am besten. Mir hat auch ein Entwickler geholfen, der mit verschiedenen Systemen Erfahrungen als Integrator hatte. Aber das war ein Sechser im Lotto, und dafür habe ich irgendwann zum Essen eingeladen.
 
Und warum hört man jetzt also nie Kritik an DAMs? Erstens will ich es mir mit dem Anbieter nicht verscherzen. Ich brauche den ja noch für Änderungen am Code. Cantemo war etwa sehr zuvorkommend, was das angeht. (Merken Sie, was ich hier tue?) Ralph Windsor fasst das so:

On the LinkedIn discussion “I’ve outgrown my DAM” (asking for honest feedback from DAM administrators), expert Ralph Windsor of Daydream comments:

“I know I can’t say ‚x provider is great, y are not‘ in a forum like this (even though I might think it) as that would generate all kinds of complex political problems when/if I have to deal with them elsewhere.

Und zweitens will ich ja meine Produktempfehlung im Nachhinein nicht in Frage stellen. Es war natürlich alles Gold, was ich empfohlen habe.

Wir haben ein neues Logo, juchhu! Wie man Firmenblogs auf Relevanz für Kunden trimmt

Für die Arbeit habe ich in meinem Feedreader ganz viele Blogs aus der Firmenwelt abonniert. Company Blogs unterscheiden sich in ihrer Qualität und ihrer Lesbarkeit ganz erheblich. PR-Doktor Kerstin Hoffmann hat mich auf der Relaunch-Konferenz 2016 in Hamburg auf das Thema gebracht: Was interessiert die Leser eines Firmenblogs wirklich? Eine Auseinandersetzung mit den Topoi, die ich so in den letzten Monaten gefunden habe.

  • Der Blumenstrauß an die langgediente Mitarbeiterin? Welche Relevanz hat das für die externe Unternehmenskommunikation? Der richtige Platz wäre das Intranet, falls es so etwas gibt, eine Mail an alle Mitarbeiter oder eine Auszeichnung beim Sommerfest.
  • Andere stellen ihre Mitarbeiter vor. Dafür gibt es drei Rollen, die unbedingt vorgestellt werden müssen:
    • neue Pressesprecher oder Evangelisten: Diese fungieren nach außen, daher sollten sie auch bekannt gemacht werden.
    • Rockstars: Dein Unternehmen hat gerade DEN Branchenfachmann verpflichtet? Ja, das will die Welt wissen (Scoble-Effekt!).
    • Support-Mitarbeiter: Du baust den Support aus und stellst die neuen Mitarbeiter im Kundendienst vor? Ja, gib deiner Firma ein Gesicht.
    • Darüberhinaus: Es geht, aber ich kenne Feeds, die nur aus Mitarbeitervorstellungen bestehen. Mehr als 20% der Einträge sollten die nicht ausmachen, finde ich.
  • Wir sind auf Messe xyz. Schon besser: Die Kunden fahren vielleicht auch hin, und auch künftige Kunden können darüber stolpern, wenn sie einen Google Alert auf das entsprechende Keyword gesetzt haben. Wichtig: In dem Post sollte auch gleich ein Link zur Terminvereinbarung drin sein. Gerade Interessenten haben oftmals noch keinen Draht in die Firma hinein.
  • Wir haben eine neue Produktversion. Und dann bitte gleich die Vorteile für die Kunden herausarbeiten, gern mit einem Video.
    • Was aber oft passiert, sind reine Release Notes. „Wir haben Bug #123456 gefixt. Betrifft blabla.“ Das wollen nur eure Entwickler lesen, aber kein Kunde. Nicht einmal Entwickler beim Kunden. Ehrlich. Adobe, Google, ich sehe euch an!
  • Wir haben bald eine neue Produktversion. Nein, das ist nicht das Gleiche wie der Punkt zuvor. Meistens handelt es sich um einen defensiven Schritt, man findet ihn auch fast nur bei Konsumentenprodukten. So kann man zum Beispiel Vorankündigungen oder Previews verstehen – Adobe Comet gegen Sketch wäre ein Fall dafür, oder auch das Google VR-Brillen-Referenzdesign, das zwei Monate nach der Google I/O 2016 immer noch nicht da ist.
  • Preis gesenkt. Tolle News. Aber dann schreibt bitte auch in dem Post, dass bestehende Kunden rückwirkend eine Erstattung bekommen oder zumindest, wie man die beantragen kann.
  • 17 Dinge, du noch nicht wusstest: Bei Buzzfeed macht das Sinn, aber bei deinem sündhaft teuren Enterprise-Produkt? Passt die Tonalität zu dir? Da sind wir ganz schnell bei Blüten, wie Dan Lyons die in „Disrupted“ über HubSpot erzählt hat. Das Genre ganz gut können aber Zapier und Process Street in ihren Produktivitätsblogs. Da passt diese Haltung auch – 101 Rezepte für xyz lese ich gern jederzeit.
  • Ich, ich, ich: Ein Du wäre auch mal schön. Menschen reden gern mit Menschen, nicht mit Institutionen. Cluetrain, hört auf das Manifest! Das muss nicht immer eine Spendenaktion sein, seid kreativ. Ein einführender Post ins Thema holt Interessenten auch ab. Damit ist man zwar nahe an den Posts von HubSpot, die ich gerade noch kritisiert habe, aber im Wesentlichen funktioniert die Technik gerade für Themenneulinge ganz gut.

Bye, kleiner Koffer. Hallo, Smart Luggage!

Als ich das erste und bisher einzige Mal in Schottland war, ging mein Rollkoffer kaputt. Also kaufte ich mir Ersatz, zu einem studentischen Budget, für 17 Pfund. Das waren damals etwa 25 Euro, wie mir der Währungsrechner bei Yahoo Finance verrät. (Ihr mögt über Yahoo lachen, aber im Kern sind die Produkte solide.) Ein kleiner blauer, beinahe kabinengepäckgeeigneter von Pierre Cardin ist es. Er begleitet mich seit zwölf Jahren.

Das ist lange, lange, für einen Gebrauchsgegenstand, der geworfen, gezogen, geschoben wird und auch mal abrupt heruntergekühlt wird im Bauch eines Flugzeugs. Daher suchte ich nach Ersatz. Rimowa war eine Idee, aber deren Polycarbonat-Köfferchen hat irgendwie jeder. Damit geht der Nutzen, den der beinahe himmelblaue Koffer auf einem Gepäckband hatte, noch zusätzlich verloren. Den konnte ich nämlich auch ohne weitere Accessoires wie Kofferriemen oder Gepäckanhänger ohne Weiteres als meinen identifizieren.

Der Markt für Reisegepäck ist offenbar im Retail von ein, zwei Herstellern dominiert. Auf der Qualitätsebene gibt es eigentlich nur Samsonite und Rimowa. Das war mir etwas zu sicher gespielt. Nobody ever got fired for buying IBM, sagte man früher in der IT. Bei Koffern scheinen mir die beiden Marken das Äquivalent zu sein.

(Und warum Rollkoffer mit dem furchtbaren Klapp-klapp? Wäre nicht ein Weekender viel cooler? Klar wäre er das, aber bei meinem Hang, die Reisegepäckstücke zu überpacken, wäre das für meinen Rücken nicht das Richtige. Als Sitzarbeiter habe ich die üblichen Schwächen im unteren Rückenbereich. Und Coolness ist mir dann nicht mehr gar so wichtig. Ich trage ja auch keine 7/8-Hosen ohne Socken, oder wie die heißen.)

Nachdem ich also bei Karstadt nix fand, wo wohl immer noch alle Welt ihre Koffer kauft, oder halt von den Meilen bei Miles & More – ging ich online. Dabei fand ich einen amerikanischen Anbieter, der mir sehr gut gefiel. (Link finde ich nicht mehr.) Leider versendet der nur nach Großbritannien und in die USA. Ich konnte ja wohl kaum meine Schwiegereltern bitten, mir einen Koffer von ihrer Amerikareise mitzubringen. Die beiden hatten schon genug Gepäck.

Aber durch Zufall stolperte ich über einen Artikel bei Gründerszene, das ich beruflich immer mal wieder im Feedreader lese. Und da erzählte ein Gründer vom Koffermarkt und bestätigte meine Befürchtungen.

Ein hier dominierendes Unternehmen wie Samsonite macht 90 Prozent des Umsatzes offline. Das Geschäft online zu machen liegt nicht im Interesse der wichtigen Retail-Partner. … Durch die komfortable Position der dominierenden Unternehmen im Markt ist das Preis-Qualitätsverhältnis nicht mehr zeitgemäß. Die Preise verachtfachen sich von der Produktion auf dem Weg bis zum Konsumenten. Ein für 75 Euro produzierter Koffer kostet im Endeffekt mindestens 600 Euro, damit jeder unterwegs seine Marge macht.

Ich gehöre jetzt zu den Vorbestellern eines königsblauen, kabinengeeigneten Koffers, der ein bisschen weiterdenkt. Ich habe zwar das Gefühl, dass ich mal wieder zu den Early Adoptern einer Brückentechnik gehöre – smart luggage stelle ich mir noch etwas smarter vor. Aber weil ich solche Projekte gern unterstütze, habe ich zugeschlagen.

Und meine Schwiegereltern kommen doch noch ins Spiel. Das wird wohl mein Weihnachtsgeschenkwunsch werden. Ich bin eh so schwierig zu beschenken, dass sich meine Familie freuen wird.