Lesezeichen für Verkehrsmeldungen gelöscht

Heute war es so weit. Ich habe das Lesezeichen für die Stauschau gelöscht. Wahrscheinlich verrate ich damit mal wieder, wie alt ich wirklich bin. Die Verkehrsmeldungen des regionalen öffentlich-rechtlichen Hot-AC-Senders waren jahrelang mein Begleiter. Erst im Ohr, als ich im Auto noch Radio gehört habe. Als das immer unhörbarer wurde (3-Element-Break, geheimnisvolles Geräusch, kurze Playlist, viel Hot Hot Rotation usw.), habe ich immer mal wieder auf der Webseite der Verkehrsredaktion nachgesehen, wie die Verkehrslage ist.

Ab jetzt nicht mehr. Tatsächlich ist der Löschvorgang schon einige Zeit her, ich komme jetzt erst zum Aufschreiben meiner Motivation.

(Noch eben zu den Lesezeichen: Die sind für mich ein ganz wesentlicher Bestandteil der Art und Weise, wie ich Dinge, die ich vielleicht nachschlagen muss, organisiere. Mein Chrome-Browser ist eine Chronik meiner Beschäftigungen und Passionen. Aber Lesezeichen sind auch etwas für alte Menschen, I get it.)

Warum habe ich das Lesezeichen entfernt? Weil mir der Prozess, wie Verkehrsnachrichten gemacht werden, nicht mehr gut genug ist. Aus den Messdaten von Schleifen auf der Autobahn und den Beobachtungen von Polizisten werden Berichte generiert, die dann eine halbe Stunde später verlesen werden.

Google zeigt mir in seiner Karten-App Google Maps aber in Echtzeit an, wo es gerade besonders dicht auf den Straßen zugeht, und stellt mit seiner Rechenpower sogar mit künstlicher Intelligenz Berechnungen darüber an, wie sich die Verkehrslage in den nächsten Stunden verändern wird. Meine ganz persönliche Erfahrung ist es, dass man sich darauf verlassen kann.

(Und wie gut Google Maps geworden ist, hat gerade erst wieder ein Essay im Vergleich mit allen anderen Karten-Programmen gezeigt.)

Mit einer kleinen Ausnahme: Nach einem der jüngsten kleineren Updates der App auf dem Smartphone will mich Google Maps immer eine Ausfahrt zu früh auf die Staatsstraße locken. Dabei wäre das ein Umweg von zehn Minuten gewesen. Aber das ist nur ein kleiner Bug, mit dem ich auf Sicht leben kann.

Das Smartphone führt Regie. Bild: Joshua Newton

Unser Leben, eine Montage

Ab und an schreibe ich Dinge aus meinem Alltag als Papa als Kolumne für die Parenting-Webseite hallo-eltern.de auf, für die ich Produkt und Technik verantworte. Eine Kolumne, die ich jetzt gelesen habe, hätte ich am liebsten selbst geschrieben. Habe ich aber leider nicht. (Was fehlt: deutsches zusammengesetztes Hauptwort, das das Gefühl ausdrückt, leider etwas nicht selbst geschrieben zu haben. Phantomtextschmerz?)

Für das sofort Einleuchtende:

Picture Book — Real Life:

Any day I can convince them not to watch Paw Patrol is a victory.

Und für das, für das man länger zum Verdauen braucht:

Thankfully, the massive corporations that now watch over our daily lives were there to help. We downloaded the Google Photos app to store our photos, but it does more than that. It also offers to aestheticize them, creating slideshows and montages via algorithm, returning my memories to me in the form of little movies.

Google is not the only company creating videos from its users’ personal data. Facebook and Apple have products that offer similar experiences, telling us an unexpected story about ourselves. Watching Moana’s entire childhood and adolescence unfold over the course of a few minutes can seem strange, but watching something similar about me or my family can feel even stranger.

Der Post interessiert mich auch als ehemaligen Studierenden der Filmwissenschaft, weil er natürlich auch auf Eisenstein referenziert.

Und Moana ist auf der Watchliste gerade ein paar Plätze weiter nach vorn geklettert.

Eine Woche mit dem Google Pixel 2

So früh eine Kritik für ein gerade erschienenes Smartphone wie das Pixel 2 zu verfassen, klingt verfrüht. Extrem fundiert kann sie noch nicht sein. Aber eins möchte ich loswerden: Endlich gibt es Android-Smartphone, das sich anfühlt wie ein iPhone, wenn auch vielleicht eins der vorherigen Generation.

(Genauerer Vergleich ist mir nicht möglich, mir fehlt die aktuelle iOS-Generation im Smartphone-Formfaktor. Habe nur ein iPad.) Und da das Pixel 2 unlocked 40% weniger kostet als ein iPhone, kann ich es nur empfehlen – für diejenigen, die ein Android-Smartphone vorziehen. (iPhone-Nutzer können diesen Post überspringen: iOS-Retention liegt ja in der 90-Prozent-Range.) Wer das Gerät mit bloßen Fingern berührt, gerade auf der Rückseite, freut sich jedes Mal. Nun bin ich aber auch mehrfacher Vater, und daher fristet dieses Gerät natürlich sein Dasein in einer Smartphone-Hülle, und meistens in der Hosentasche.

The Good am Pixel 2

Meine Güte, der Finish des Gerätes. Habe ich schon erwähnt, auch wenn ich bei meinen Nutzungsweisen auch mit einem Plastikteil wunderbar klar käme. Aus der Hülle kommt es eh erst wieder raus, wenn ich es wieder verkaufe.

Die Fotos und die Videos, die ich mit dem Pixel 2 aufgenommen habe, sind das Beste, was ich je mit einem Android-Gerät machen konnte. Das ist keine Überraschung, das war schon bei der ersten Generation der Pixel-Familie das, was in allen Reviews zu lesen war. Ob die Qualität mittlerweile auf iPhone-Level oder darüber liegt, kann ich nicht sagen. Ich habe im Moment kein Vergleichs-iPhone.

The Bad

Die Hülle war mein erster Fehler: mit dem Textil-Finish der direkt im Google-Online-Shop verkauften Hülle machen jetzt meine Hosen täglich eine Abreibung durch. Oder umgekehrt. Auf alle Fälle sorgt meine eher dunkle Garderobe dafür, dass die Hülle schon nach wenigen Tagen fleckige Ränder bekommt. Das kenne ich von der Hülle für mein Dienst-iPhone auch, aber die musste ich immerhin nicht selbst bezahlen. So ärgere ich mich über ein etwas nutzloses Accessoire für 45 Euro.

Das Spigen-Case liegt seit ein paar Tagen im Amazon-Warenkorb. Ich glaube, für den nächsten Urlaub mit den Kindern (Gefahr des Falls aus großer Höhe auf Stein und Fels ist größer) kaufe ich das allerspätestens.

Der Markt für Hüllen ist übrigens wie bei allen Nicht-Samsung-Android-Smartphones ziemlich dünn. Kein Wunder, dass so viele Besitzerinnen ein Folio-One-Size-Fits-All-Etui drum haben.

Das Wichtigste unter den Pixel-2-Accessoires ist aber der USB-C-auf-Klinke-Adapter für die alten Kopfhörer. Denn wirklich sinnvolle USB-C-Kopfhörer gibt es nicht, und meine Bluetooth-in-Ear-Headphones von Bragi wollen sich mit dem Gerät auch nicht verbinden (wie fast mit allen meinen bisherigen Android-Smartphones. Allein das Nexus 6 P konnte sich anschließen (lassen).). Leider ist der Adapter bis auf Weiteres nicht lieferbar. Vielleicht, weil er nur 9 Euro kostet? Fürs Auto brauche ich noch einen.

Zum Schluss: The Ugly am Pixel 2

Das Pixel 2 ist das zweite Pixel-Smartphone, das ich bestellt habe. Das erste habe ich bestellt und gewartet und dann von den Display-Problemen erfahren und dann wieder storniert. Es sollte das Pixel 2 XL werden, für große Hände kommen große Handys in Frage.

Das Klick-Problem bei Telefonaten und Musikwiedergabe nervt. Hier warte ich auf den versprochenen Software-Fix. Im Telefon-Modus kann ich das verschmerzen. Die Ironie: Ich telefoniere damit fast nie. Auf mehr als 20 Minuten komme ich sicher nicht im Monat. Vor allem bei leisen Musik-Tracks fällt das Plopp-Geräusch und Knistern arg auf. Das darf nicht sein bei einem sündhaft teuren Gerät.

Botschaft der AMP-Roadshow: Mit AMP werden Webseiten auf Android-Geräten wie diesem schneller.

AMP-Roadshow in München / Google-Office, 7.11.2017

Wer die Büros von Google besuchen will, muss sich am Empfang anmelden, sein Namensschild anstecken und darf dann erst rein. So erlebt bei diversen Besuchen, auch bei der AMP-Roadshow wieder. Wer eine AMP-Version seiner Webseite in den Google-Index schicken will, muss das Gleiche tun: Seite anmelden, auf Freigabe warten und dann geht sie erst rein. (Erklärung hier: Was ist der AMP-Validator? Was ist der Google-AMP-Cache?)

Insofern passt es, dass Google mit der München-Ausgabe seiner AMP-Roadshow (Paris, Madrid, Beijing… ) in seinem eigenen Büro an der Donnersbergerbrücke Halt macht. Durch die ganze Welt touren die AMP-Verantwortlichen (viele aus New York, einige aus der Google-Zentrale in Mountain View bei San Francisco). Immer mit der Botschaft an Webseitenbetreiber (und oft genug Publisher): Macht eure Webseiten auf dem AMP-Standard, den wir kreiert haben, und Nutzer werden euch lieben. Weil die viel schneller laden.

Dagegen habe ich auch nix einzuwenden, das ist für Nutzer so. Viele Webseiten von Publisher wurden in den letzten 20 Jahren voll gemüllt – da gebe ich Paul Bakaus, dem Developer Advocate für AMP bei Google vollkommen Recht. Für einiges an Ad Tech-Müll bin ich auch selbst verantwortlich, in meinen letzten Stationen als Produktverantwortlicher in Medienhäusern, mal groß, mal klein. Und selbst kriegen wir Publisher und Publisher-Mitarbeiter das Problem nicht wieder in den Griff. Wir brauchen den Druck von einem Gatekeeper wie Google. (Letztlich war das auch der Charme von Facebook Instant Articles. Weniger Krempel von uns, bessere UX für unsere Kunden. Ende Exkurs 1.)

(Exkurs 2:

Finde es immer noch ironisch, dass der Erfinder von jQuery, damit mit verantwortlich für viel Bloat und Custom JS verantwortlich (wie auch für den Berufseinstieg für viele Web-Entwickler), jetzt an der Abschaffung von selbst geschriebenem Javascript mit arbeitet. Danach hätte ich ihn mal fragen sollen – aber mir fiel diese Frage natürlich viel zu spät ein. Bakaus ist übrigens unfassbar charmant, sowohl auf Englisch wie auch auf Deutsch.)

Dieser Tag, ein Gig auf der AMP-Roadshow, gehört Google, und die AMP-Mitarbeiter sind auf der Bühne erstaunlich on message. Auch die Gäste, wie etwa Jung von Matt, die den Relaunch von bmw.com vorstellen, der auf der AMP-Library basiert, sind von AMP angetan und der engen Zusammenarbeit mit Google.

Aber hier will ich auch denen eine Stimme geben, die etwas gegen AMP haben. Vehement und eloquent hat das Jeremy Keith getan, auf seinem Blog Adactio:

This is just one example of AMP’s sneaky marketing where some finely-shaved semantics allows them to appear far more reasonable than they actually are.

Keith ist einer der Verfechter der Indie Web-Bewegung, mit der ich auch sympathisiere (Disclosure), und er glaubt daran, dass jeder sich selbst über seine Webseite ausdrücken können muss. Und zwar mit offenen Standards. Nicht über einen proprietären Ansatz wie den von Google.

Ethan Marcotte wird auch von Keith zitiert, und der bringt es noch mehr auf den Punkt:

But when I hear AMP described as an open, community-led project, it strikes me as incredibly problematic, and more than a little troubling. AMP is, I think, best described as nominally open-source. It’s a corporate-led product initiative built with, and distributed on, open web technologies.

Die Publisher, für die ich in den letzten Jahren gearbeitet habe, haben Probleme, die Ladezeit ihrer Seiten am Desktop unter 10 Sekunden zu bringen. Mobile First wird zwar gesagt, aber die Mobile-Wende ist schmerzhaft. Die meisten Publisher sind eben nicht so tech-savvy oder ressourcenreich wie der Guardian, auf den Keith hinweist:

(AMP-Seiten kommen leichter in die Google News-Carousels in der Google-Suche, das ist der Hintergrund.) This is the only reason why The Guardian, for instance, even have AMP versions of their content—it’s not for the performance benefits (their non-AMP pages are faster); it’s for that prime real estate in the carousel.

Für sie hat Bakaus Recht, wenn er bei der AMP-Roadshow sagt: „AMP-Seiten sind für Entwickler auch ein Weg, dem Management Nein zu sagen, wenn sie noch einen Tracker auf ihren Webseiten integriert haben möchten.“Auf einmal dreht sich die Wahrnehmung um, wer hier wessen Steigbügelhalter ist.

Nach dem Tag AMP-Roadshow bei Google bin ich jedenfalls sehr inspiriert, auch aus unseren lahmen Enten Webseiten schnellere, AMP-powered Seiten zu machen. Und sei es in Verstoß gegen die Prinzipien des offenen Webs. Ja, das sehe ich immer noch. Aber wir müssen halt nach den Regeln der Großen spielen. Lobbyarbeit wie bei Springer gegen die beiden können die Kleinen unter den Publishern nicht leisten.

Beitragsfoto: Photo by Adrien on Unsplash

Wiederentdeckt: Tripit. RIP, Tripit

Tripit gibt es noch. Das war vor ein paar Monaten, als sich meine Reisen auf einmal häuften, eine nette Entdeckung. Es war ein Throw-Back-Erlebnis. Für meine erste USA-Reise seit fast 15 Jahren war das 2008 eine gute Unterstützung. Die Informationen zu meinen Flügen und Anschlussflügen konnte ich dort vereinbaren in einem Trip. So nennt Tripit die Vereinbarung aller Reiseunterlagen in einem Ordner. Mietwagen kam da noch dazu, das Hotel und auch die Wetterinfos waren nützlich. Damals war Roaming noch teurer als früher und die Smartphones waren in der gefühlt ersten Android-Generation. Ich glaube, ich habe mit Android 1.3 angefangen.

Alles, was man tun muss, ist die Reiseunterlagen aus seinem Postfach an plans@tripit.com weiterzuleiten. Jetzt ist Google gekommen, und macht aus dem Produkt Tripit ein Feature für seine Google-Welt. Es heißt Trips und aggregiert genau diese Mails in automatisiert angelegten Reisen. Das funktioniert wie ein neues Label in Inbox, das temporär vergeben wird. Super praktisch, vor allem, wenn man die meisten Buchungen wie ich über den Google Account mache. Aber natürlich leite ich mir die Buchungen jetzt auch aus dem dienstlichen Account weiter zu GMail, damit ich das Feature nutzen kann.

Tripit, es war nett die letzten acht Jahre. Aber ich brauche dich nicht mehr. Zur Sicherheit nutze ich dich noch ein paar Reisen lang – denn Google hat noch ein paar Bugs (so werden Einfachflüge zurück in die Heimat falsch als Trips nach München erkennt), aber das wird besser werden. Genauso wie Google Assistant die User Experience von Google Now so viel nützlicher machen wird. 

Niemand googelt „ring der nibelungen spotify“

Pointe.

Das muss ich erklären: Wenn ich „ring der nibelungen spotify“ suche, ist das kein Ergebnis, dass in den Auto-Completes auftaucht. Es ist also bloß keine häufige Suche. Sie wird sicher schon ausgeführt. Wir sind eben doch keine Schneeflocken, einzigartig und so.

Bei Spotify gehen die Seltsamkeiten weiter:

Wenn ich bei Spotify nach der Buchstabenfolge „nibe“ suche, wird mir als bestes Ergebnis Nine Inch Nails angezeigt. Offenbar ist der Algorithmus also sehr personalisiert, weil ich Trent Reznor mag.

Nerd-Thema, Nerd-Sprache: die Preisvergleichsseiten für die Cloud

Amazon hat zurecht einen schlechten Ruf, wenn es um die Preisgestaltung für die Cloud geht. Heute möchte ich mir einmal in diesem Post die Tools ansehen, mit denen die drei großen drei Cloud-Vendoren Amazon, Google und Microsoft versuchen, den Technik-Leads und Architekten Sorgen um davon galoppierende Kosten zu nehmen. Denn immer wieder werden Unternehmen von den Kosten der Cloud überrascht. Da ist nicht alles billiger. Mein Tipp daher: Wenn du eine Website für ein Café oder ein Restaturant brauchst, fährst du mit dem billigen Hosting bei einem herkömmlichen Hosting-Provider günstiger. Wenn du aber ein System hast, bei dem unvermittelt 100, 1000, 10.000 oder 100.000 Besucher auf einmal vorbeischauen, etwa durch Fernsehwerbung oder anders getriggert, dann solltest du dir als CTO die Cloud-Lösungen mit ihrem automatischen Anschalten weiterer Server sehr genau ansehen.

These costs „look small at the time, but as you multiply out hours and days and bytes, all of a sudden you’re talking significant money,“ Perry said.

For example, the company simulated load tests in May to determine how fast it could load data into a SharePoint instance running on AWS, and used the Provisioned IOPS feature along with the EBS-optimized instances.

„And all of a sudden we’re looking at a bill like, ‚Holy smokes!'“ Perry recalled. The amount spent for Provisioned IOPS represented 50% of the total AWS charges for one of the company’s teams — roughly $11,000 in total charges.

Der erste Stopp ist natürlich der Preis-Rechner von Amazon, dem (auch von Gartner gekrönten) König der Cloud. Und der ist vor allem eins: verwirrend. Als ich als Produkti Anfang des Jahres das Budget für den Betrieb unserer Verticals planen musste, habe ich mich vertan. Der Betrieb ist teurer als gedacht. Soviel Ehrlichkeit muss einfach sein.

Das gilt aber natürlich für alle Anbieter: Um damit rechnen zu können, muss man die Systemlandschaft in der Cloud und auch die speziellen Begriffe, die jeder Anbieter für sich entwickelt hat, kennen. Microsoft und Google haben noch nicht so viele Kunden, sie machen es den Nutzern der Tools etwas einfacher, indem sie etwa Analogien zu Begriffen bei Amazon herstellen. 

Wie kompliziert das Preismodell der Cloud ist, soll ein einfaches Beispiel zeigen: Wenn du bei einem klassischen Hoster einen dedicated Server hattest, brauchst du in der Cloud eine Instanz oder Server, eine Datenbank und Speicherplatz. Das sind in der Regel drei Services, die man konfigurieren muss. Bei Amazon wären das wohl am Anfang EC2, RDS und EBS. Ja, die Abkürzungen machen zu Beginn das Leben nicht leichter. Aber man gewöhnt sich daran. EBS nicht mit Elastic Beanstalk verwechseln, für das es auch die Abkürzungen sein könnte.

(Wenn ich SapientNitro wäre oder eine solche Agentur, würde ich mal der Firma Amazon Web Services eine Usability-Untersuchung der Services pitchen. Selbet mit technischen Nutzern sollte man nicht alles machen. Zumal die Kalkulation, wie viel etwas kostet, vielen Entwicklern eher egal ist – ihnen fehlt (oft) die Brille für das Business. Protest zu dieser Verallgemeinerung nehme ich gern in den Kommentaren entgegen.

Microsoft hat den Preisrechner auch ins Deutsche übersetzt, als einziger der drei Großen. Das finde ich eine gute Maßnahme. Aber dann sind da wieder so Kleinigkeiten. So musste ich etwa ein Backup-Szenario im Sommer durchrechnen. Bei 5TB sagt Microsoft aber: mehr Speicher kannst du hier nicht kalkulieren. Wenn man aber Video-Datenmengen in FullHD hat, wird das ganz schnell eng mit 5TB. Und Blockblob ist kein schönes Wort. Lustig, aber nicht schön.

Der Google-Vergleichsrechner beherrscht auch die Hochrechnung auf Tag, Woche, Quartal, Jahr und drei Jahre. Das ist hilfreicher als gedacht, da doch alle Preise in US Dollar angezeigt werden, selbst wenn man Speicherplatz in Europa haben will. Die Umrechnung auf andere Währungen macht keiner. Das machen die Anbieter erst dann, wenn man ihr Kunde geworden ist. Amazon macht das etwa bei der Gesamtrechnung im Bereich Billing, nicht aber bei einzelnen Posten. Das macht die Prognose, was am Ende des Monats herauskommt, etwa nach der Hälfte des Monats schwierig. Danke Google, dass die Wechselkurse gleich in der Suchmaske errechnet werden können.

Technisch gesehen macht er den modernsten Eindruck. Viel entspricht den Material Design-Richtlinien von Google, wie alle Frontends, die in den letzten Jahren aus Mountain View (nein, keine Synonymismen!) dem Hause Google gekommen sind. Hier kann man wie bei Amazon mit einfachen Klicks die Komponenten in eine Art Warenkorb tun, der keiner ist. 

Platz 1 für den mir angenehmsten Rechner geht an Google, gefolgt von Microsoft. Amazon landet hier abgeschlagen auf dem dritten Platz. Ich wundere mich immer mehr, wie AWS so einen Vorsprung auf dem Markt haben kann.

Cloud-Vendor Facebook?

Meine Prognose: Ich glaube, Facebook könnte den Markt des Cloud Computing auch noch betreten. Spätestens dann, wenn das Wachstum auf der Nutzerseite mal etwas langsamer werden sollte.

Feature Request für Google Now

Seit dem Nexus One habe ich durchgängig ein Android-Smartphone besessen. (Offenlegung: Damals war das eine Dreingabe zum Google I/O-Ticket.) Immer auch ein iPhone, nur gerade mal nicht, aber du fragst dich jetzt, warum? Weil ich glaube, dass man als Produktmacher die Geräte kennen sollte, die die meisten Kunden benutzen. Und das ist leider die Wahrheit, auch wenn das die iPhone-tragenden Konzepter nicht wahrhaben wollen: Zwei Drittel der Mobile-Nutzer auf den Sites, die ich kenne, benutzen eben Android. Und davon wiederum die Hälfte benutzen Samsung-Telefone. (So weit würde ich jetzt aber nicht gehen, dass ich mir ein Samsung-Telefon kaufen würde.)

Also, ein Android-Smartphone ist mein täglicher Begleiter zur Arbeit. Niemand kennt mich besser, außer natürlich meine Familie. Bis vor kurzem glaubte die System-App Google Now, dass ich an meinem Zielbahnhof München-Ost nicht umgestiegen bin, sondern dort geparkt habe.

Das ist jetzt Geschichte. Seit ein paar Tagen werden die besten Umstiegsmöglichkeiten am Bahnhof angezeigt. Und die betreffen bei mir die U4/U5, mit der ich tatsächlich auch fahre. Sehr, sehr zielgenau. Zeitlich sind das auch die nächsten Abfahrten.
Screenshot-Google-Now-Ostbahnhof-U4U5

 

Aber wenn ich aufs Land fahre, wo ich wohne, werden die Haltestelleninformationen schlechter. Mir werden zum Beispiel am Beispiel Rosenheim, wo ich in die letzte Bimmelbahn für eine Station umsteige, abwegige Empfehlungen angezeigt – etwa der Nachtreisezug, der 12 Stunden säter abfährt, oder ECs, in die ich besser schon in München eingestiegen wäre.Screenshot-Google-Now-Rosenheim

Here comes the feature request

Mein Wunsch ist: Nehmt euch auch die kleinen Bahnhöfe vor und versucht, aus den Bewegungsmustern der Reisenden bessere Empfehlungen zu generieren.

Timehop tut mir leid. Und alle andere mit den Mitbewerbern auch

Timehop hat eine der besten Onboarding-Erfahrungen in einer App, die ich kenne. Findet auch Samuel Hulick, siehe sein Teardown. Was macht die App? Sie zeigt mir an jedem Tag Fotos und andere irgendwo in der Cloud gespeicherten Erinnerungen an. Das sind Fotos oder auch Check-ins von vor ein, zwei, drei, fünf, 21 Jahren. Kennt man mittlerweile auch von Facebook und Co.

Zwei Dinge unterscheiden das Produkt von dem, was die Großen anbieten:

  • Timehop ist anbieterunabhängig. Man sieht alle Fotos überall. Das ist etwas, was die Großen (Google & Co.) nicht anbieten können – und auch nicht wollen.
  • Timehop fügt historische Daten hinzu, wie für mich etwa der Tag, an dem „Clueless“ ins Kino kam und der mich auf einmal so alt machte, wie ich bin. Hier mein Tweet dazu:

Wenn man durch die Timeline bei Crunchbase surft, sieht man die ganzen Konkurrenten für Timehop. Hier die Auswahl, auf die es mir ankommt:

  1. Apple macht etwas an Photos-App in iOS
  2. Facebook fügt Funktion hinzu
  3. Wie man mit Google Photos etwas macht
Es fehlt noch Punkt 4: Microsoft bietet das mit OneDrive auch an. Und Punkt 5: Amazon Photos hat die gleiche Funktion. Offenbar können aber Firmen aus Seattle und Umgebung gar kein Marketing. Die kennt nämlich in meinem Umfeld niemand.

Dein Produkt wird das Features eines anderen Produkts

Was passiert hier also demnächst mit Timehop? Dein Produkt wird zum Feature von den Großen – die Funktion bei Facebook dürfte jeder kennen: On This Day.
Utility — It becomes a feature of other products.
(aus „The Three Phases of Consumer Products“, bei Medium)
Offenbar hat Timehop einen Trend vorhergesehen, alles in der Cloud speichern und daran erinnert werden. Aber da das Produkt kostenfrei ist, konnte man das auch nicht richtig monetarisieren. Und jetzt wird

Crunchbase sagt, dass die letzte Finanzierungsrunde zwei Jahre her ist, dabei wurden zehn Millionen Dollar eingesammelt. Bei zehn Mitarbeitern sollte das noch einige Zeit reichen. Aber so richtig große Hoffnung habe ich nicht für das Tierchen Unternehmen mit dem sympathischen Unternehmensmaskottchen.