Die Lesbarkeit der Datenschutzerklärung ist eingeschränkt

Wie das bei deutschen Webseiten üblich ist, die professionell betrieben werden, haben wir gemeinsam mit unserem Anwalt eine Datenschutzerklärung formuliert. Die wird in WordPress gepflegt. Und in WordPress benutzen wir das sehr beliebte Yoast-SEO-Plugin, das ich auch nur empfehlen kann. Für Redakteure ist das sehr hilfreich, weil es Contentobjekte automatisch auf Keywords und andere SEO-Muster überprüft. 

Eine Metrik ist die Lesbarkeit – das basiert auf einem in den USA sehr verbreiteten Test. Unsere Datenschutzerklärung schneidet dabei überraschenderweise nicht so gut aus. Ok, keine Überraschung. Eher eine Jobgarantie für noch mehr Anwälte.

Datenschutz yoast seo lesbarkeit verbesserungsbedarf

Wiederentdeckt: Tripit. RIP, Tripit

Tripit gibt es noch. Das war vor ein paar Monaten, als sich meine Reisen auf einmal häuften, eine nette Entdeckung. Es war ein Throw-Back-Erlebnis. Für meine erste USA-Reise seit fast 15 Jahren war das 2008 eine gute Unterstützung. Die Informationen zu meinen Flügen und Anschlussflügen konnte ich dort vereinbaren in einem Trip. So nennt Tripit die Vereinbarung aller Reiseunterlagen in einem Ordner. Mietwagen kam da noch dazu, das Hotel und auch die Wetterinfos waren nützlich. Damals war Roaming noch teurer als früher und die Smartphones waren in der gefühlt ersten Android-Generation. Ich glaube, ich habe mit Android 1.3 angefangen.

Alles, was man tun muss, ist die Reiseunterlagen aus seinem Postfach an plans@tripit.com weiterzuleiten. Jetzt ist Google gekommen, und macht aus dem Produkt Tripit ein Feature für seine Google-Welt. Es heißt Trips und aggregiert genau diese Mails in automatisiert angelegten Reisen. Das funktioniert wie ein neues Label in Inbox, das temporär vergeben wird. Super praktisch, vor allem, wenn man die meisten Buchungen wie ich über den Google Account mache. Aber natürlich leite ich mir die Buchungen jetzt auch aus dem dienstlichen Account weiter zu GMail, damit ich das Feature nutzen kann.

Tripit, es war nett die letzten acht Jahre. Aber ich brauche dich nicht mehr. Zur Sicherheit nutze ich dich noch ein paar Reisen lang – denn Google hat noch ein paar Bugs (so werden Einfachflüge zurück in die Heimat falsch als Trips nach München erkennt), aber das wird besser werden. Genauso wie Google Assistant die User Experience von Google Now so viel nützlicher machen wird. 

I like me some Nexus: Pixel C

Seit meinem ersten Besuch auf Google I/O bin ich fest im Android-Lager. (Es gibt natürlich keinen Kampf zwischen iOS und Android, aber iOS hat genug Fans. Ich bin immer naturellbedingt für den Außenseiter. Bei allem.) Damals haben alle Besucher des Kongresses ein Nexus One geschenkt bekommen – auch um dafür Anwendungen zu entwickeln. Damals begann auch die unselige Tradition von Google, Geräte auf der Konferenz Google I/O zu verschenken. Damit wurden Freeloader ermutigt, auf die Konferenz zu gehen. Erst in jüngeren Jahren hat Google diese Praxis eingeschränkt. Und seit dieser Konferenz gehört meistens auch ein Nexus-Modell zu meiner technischen Ausstattung, die ich mit mir herumtrage.

Das Nexus One war wahrscheinlich das erste Android-Telefon, das man empfehlen konnte. Von meinem iPhone 3GS war es ein deutlicher Sprung nach vorne, in eine industriellere Materialsprache. Der weiche Babyspeck wich einer kühlen, maschinellen Linie – in charakteristischen Steel Gray. Damals bin ich sogar bei einem Stadionkonzert in Mailand auf die Kamera angesprochen worden. Die war damals ziemlich gut, verglichen mit dem gefühlten VGA-Shooter im zeitgenössischen iPhone.

Seitdem sind viele Chips den Innovationsfluss heruntergeschwommen, und gerade bei der Kamera hatte das iPhone zeitweise einen uneinholbaren Vorsprung, auch dank der Praxis des größten Android-Telefonherstellers Samsung, Apple das jeweils beste Kamera-Zeug und auch Display zu verkaufen. Erst die jüngsten Geräte von Samsung (S6, S7) brechen mit dieser Tradition. Offenbar ist Corporate Politik bei Samsung kompliziert und braucht ein paar Jahre. In meinem letzten Job in einem Konzern hatte ich alle zwei Jahre Anrecht auf das Neueste aus der mobilen Apple-Produktion. Und die meisten Kinderfotos in dieser Zeit sind mit dem iPhone entstanden. Warum sollte ich auf Bildqualität verzichten?

Aber neben dem Diensthandy hatte ich immer ein Android-Telefon. Auf dem Schreibtisch kuschelten zwei unterschiedlichen Betriebssystem, wo bei Kollegen iPhones wie Toastscheiben aufeinander gestapelt wurden (vor allem die beiden Kantigkeiten iPhone4 und 5). Hier die Reihenfolge der benutzen Geräte, in chronologischer aufsteigender Reihung

  1. Nexus One
  2. Galaxy Nexus
  3. Nexus 4
  4. Nexus 5
  5. OnePlus One
  6. Nexus 6P

Der größte Reinfall war dabei das Galaxy Nexus. Seitdem habe ich nie wieder ein Samsung-Gerät gekauft. (Meine Frau hat jetzt ein S7 bekommen, und das macht einen guten Eindruck.) Das Ding wurde immer wieder heiß und sorgte für drastisch verkürzte Erreichbarkeit an besonders wichtigen Tagen. Gerade bei Messebesuchen in Zeiten weniger Steckdosen war das unbenutzbar. Auf meiner Zugfahrt heim konnte ich mehr als einmal auch keine Musik mehr hören. Wer trägt schon einen iPod als Fallback-Gerät mit sich herum? Macht ja keiner. Also bis auf den Alt-Zivi mit dem Körpergeruchsproblem in Wagen zwei, der auch noch einen Nokia-Knochen aus der Hose operiert. Immerhin ein 4C (nicht K!)-Display, nicht bloß bernsteinfarben.

Jetzt habe ich endlich auch ein Nexus-Tablet, wie ich es nennen möchte: Direkt im Google Store gekauft, ein Pixel C. Dieses Tablet fühlt sich genauso gut wie ein iPad an. Zusammen mit der magnetischen Tastatur, die unterschiedliche Winkel zulässt, ist die Haptik sicher das Beste, was ich diesseits von Apple-Produkten erlebt habe. Es fühlt sich unkaputtbar an. Das Steel Gray meines ersten Nexus-Gerätes ist zurück. Ich hoffe, es ist ähnlich kratzunempfindlich.

Nur die Apps machen nicht überall das, was man erwartet. Ich mache gerade die ersten Schritte mit dem Gerät, alle Apps sind noch nicht mit Passwort und Accountdaten ausgestattet und in Betrieb genommen. Aber wenn Facebook mich bei Instant Articles mit angedockter Tastatur in den Porträt-Modus schickt, ist das für mich ein Zeichen. Ein Zeichen für

  • die Vernachlässigung des Formfaktors durch das Android-Betriebssystem
  • die Vernachlässigung des Formfaktors durch die Android-Entwickler

Ich kenne die Trafficzahlen nur von einer Handvoll Webseiten, aber das iPad ist das wichtigste Tablet. Das zeigen interne Zahlen genau wie Schätzungen von Gartner und Co. Der Tabletmarkt stagniert, da ist also keine Änderung in Sicht. Also würde ich als App-Entwickler auch als erstes für die iOS-Welt eine dedizierte App-Erfahrung programmieren.

Und dann kann man irgendwann an die Android-Tablets denken. Auch wenn sie überall sind, bei MediaMarkt, bei Amazon und im Aldi-Prospekt – Android-Tablets sind wie Schmuddelkinder. Sie sind Kompromisse. Wie meine ich das, wenn ich mir selbst doch auch ein Android-Tablet gekauft habe? Das iPad Pro war und ist mir einfach zu teuer. Die einzige App, die ich gern iOS abluchsen würde und zu Android transportieren möchte, ich Paper by 53. Dafür habe ich mir sogar einen passenden Stift gekauft. Mein ältester Sohn liebt das Malen mit dem Stift auf dem Display. (Ich glaube, weil er filzstiftartig malen kann damit, ohne die bei echten Farben unvermeidlichen Farbflecken an den Fingern.)

Das Pixel-Gerät hat sich mittlerweile nicht als das bisher letzte Nexus-Gerät entpuppt, sondern als erstes Pixel. Nexus gibt es nicht mehr. Google hat seinen Twitter-Account mit dem Namen Nexus eingemottet. Fortan soll es die Marke nicht mehr geben. Nexus ist tot, es lebe Pixel.

Mythos: In der Cloud ist alles billiger #aws

Das ist der Teaser für einen Artikel, den ich vor einigen Monaten in meiner Leseliste sah:

Unexpected cloud computing costs cause sticker shock: „The cloud offers easy resource provisioning and flexible pricing, but there are several cloud computing costs beyond…“

(Via.)

Das wurde bestätigt, als ich im Oktober 2016 Gast auf einem AWS-Event für Verlage und Online-Publisher war. Hinter vorgehaltener Hand erzählten einige Vertreter davon, dass die ersten Tage mit AWS zu mehr Ausgaben geführt hatten, als sie geplant hatten. AWS-Accountmanager stimmten in der Lied mit ein. Diejenigen, die dem widersprachen, will ich gar nicht totschweigen – mir ist das auch nicht passiert, natürlich nicht (zwinker). 

Wie kann das passieren? Der einfachste Weg sind überdimensionierte Instanzen. Bevor man das Lastverhalten einer Anwendung noch nicht kennt, weiß man noch nicht, wie man sie sizen musste. Wir haben bei TargetVideo auch erst mal kleinere Instanzen benutzt und sind dann auf m3.medium gegangen, als wir einige Wochen lang Erfahrungswerte hatten. Als wir wussten, wir können uns auf die Grundlast verlassen, habe ich dann für diese Grundlast Reserved Instances gekauft, für 12 Monate. Drei Jahre halte ich für zu lange, da man dann nicht so gut an den nächsten Preissenkungsrunden von Amazon teilnehmen kann. Die erwarte ich nämlich, weil Azure und Google aggressiv nach Europa expandieren.

Der zweite Grund sind Testumgebungen, die nach dem Test – und das heißt oft abends und am Wochenende noch laufen. Allein durch die Anzahl der Instanzenstunden, die man hier sparen kann, sind das locker 30-50 Prozent Ersparnis. Dafür muss aber der Kostenverantwortliche, meist dürfte das der Engineering Manager sein, wissen, welche Systeme gerade was tun. Tagging ist dafür der beste Weg, und direkte Gespräche mit seinem Team. Ich weiß zu jeder Zeit, welche Instanzen laufen, mit der Ausnahme von Auto-Scaling Groups – aber da kann ich zumindest sagen, wie sie dimensioniert sind. Über die Lastspitzen hier bin ich natürlich nicht minütlich im Bilde.

Der dritte Grund sind oft ungenutzte Storages oder Datenbank. Ich habe mit einem der Cloud-Monitoring-Anbieter eine riesige RDS-Instanz gefunden, die wir uns sparen konnten. Eine dreistellige Ersparnis. Pro Monat. Auch bei großen Accounts ist das spürbar. 

Die Kosten in der Cloud laufen nur deshalb leichter davon, weil das Provisionieren schwieriger ist. Und es gibt irgendetwas an der User Experience in der Console von AWS, die den Überblick schwierig macht. In der Command Line ist der Überblick natürlich noch schwieriger. Und Manager können sich hier beweisen, mit dem richtigen Blick fürs Kostenbewusstsein. Das ist auch unsere Aufgabe, nicht nur, unser Team glücklich und produktiv zu machen.

Wie Facebook die Instant Articles nach und nach aufmöbelt

Nicht geschimpft ist nicht genug gelobt. So lautet das Credo vieler Führungskräfte. Nun gut, es ist ein nicht ausgesprochenes Credo, aber viele leben es.

Die Überarbeitung der Facebook Instant Articles-Settings ist eine Offenbarung. Vor kurzem habe ich an genau dieser Stelle noch über Facebook geschimpft. Die sind jetzt viel leichter wartbar geworden.

Lassen für einen Moment mal die Aufregung außen vor, ob Facebook nicht inzwischen einer der größten Publisher der Welt geworden ist – technisch gesehen sind die Inhalte noch immer in der Hand der Seitenbetreiber, und die Facebook Instant Articles werden von Hand von Social Media-Redakteuren oder sonstigen Mitarbeitern der Publisher freigeschaltet. Ich wollte eigentlich schon im April zu den Launchpartnern der offenen Phase bei den schnell ladenden Artikeln gehören, mit dem Startup, für das ich arbeite.

Das ist damals nicht gelungen, denn die Integration mittels eines Plugins, dass WordPress-Hersteller Automattic und Facebook gemeinsam entwickelt haben, schlug fehl. Das erzeugt einen neuen RSS-Feed, der einzig und allein den Zweck hat, die webseiteneigene Facebookseite mit den Inhalten der Seite zu versorgen. Es gab eine Kollision mit einem Seitenbuilder-Plugin namens Visual Composer, das wir benutzen. Wir haben jetzt auf das SDK umgestellt und erzeugen das selbst. Hässliches Regexen gehört auch dazu.

Aber Facebook hat letzte Woche einen neuen Design-Editor für die Articles selbst vorgestellt, und der macht das Leben etwas leichter. Zumindest, wenn man schon als Kunde von Facebook Zugriff darauf hat. Facebook rollt den in den nächsten Wochen aus. Ihn muss man sich in etwa so vorstellen wie den Customizer von WordPress. (In der Welt kenne ich mich aus, daher kommen auch meine Beispiele und Analogien aus dieser Welt.) Mit ihm kann man alle Elemente, wie Headline, Logo und Schriften anpassen, bis die Facebook Instant Articles in etwa dem Design auf der eigenen Site gleichen. (Ja, das Konzept der eigenen Seite ist ganz schön old-school, aber es ist immer noch das am besten zu monetarisierende Konzept für Onlineinhalte.)

Leider führt das jetzt zu einer Dreiteilung in der User Experience bei den Facebook Instant Articles:

  1. Die Launchkunden im geschlossenen Launch, zu denen etwa die New York Times gehört, können die Schriften benutzen, die sie wollen. Damit kann man einen 100-prozentigen Marken-Fit hinbekommen.
  2. Die Launchpartner aus dem April 2016 bekommen alle Möglichkeiten der Schriftgestaltung, solange sie mit zwei Schriften (einer serifenlosen, Helvetica Neue, und eine Serifenschrift, Georgia) und verschiedenen Schriftschnitten davon hinkommen.
  3. Neue Partner, die jetzt erstmal ihre Artikel konfigurieren, bekommen fünf Schriftarten angeboten, die schon ein breiteres Spektrum abdecken. Klar, dass Facebook hier nicht direkt auf Google Fonts zurückgreifen wollte, die wahrscheinlich das am besten bekannte Angebot an kostenlosen Webfonts darstellen. Und im Dropdown-User Interface kann man auch kaum mehr Schriften anbieten. Aber ein bisschen mehr Varianz wäre schön gewesen.

Normalen Nutzern dürfte das nicht einmal auffallen, aber mich interessieren Schriften mehr als es mir gut tut, das zeigt sich auch an mehreren Artikeln übers Thema, die ich hier bereits verfasst habe.

Ich bin ein Kopfhörer-Spießer

Warum ich mir Noise-Cancelling-Kopfhörer gekauft habe, habe ich an dieser Stelle schon erzählt. Manchmal muss ich mich gegenüber meiner Umwelt abschotten. Zu anderen Zeiten reicht meine Konzentrationsfähigkeit aus. Meistens ist es mir zu blöd, auch in der U-Bahn die Abschottung durchzuziehen. Ich fahre nur drei Haltestellen weit. Es sei denn, es ist draußen so kalt, dass der Kopfhörer auch ganz gut als Mütze taugt. Denn wenn mir mal kalt wird, friere ich Füßen und Ohren. Bei den Extremitäten kann mir Onkel Bose nicht weiterhelfen, aber bei den Ohren schon.

Nun kann sich aber nicht jeder die Bose-Kopfhörer leisten, und ein paar Arme, die es könnten, kaufen sich für das gleiche Geld lieber Beats-Kopfhörer, bei denen der Klang ja viel schlechter sein soll. Daher ist die Standardausrüstung der meisten ÖPNV-Abonnenten, die sich auch abschotten wollen oder einfach nur Musik hören wollen, das Set, das mit dem Smartphone kam. Das ist oftmals weiß, denn sowohl Samsung wie vor allem Apple legen ihren Telefonen weiße Kopfhörer bei.

Die weißen Earpods von Apple sind so ikonisch geworden in den letzten zehn Jahren, dass ich wahrscheinlich wenig darüber verraten muss. Auch wenn jetzt bei der neuesten Generation, die man als Zubehör kaufen kann, die Kabel entfallen sind: Diese Art der Ohrstöpsel gibt immer noch sehr viel Musik nach außen aus.

Nicht nur weil München eine Stadt der elektronischen Musik ist: Das ist für die Mitreisenden nicht immer erfreulich. Hiphop am Morgen macht Kummer und Sorgen. Jo, Digger. Ich brauche das nicht auf nüchternen Magen, und Lautstärke 11 gehört in den Club. Da finde ich es ganz praktisch – eigentlich , dass es sowohl in iOS wie auch Android es Warnungen gibt, wenn man zu laut Musik hört. Die werden aber natürlich ignoriert.

Am liebsten würde ich also die Musik leiser drehen bei meinen Mitfahrern. Was mich endgültig zu einem Spießer macht. Ich glaube, ich finde das erste Mal das Video eines ÖPNV-Betreibers lustig: Die MVG lassen das Münchener Kindl auch das Thema angehen.

Login oder Registrieren: mir egal

Wenn ich eine neue Software in einer Web-Anwendung ausprobiere, weiß ich nicht immer, nicht als stolzer Anwender eines Passwortmanagers, dass ich die Software schon einmal gesehen haben. Wenn mich dann der Button Login oder Registrieren begrüßt, ist das zwar eine feine semantische Unterstützung. Aber wie wäre es, wenn ich einfach mal Mail und Passwortfeld präsentiert bekomme? Dann kann ich aus dem Passwortmanager (bei mir 1Password) das entsprechende Login herausziehen.

Wenn nicht, benutze ich das gleiche Programm zum Erstellen eines sicheren Passworts. Es macht mir das Leben einfacher. Es muss dem Nutzer egal sein, ob schon ein Account vorhanden ist. Es senkt für den Anwender die Schwelle, sich tatsächlich zu registrieren. Das scheint für mich, ohne die Zahlen zu kennen, eine entscheidende Verbesserung für die Öffnung des Trichters im Conversion-Prozess zu sein. Oder denke ich da falsch?

Ja, Passwortmanager sind nicht Standard.

(Insofern ist das ein Edge Case. Aber AdBlocker waren auch lange ein Edge Case und sind es heute nicht mehr, sondern eine nicht zu vernachlässigende Zielgruppe. Auf IT-lastigen Seiten sollten sie in der Mehrheit sein.)

Aber wenn du ein Anbieter für ein erklärungsbedürftiges, IT-lastiges Produkt bist, solltest du davon ausgehen, dass ein großer Anteil deiner Nutzer Passwortmanager nutzt.

Azure, und du bist raus

Die Cloud ist die Zukunft. Alles ist in der Cloud. Unsere Server bei TargetVideo auch, bis auf den mit den Mails und den mit unseren Videos. Und weil man nicht alle Eier in einem Korb haben sollte, habe ich mir auch etwas ausführlicher Azure ansehen wollen, den wohl zweitgrößten Cloud-Computing-Service der Welt. Google hat mehrere falsche Weichenstellungen getroffen, daher ist zwar die Cloud-Power da, aber im Wesentlichen nur für Google im Einsatz. Amazon ist angeblich zehn mal so groß wie die 14 nächsten auf der Liste.

Einige Dinge an Azure haben mir gut gefallen, die Azure Media Services etwa, oder wie auch immer die gerade heißen. Microsoft hat viele Schwächen abgelegt unter dem neuen CEO Nadella, die mit ihrem schlimmen Ruf, was das Branding und Marketing ihrer Produkte angeht, jedenfalls nicht.

Ich habe keine Kreditkarte hinterlegt bei Azure, weil ich viel ausprobieren wollte, aber nicht gleich eine Rechnung bekommen. Dann läuft der Account bereits nach einem Monat wieder aus. Inzwischen habe ich ihn wieder reaktiviert, aber das ist einfach eine sehr kurze Zeit, um eine neue Software wirklich in Betrieb zu nehmen. Und eine Kreditkarte habe ich jetzt auch hinterlegt. Das wird mir also nicht wieder passieren.

Gib deiner 404-Seite Persönlichkeit

Es gibt eine Zeit im Lebenszyklus einer Website, an dem der Fehlerseite für den Statuscode 404 besondere Bedeutung zukommt: am Tag nach dem Relaunch. Oder wenn die Website noch in großen Releases erneuert wird: am Tag nach dem Release. Die Grundregel lautet: Es kann immer etwas schiefgehen, und wo etwas schiefgehen kann, geht es auch auf unerwartete Weise schief.

Das passiert auch den ganz Großen: Spotify hat vor kurzem ein neues Produkt für seine Werbekunden vorgestellt. Und aus irgendwelchen Gründen führte der Link, den ich aus meinem Feedreader ansteuerte, in die Leere. Aber bei Spotify hat sich jemand Gedanken gemacht, wie man mit diesem Fall umgeht. Ein lustiges Motiv, und ein paar Links werden angeboten. Ich denke, Spotify hätte das noch weiter personalisieren können – also, falls man mich schon kennt, weil ich in der Web-App eingeloggt bin, sollte man mir meine Lieblingstitel anzeigen. Aber das gäbe nur das plus hinter der 1, die sich der Streamingdienst verdient hat.

Fehler passieren, daher bin ich immer dafür, für erwartbare Fehler Schadensbegrenzung zu betreiben. Natürlich ist es noch besser, wenn nie ein Nutzer je eine 404er Seite zu Gesicht bekommt. Aber es passiert. Und dann sollte auch diese Fehlerseite zur Identität der Marke passen. Eine Serverfehlermeldung ist etwas das Allerschlimmste.

Bei ProSieben habe ich bei einem Relaunch besonderes Gewicht darauf gelegt, dass wir eine markenaffine 404er Seite gestalten. Und fast noch wichtiger: dass die auch zum Relaunch-Tag fertig ist. (Ja, heute macht man so große Relaunches nicht mehr, aber manchmal ist es einfacher, das Team auf das große Projekt zu verpflichten als auf einen Prozess der kontinuierlichen Verbesserung am Produkt.) Glücklicherweise war das ein sehr erfahrenes Team, und die wollten die Seite auch haben. Die Gründe sind nämlich mannigfaltig, warum an den Tagen nach einem Release die Fehlerseite weit mehr Traffic erhält als üblich.

  • Kampagne mit falscher URL ist gestartet
  • Kampagnenparameter werden falsch übergeben
  • Launchpartner hat noch Links aufs Testsystem im Livesystem gelassen
  • URL-Struktur hat sich geändert, und die SEO-Verantwortlichen haben ein paar Seiten übersehen
  • 301er-Server ist überlastet
  • und
  • und 
  • und.
Die gleichen Probleme kann man sich natürlich auch bei Releases einhandeln. Wenn auch meist nur in eng umgrenztem Maßstab. Da hilft es, sich bei der Planung der Releases Gedanken zu machen, was alles kaputt gehen könnte. In eingespielten Teams hat man das in einem Review schnell beisammen.
Die Seite sollte auch regelmäßig gepflegt werden. Einmal im Jahr einfach auf die Seite gehen, passt das noch? Sind die Gesichter, die auf der 404-Fehlerseite für meine Marke stehen, noch für das Unternehmen tätig? Habe ich vielleicht etwas Jahreszeitliches verwendet, was in höheren Zyklen ausgetauscht werden muss? Hier helfen Serientermine im Kalender, oder Aufgaben im Backlog oder der Aufgabenverwaltung weiter.

Absichtserklärung

Wenn ich mal groß bin, werde ich meine Erfahrungen mit Relaunches zusammenfassen. Da könnte ich nämlich ein Buch darüber schreiben. Bisher habe ich es nur zu Konferenzen zum Thema geschafft.

Unbundling und Nischen als Herausforderung für General Interest-Brands

Die alten Medienmarken sind breit. Eine Tageszeitung berichtet in verschiedenen Ressorts, und als Kunde muss ich alle Ressorts bezahlen. Auch wenn ich mich zum Beispiel für Sport nicht interessiere (das ist das Beispiel, dass Journalismus-Professor Jeff Jarvis immer bringt.) Bei mir hält sich das Interesse am überregionalen Mantel einer Regionalzeitung in Grenzen. Erstens steht mir die lokale Monopolzeitung politisch eher fern, und dann kommt viel von Agenturen oder von zweitklassigen Autoren. Wer einmal die Süddeutsche Zeitung oder die Washington Post im Abonnement hatte, kommt mit den Käseblättern nicht klar. Äh, Regionalzeitungen.

Sie glauben doch nicht, dass auf der Seite 3 des Lokalteils noch Qualitätsjournalismus stattfindet.
Prof. Dr. Hans Bohrmann, ungefähr 2001 (aus Erinnerung zitiert)

Das Unbundling ist eine der Herausforderungen für die alten Medien. Ihre ordnende Rolle wird nicht mehr gebraucht. Das Internet macht jede Nische adressierbar und organisiert ihre Mitglieder dementsprechend.

Das merken auch die neuen Marken des Journalismus, die digital-only Player, wenn sie sich zu General Interest-Angeboten entwickeln. Als Buzzfeed und Vice noch kleine Teams hatten und keine General Interest-Seiten waren, reichte eine Marke. Buzzfeed stand für alles, Vice stand für alles außer Standard.

Aber das differenziert sich aus. Tasty und Motherboard sind entstanden. Auch bei Facebook performt eine Fanpage zu einem speziellen Thema, sagen wir mal „vegan Kochen“ besser als eine allgemeine „Kochen“-Seite. Das merken wir sogar im Kleinen bei TargetVideo, aber die Großen haben daraus natürlich eine Strategie gemacht und betreiben oftmals mehrere dutzend Seiten, weil Facebook höhere Klickraten (die man durch Homogenität in der Zielgruppe und in der Themenwahl bekommt) mit mehr Reichweite belohnt.

Konkretes Learning, sogar (oder gerade?) bei einem Startup: Deswegen planen wir in unserem Handbuch für die Umsetzung neuer Projekte seit neuestem auch mit mehreren Facebook-Seiten, wenn das Projekt sich für mehrere thematisch abgegrenzte Gebiete eignet mit mehreren Zielgruppen.