Lesezeichen für Verkehrsmeldungen gelöscht

Heute war es so weit. Ich habe das Lesezeichen für die Stauschau gelöscht. Wahrscheinlich verrate ich damit mal wieder, wie alt ich wirklich bin. Die Verkehrsmeldungen des regionalen öffentlich-rechtlichen Hot-AC-Senders waren jahrelang mein Begleiter. Erst im Ohr, als ich im Auto noch Radio gehört habe. Als das immer unhörbarer wurde (3-Element-Break, geheimnisvolles Geräusch, kurze Playlist, viel Hot Hot Rotation usw.), habe ich immer mal wieder auf der Webseite der Verkehrsredaktion nachgesehen, wie die Verkehrslage ist.

Ab jetzt nicht mehr. Tatsächlich ist der Löschvorgang schon einige Zeit her, ich komme jetzt erst zum Aufschreiben meiner Motivation.

(Noch eben zu den Lesezeichen: Die sind für mich ein ganz wesentlicher Bestandteil der Art und Weise, wie ich Dinge, die ich vielleicht nachschlagen muss, organisiere. Mein Chrome-Browser ist eine Chronik meiner Beschäftigungen und Passionen. Aber Lesezeichen sind auch etwas für alte Menschen, I get it.)

Warum habe ich das Lesezeichen entfernt? Weil mir der Prozess, wie Verkehrsnachrichten gemacht werden, nicht mehr gut genug ist. Aus den Messdaten von Schleifen auf der Autobahn und den Beobachtungen von Polizisten werden Berichte generiert, die dann eine halbe Stunde später verlesen werden.

Google zeigt mir in seiner Karten-App Google Maps aber in Echtzeit an, wo es gerade besonders dicht auf den Straßen zugeht, und stellt mit seiner Rechenpower sogar mit künstlicher Intelligenz Berechnungen darüber an, wie sich die Verkehrslage in den nächsten Stunden verändern wird. Meine ganz persönliche Erfahrung ist es, dass man sich darauf verlassen kann.

(Und wie gut Google Maps geworden ist, hat gerade erst wieder ein Essay im Vergleich mit allen anderen Karten-Programmen gezeigt.)

Mit einer kleinen Ausnahme: Nach einem der jüngsten kleineren Updates der App auf dem Smartphone will mich Google Maps immer eine Ausfahrt zu früh auf die Staatsstraße locken. Dabei wäre das ein Umweg von zehn Minuten gewesen. Aber das ist nur ein kleiner Bug, mit dem ich auf Sicht leben kann.

App-Drawer auf einem Android-Smartphone

Brauche ich wirklich mehr als 350 Apps auf meinem Smartphone?

Erst dachte ich: so wenige Apps. Dann dachte ich – das lässt etwas an eigenen Gedanken in mir anklingen.

Auf einer Webseite, die sich mit CMS-Systemen beschäftigt, stellt einer der Autoren die Frage:

Do I Really Need 61 Apps on My Work Phone?:

Damit outet er sich zunächst als unterdurchschnittlich beappt. Anekdotisch sind meine 350 Apps viel. Ein Freund und ehemaliger Kollege entwickelt Apps – er kann das leicht verdoppelt. Unter 128 GB Speicherplatz läuft da nix.

Dabei nutzt der durchschnittliche Smartphone-Nutzer weltweit nur 3-5 Apps in 85 Prozent der Zeit, die er mit dem Gerät verbringt, mittlerweile mehr als zwei (bis fünf!) Stunden pro Tag. In der Top-App etwa 20% der Zeit. Das habe ich mir auch schon von meinen Kindern anhören müssen.

Aber manche Apps könnten tatsächlich ein Verfallsdatum gebrauchen, die Idee finde ich spitze. Die Messe ABC-App der Version 2016 wird meistens liegen gelassen, eine neue App kommt sicher mit einem neuen Veranstalter oder Veranstaltungsdatum.

I also wonder if the companies that develop apps could build in some sort of “self-destruct” mechanism. For example, an event-based app that deletes itself at a set time period after the event. Or an automated notification if an app has gone unused for a specific amount of time (e.g., six months or a year) stating the app will delete unless reactivated.

Foto: Photo by Matam Jaswanth on Unsplash

Serienkritik „Stinky und Dirty“

Als Papa geht man auch dahin, wo es weh tut. An den Windeleimer, an einen durchgeschwitzten Wickelbody und in die Kindersektion der Streamingdienste. Seit ich Mitarbeiter von ProSiebenSat.1 war, schaue ich natürlich nur noch legal fern. Vorher war mir das schon zu umständlich, danach zu riskant. Zu nah kamen die Abmahnungen im Freundeskreis.

Die Hauptfiguren sind Stinky und Dirty, da braucht es nicht viel Fantasie. Kinder lieben so gute Beschreibungen. Auf Deutsch wird der ab und zu zu Stinker verballhornt. Was mir aber an dieser Serie gut gefällt: Hier wird nicht alles von vornherein in der glitzernden Zentrale („Paw Patrol“) überlegt und dann ausgeführt, sondern der Plan wird dauernd verändert. Eigentlich ist es gar kein Planen, sondern viel Ausprobieren.

Trial and Error bei „Stinky und Dirty“

Stinky ist ein Müllauto, und Dirty ist ein Bagger, eigentlich ein Baggerlader – vorne also wieder ein Radlader mit einer großen Schaufel und einem Tiefenlöffel hinten. Gelb ist er auch noch. Oder anders: Kein Wunder, dass Amazon die Serie als Home-run in den Jungsmarkt geschleudert hat. „Stinky und Dirty“ ist eine Amazon Original-Produktion, so wie „Mozart in the Jungle“ oder „Transparent“. Nicht ganz so dekoriert, aber sicher auch beliebt. Leider ist an Zahlen zu den Serienguckern bei Streaming-Anbietern wie Netflix und den anderen nicht so leicht zu kommen. Seit September 2016 ist sie bei Amazon verfügbar. Sie beruht wohl, sagt die Pressemitteilung, auf einem beliebten Kinderbuch: „I Stink!“

Mir gefällt die Grenzüberschreitung. Die beiden Nutzfahrzeuge benutzen Gegenstände des Alltags, um ihre Probleme zu lösen. Gern auch den Müll, den Stinky immer mit dabei hat.

Ein Beispiel. Die Bojen aus Hafennähe sind aufs Meer heraus geschwemmt worden. Also müssen neue Bojen her. Die beiden fragen sich: Was machen Bojen eigentlich? Die halten Schiffe vom Ufer fern. Und wie machen sie das? Mit stinkenden Bojen, bis die Bojen wieder zurückgeholt wurden.

Das bietet einen guten Punkt, um mit Vorschulkindern, für die die Serie mit den zehn Folgen gemacht wurde, ins Gespräch zu kommen. Warum haben die das so gemacht? Und was hättest du gemacht? Dann verändert man leicht die Situation und kriegt sogar noch Transferleistungen hin.

(Ja, ich weiß, dass ich das gerade ein bisschen verbräme, dass meine Kinder das sehen dürfen, aber manchmal muss das für alle sein.)

Interessant ist auch, dass eine Folge von Stinky und Dirty in die nächste übergeht – Bingeviewing wird hier schon Kindern beigebracht. Da muss man als Erwachsener gut aufpassen, dass nicht zu viel gesehen wird.

Stinky und Dirty steht bei Amazon Prime Instant Video zur Verfügung, zehn Folgen auf Deutsch. 

Code Generator, oder die geheimste Funktion der Facebook-Mobile-App

Facebook ist ja ganz groß darin, die wichtigsten Funktionen aus der großen, blauen App, wie sie Mark Zuckerberg mal salopp genannt hat, in eigene Apps zu packen. Messenger ist auf diese Art und Weise auf den meisten Geräten außer im Desktop-Web zu einer eigenen App geworden.

Eine Funktion, die wohl nur Power-User nutzen, ist aber immer noch tief in der Facebook-App verbuddelt: der Codegenerator. Ich glaube, derzeit muss man auf Einstellungen (das ist das Hamburger-Icon mit den drei Strichen) klicken, dann ganz nach unten scrollen. Noch einmal klicken, und dann öffnet sich die Ansicht, die ich im Beitragsbild mal in eine Hand montiert habe.

Der tut nicht weh, der sorgt nur für mehr Sicherheit. Immer dann, wenn ich mich an einem neuen Computer oder auch am alten mit gelöschten Browserdaten anmelde, muss ich nach der Anmeldung mit Mailadresse und Passwort den Code aus dem Codegenerator eingeben. Der öffnete sich früher von allein auf dem Smartphone in der Facebook-App. Das war zumindest früher, also in der ersten Jahreshälfte 2016, so.

Jetzt muss man also auf den Hamburger in der App klicken und ganz weit nach unten scrollen. Dann bekommt man den sechsstelligen Code angezeigt, den man dann in dem anderen Gerät zur Bestätigung eingeben muss. Das ist klassische 2-Faktor-Authentifizierung, und etwas, das ich ganz schwer empfehle. Besonders bei den wichtigsten Accounts, die man als digitaler Nutzer so hat. Und Facebook gehört ja bei gefühlt 80 Prozent der Deutschen dazu. Außer natürlich bei den ganz hippen Snap-Teens. Aber das ist eine Geschichte für einen anderen Blogeintrag.

Wenn Sie Musik hören wollen, müssen Sie eine Schrift installieren

Bei Amazon kann man Musik kaufen. Bei Amazon kann man auch nur Musik streamen. Mit den letzten Programmangeboten kommt der Retailer jetzt auch featuremäßig Spotify sehr nahe. Ich bin echt versucht, mein Spotify-Abo für die Familie zu kündigen und alle unsere Geräte zu Amazon umzuziehen. Aber ich gewinne preislich nix, und ich begebe mich noch mehr in die Abhängigkeit von einem der vier Reiter der Apokalypse. Ich werde das also wohl doch nicht tun. Continue reading →

1Password: Release giveth, Update taketh away

Diese Anleitung für 1Password ist nicht falsch, sondern bloß nicht ganz korrekt.

Use your fingerprint to unlock 1Password on your Android device: „Before you can set up Fingerprint Unlock in 1Password, you’ll need to set up Fingerprint Unlock for your device. Then follow these steps:

Open and unlock 1Password. Tap Settings > Security, then tap to turn on Fingerprint Unlock. Place your finger on the fingerprint sensor when prompted. From now on, you’ll be able to unlock 1Password with your fingerprint instead of your Master Password.“

(Via.)

Das funktioniert für neue Benutzer prima. Wer sich heute die App installiert, kann den Schritten folgen. Ich habe aber seit einem Jahr das Nexus 6P als mein tägliches Smartphone dabei. Und auf der Rückseite ist dort ein Fingerabdruckleser angebracht, mit dem man das Gerät nach der ersten Eingabe einer PIN praktisch mit einem seiner Finger entsperren kann. Das funktioniert nicht ganz so fehlerlos wie bei Apple iOS-Geräten, aber eine erhebliche Erleichterung im Alltag. Continue reading →

Anti-Pattern: doppelter Download

Das ist mal ein interessantes Anti-Pattern aus Usersicht: Ich habe eine Demo-Software gerade per Download-Button heruntergeladen. Dann werde ich auf ein Formular geleitet, in dem ich meine Kontaktdaten angeben muss. Der Händler schickt dann eine Demo-Lizenz zu. In dem Moment, wo ich das Formular erfolgreich abschicken kann, startet erneut ein Download. Der lädt software.dmg jetzt als software (1).dmg noch einmal herunter. Wenn ich jetzt mit dem Laptop unterwegs gewesen wäre und jedes Bit zahlen muss? Keine gute Idee.

Gut, dass ich Hazel habe. Da ist es eine Standard-Regel, dass doppelte Downloads direkt in den Papierkorb geschmissen werden.

Software, die ich nutze: Origami von Facebook

Auch wenn ich unter anderem das Produktmanagement für ein Do-It-Yourself-Portal verantworte, mit Origami meine ich nicht die Falttechnik aus Japan. Origami ist eine Software von Facebook für das Design von App-Prototypen auf dem Mac. Besonders ausgelegt ist diese für das gute Zusammenspiel mit den Dateien, die aus Sketch kommen. Sketch ist eine unter jüngeren Designern sehr beliebte Vektorzeichenanwendung, die deutlich schneller und performanter ist als Illustrator oder vergleichbare Adobe-Produkte.

Origami konkurriert mit anderen Hybriden (kann Design und ist Entwicklung recht nahe) wie Framer.js um das Mindset und den Marktanteil der Designer/Developer. Es ist kein Tool wie Axure RP, das sich an den gestandenen Informationsarchitekten richtet – und wo jede Animation weh tut. Zumindest ist das meine Erfahrung aus dem letzten Projekt bei ProSiebenSat.1, wo ich viel mit Axure gemacht habe und in großen Projekten damit auch immer die Anmutung der Seite vermitteln konnte. Aber Axure hat zwei Schwächen: Responsive Prototypes sind echt schwer, und eben diese Animationen. Vom heftigen Preisschild (500 Euro aufwärts) mal ganz abgesehen. Axure befördert auch eher einen eher schlichten Look der Prototypen. Hier einer meiner ersten:

Was ist jetzt an Origami so besonders? Es kommt von den Animationen her. Von diesen neuen Workflows, die App-Designern und -Entwicklern seit 2007 so bekannt sind, die aber für Web-Menschen wie mich, die Kanzlerin würde sagen Neuland sind. Oder zumindest waren. Auch ich beschäftige mich viel mit den aktuellen Trends, aber ich werde mich nie Designer nennen. Na, vielleicht ja doch.

Wer eng mit Entwicklern zusammenarbeitet und ihre logische Denkweise kennt, kommt mit dem Programm ganz gut klar. Die größte Hürde waren für mich die neuen Begriffe der Animationswelt. Meine ersten Berührungen mit dem Thema waren beim Buch vom Val Head zum Thema. Das empfiehlt sich sicher, vorher die Animationsmuster zu überlegen und auch zu wissen, welche Animation welchen Effekt auf den Nutzer hat.

Origami ist mir zu kompliziert – was kann ich tun?

Der Einstieg ist bei Axure einfacher, aber man braucht dafür auch einen Tag, um das zu verstehen, wie das alles gedacht ist. DAs Gute ist, dass die Anbieter inzwischen die Power von Video-Tutorials entdeckt haben. Zwar ist der Sprecher meist nicht besonders inspririerend, aber ich kann das Video an der Stelle anhalten, an der ich etwas nicht verstehe und immer wieder zurückspulen. Das ist etwas, was auch der beste Erklärtext nicht kann. Mein Tipp ist Keynote für Mac-Nutzer. Auch damit habe ich schon Prototypen gemacht. Die Animationen, die Apple dem Programm spendiert hat, sind zu viel für Präsentationen. Aber für animierte Microinteraktionen sind sie perfekt.

Woher kommt der Chatbot-Hype? Gedanken vom Vocer Innovation Day 2016

Chatbots, the new frontier.

Seit 1997 entwickle ich journalistische Produkte im Netz, erst als Journalist für den Desktop. Später als Produktmanager, seit 2011 auch Responsive Design für die mittlerweile mobile Mehrheit. All diese Dinge, die ich in dieser Zeit gelernt habe, sind bei dem Thema „Sprache als nächstes User Interface“ nur bedingt zu gebrauchen. Klar, man braucht immer noch Klarheit in der Sprache und in der Nutzerführung.

Sprache als User Interface

Das ist ein großes Thema, ich möchte mich heute um die geschriebene Sprache kümmern. Wo kommt Sprache zum Einsatz in neuen Kontexten? Ich schreibe einem Messenger-Kontakt, dass ich News zu einem bestimmten Thema erhalten möchte, etwa zum Transfermarkt in der Fußball-Bundesliga, und die unermüdliche Maschine schickt mir fortan Links zu diesem Texten. Das ist ein anderer Umgang mit Sprache als der, wenn ich Dinge in die Google-Suche tippe. Aber wir können hier wohl an der Phrasierung, die SEOs aus den umgangssprachlichen Fragen herausgezogen haben, etwas lernen. „Was ist xx yyy?“ ist ein beliebter Suchterminus.

Erst in der Session beim Vocer Innovation Day 2016 habe ich verstanden, warum die Medienhäuser so wild sind auf diese neue Möglichkeit, viel Engagement in die Beziehung mit den Nutzern zu bringen. Das versuche ich mal zu erklären:

no filter, just me

Messenger enthalten immer noch alle Nachrichten, die mir meine Kontakte senden. Es gibt keinen Filter, eine algorithmische Auswahl von Posts, die ich in meinem Feed sehe. Das ist ganz anders als im zentralen Produkt der Social Media-Riesen Facebook, Twitter, Instagram. Da wird gefiltert. Nutzer sehen kaum zehn Prozent aller Nachrichten im Newsfeed bei Facebook, als Beispiel.

Der Nutzer bekommt die volle Ladung mediale Beschallung. Messenger sind die neuen Push-Nachrichten aus Apps. Nein, sie sind sogar eine Neuauflage einer neuen Welle an Push-Nachrichten aus Apps, und zwar aus Apps, in denen wir die Push-Nachrichten nicht abbestellen.

Kein Filter. Das müssen wir einmal sacken lassen. Der volle Durchgriff. Als Medium kann ich wieder senden. Ich glaube, das ist der Appeal, den die Medienhäuser, die etwa auf den Chatbot von Spectrm setzen. Das hatte ich vor der tollen Session mit Martin Hoffmann von Resi und Bastian Pech von Spectrm noch nicht verinnerlicht. Ich habe mich bisher oberflächlich mit der Frage beschäftigt, ob die Sites, die wir bei TargetVideo betreiben, gute Lieferanten von Chatbot-Futter wären. Da war meine Antwort nein. Nach der Session sieht die Antwort anders aus. Ich habe ein paar Ideen, die ich ohne den Besuch in Hamburg nicht gehabt hätte. Dafür hat sich die Reise schon gelohnt, auch wenn ich das vor dem Businesstrip nicht wusste.

Diese Art, die Chatbots zu benutzen, als Breitseite aufs ganze Publikum, wird sich schnell totlaufen. Auch Spectrm ist schlauer als das. Die gut funktionierenden Bots richten sich an eine eng begrenzte Zielgruppe, etwa Fans von Werder Bremen, die an Transfermeldungen ihrer Mannschaft interessiert sind. So funktioniert nämlich das Onboarding bei dem ersten deutschen Bot, dem Transferticker von Bild und Spectrm. Damit ist Spectrm auch auf der Entwickler-Konferenz F8 von Facebook aufgetreten.

Auch ein Chatbot muss einen Mehrwert bieten

Die Frage an Produktmacher in journalistischen Umfeldern muss jetzt lauten: Wie kann man die Bots gestalten, dass sie dem Nutzer dauerhaft einen Mehrwert bringen? Der Churn muss ja niedrig bleiben. Nur ein dauerhaft aktiver Nutzer ist ein guter Nutzer. Ich glaube, wir werden hier genauso Dinge lernen über Personalisierung wie es die App-Betreiber schon in den letzten Jahren auf den mobilen Betriebssystemen getan haben. Die Masse aus Massenpublikum gibt es nicht. Wir sind alle individuell. Und das Adressieren dieser Individualität wird der Schlüssel sein, damit Nutzer nicht nur ein paar Messages, sondern mehrere Monate oder sogar noch länger abonniert bleiben.

Der Inhalt vertieft die Beziehung zwischen dem Medium und dem Individuum. Der Chatbot in einem Messenger wird zur Chance für die Medien, wirklich ein Individuum zu erreichen, nicht nur eine Persona. Das finde ich eine hochspannende neue Fragestellung.

Das ist der Adressierung von Newslettern im E-Commerce-Bereich nicht unähnlich, wo auch personalisierte Angebote die Conversion und den Lifetime Value steigern können.

Aber es ist für journalistisch denkende Menschen neu. Alles im Journalismus zielt darauf ab, eine möglichst große Menge an Menschen zu erreichen.

Sender – Empfänger

Die Druckmaschinen, das Radio, das Fernsehen – einer an viele. Alles das Gleiche. Das Internet hat die Kommunikation von vielen an viele ermöglicht, Facebook hat es zu einer Realität für viel mehr Beteiligte gemacht.

Messenger sind vollends entbündelt und man muss sich überlegen, wie man produktseitig Themen wieder bündeln kann, um sie von den Prozessen automatisierbar und beherrschbar zu machen. Kein Nutzer wird sich seine Interessen konfigurieren, wenn das schwierig ist. RSS-Feeds und News-Aggreatoren, die so funktionieren, sind etwas für die Power-User – keine Chance auf den Massenmarkt.

Ich bin gespannt, wie lange das Fenster der Kommunikation mit den Nutzern über Chatbots offen bleibt, bevor auch wieder Social Media-Gamer wie Upworthy das Fenster mit Müll zustopfen.

Gesprochene Sprache als User Interface

Stimme als User Interface werde ich hoffentlich noch einmal besichtigen in diesem Blog. Meine ersten Erfahrungen mit Amazon Echo waren erstaunlich gut, auch wenn auch mir schon Limitierungen aufgefallen sind.