Konferenzbesuche, erste Male: IBC, 2016

Dass ich Tulpen mitbringen werde, ist nicht so klar. Jeder Redakteur, der sein Geld wert ist, hätte mir diesen Satz gestrichen. (Wo sich Blogger und Journalisten unterscheiden. Blogger sind die ohne redigierenden Redakteur.) IBC ist für die TV-Branche und das Radiogeschäft das, was die IAA oder der Genfer Salon für die Autowelt sind: Nabel der Welt für die Zeit, in der sie stattfindet.

Prospekte werden auch aus Tulpen gemacht, oder? Dann bringe ich verwandelte und für die Ewigkeit wie Ikea-Pakete flach gefaltete Tulpen mit. Und viele gute Gespräche. Denn darum geht es bei Messebesuchen doch: eine persönliche Verbindung zu einem aktuellen oder einem künftigen Lieferanten oder Partner herstellen, dem Kontakt vom Telefon oder vom E-Mail-Verkehr mal ein Gesicht verpassen können. 

So habe ich tatsächlich dem CTO für das Produkt, das wir bei TargetVideo für die Verwaltung unserer Video-Assets mal die Hand schütteln können und dem Account Manager unsere Featurewünsche nennen können. Eine schöne, direkte Erfahrung, die hoffentlich viele Kunden mit ihren Vendoren auf der Messe haben machen können.

VR

Wer sich die Trends der Messe ansieht, wie man das auch als guter Messeberichterstatter macht, sieht, dass die meisten Prognosen etwa dieses Anbieters vom Anfang des Jahres eintreffen.

VR will take off for real. 2016 will not be the year of VR, but hype or not, VR is here to stay in one form or another.

Mir wird immer noch speiübel von dem Zeug, egal, ob es Oculus Rift oder Ozo oder sonst noch etwas ist. Ich bin der Edge Case. Außerdem war ich von der Pixeligkeit der Darstellung nicht besonders begeistert. Meine Brille beschlug in der Kombination von Transpiration, Konzentration und engem VR-Helm. Auch scheint mein Kopf (65er Umfang, nein, kein Wasserkopf) ein bisschen zu groß zu sein für die klassischen Maße der Hardwarehersteller. 

Ich will es gut finden, diese Virtual Reality, schon seit meinem Besuch in einem Fraunhofer(?)-Labor im Studium, Ende der neunziger Jahre. Aber so ganz den Durchbruch habe ich da noch nicht geschafft. Es wird aber passieren.

Drohnen

Wahrscheinlich viel praktischer, und auch für den Journalismus besser monetarisierbar: der Einsatz von Drohnen für Dreharbeiten. Ich glaube, Drohnen sind die neuen Webcams. Ohne sie wird in Zukunft kein Unternehmensvideo, keine Tourismusverband mehr auskommen. Transparenz herstellen kann man damit wunderbar – und sie kosten nicht viel. Spannende Ankündigungen wie die von DJI oder GoPro kamen erst nach der Messe, aber wer hier auf dem Laufenden bleibt, hat sicher volle Auftragsbücher.

Kino kämpft

3D kam und normalisierte sich. Jetzt ist mit Dolby Atmos, 120 Bildern pro Sekunde und Laserprojektion ein neues Technikrennen im Gang, um Kino noch großartiger zu machen, als es ist. Eine Sondervorführung von „The Revenant“ hat mir gezeigt, wie toll Kino sein kann. Leider ist das Lichtjahre und mehrere Stufen in der Projektorhelligkeit in real existierenden Multiplexkinos entfernt. 

In eigener Sache

Ich hätte damals doch zu den Pfadfindern gehen sollen. Auf ein paar Tischen im Meetingbereich wird das WLAN-Passwort verraten. Leider habe ich die aber trotz mehrerer Runden über die Messe erst eine Stunde vor der Abreise gefunden. Meine Kollegen haben daher die Mails erst abends bekommen. Und mein Smartphone hielt, anders als auf den meisten anderen Messen oder Konferenz, akkumäßig den ganzen Tag durch. Kein WLAN, kein Roaming. Hach.

Wie ich eine Story über einen Vater-Sohn-Trip las, und dann machte es Klick

Identität, Zugehörigkeit. Das sind Themen, mit denen ich mich seit meiner Pubertät beschäftigt habe. Wer bin ich, und wenn ja, wie viele Rollen spiele ich? Auch wenn ich das Buch von Erfolgsphilosoph Richard Precht nicht gelesen habe, das Thema bewegt mich. In der Schule fühlte ich mich oft allein, erst im Studium fand ich Freunde, die so waren wie ich. Einen davon durfte ich vor kurzem als Trauzeuge begleiten. 20 Jahre später.

Das berührte mich, als ich das Porträt eines Modeverrückten durch seinen Vater las. Von allen Orten ausgerechnet bei GQ. Kaum irgendwo sonst fühle ich mich mentalitätsmäßig weniger daheim, zumindest bei der deutschen GQ. Die amerikanische hat auch mal große Geschichten. Sein liebenswertes Stück schließt mit folgendem Dialog:

My Son, The Prince Of Fashion | GQ: „‘You were with your people. You found them,’ I said.

He nodded.

‘That’s good,’ I said. ‘You’re early.’“

(Via.)

Natürlich ist das kalkulierte Werbung für seinen neuen Roman. Michael Chabon hat eins meiner Lieblingsbücher geschrieben, das mittlerweile auch schon 15 Jahre alt ist. Egal. Es ist eine tolle Liebeserklärung an seinen Sohn, und auch eine gute Zusammenfassung des Erwachsenwerdens – was eines von Chabons Themen ist. Wonder Boys, einer der besten Filme der Jahrtausendwende, erzählt auch von Wunderkindern – ehemaligen und angehenden. Kongenial von Curtis Hanson verfilmt. 

Produkte, die ich nutze (4): UE Boom

Auf der Fahrt in den Sommerurlaub kommt sie wieder richtig ins Schwitzen, die kleine schwarze Röhre, die mit einem Zugband am Fahrersitz befestigt ist: der Bluetooth-Lautsprecher UE Boom. Das ist eine (etwas coolere) Nebenmarke von Logitech, unter der der Maushersteller Audio-Equipment auf den Markt bringt. Für uns ist das eine autarke Ergänzung izum CD-Player im Auto. Denn welcher Fahrer möchtest schon bei langen Autobahnfahrten die ganze Zeit die Eiskönigin hören. Das schöne an dem mobilen Lautsprecher ist: Der Ton wird nach hinten abgegeben, damit sind die kleinen Beifahrer auf der Rückbank zufrieden und der Fahrer kann sich auf die Autobahn konzentrieren. Das ist besonders dann eine große Errungenschaft wenn es urlaubsüblich in den Stop-and-go-Verkehr geht.

Inzwischen gibt es das Modell, das wir im Auto hängen haben in einer neueren Ausgabe, aber das ändert nichts daran, dass man sich in einer Kategorie befindet, die man eher von den nervigen Jugendlichen im Freibad kennt. Dennoch ist sie sehr sinnvoll. Auf alle Fälle ist das etwa 100 Euro teure Gadget um ein Vielfaches günstiger als das Update auf das teurere Automodell, dass die Lautsprecher unterschiedlich ansteuern kann. Vorne Beethoven, hinten Bieber.

15 Stunden lang hält der Akku, sagt der Hersteller. Nach unserer Erfahrung reicht der länger. Und so lange ist bisher keine unsere Autofahrten gewesen. Wenn man den wieder auf dem Hotelzimmer auflädt, kommt man damit auch bequem wieder nach Hause. Im Alltagsbetrieb oder am Wochenende ist überhaupt kein Schwächerwerden des Akkus zu beobachten.

Alles in allem ein toller Kauf.

Ich bin bloß froh, dass der kleine Lautsprecher kein eigenes Audio-Profil von unserem Musikgeschmack anlegt – anders als dass die Zuspiel-App Spotify zum Beispiel macht, sonst würde ich mir an dieser Stelle noch ein digitales Stirnrunzeln vorstellen wollen. Ein Hoch auf die Profile von Netflix an dieser Stelle mal wieder.

Kleine Details: Facebook kann nur bis 99 zählen

Meine Mutter ist auch bei Facebook. Und sie hat die nervigen Facebook-Mails, die dich über Interaktionen benachrichtigen, noch nicht abbestellt. Dabei ist mir aufgefallen, dass Facebook nur bis 99 zählt. Das ist so ähnlich wie die Notifications im Web-Interface. Wenn man Seiten-Admin ist, kennt man das: Wer viel Feedback auf seine Fanpage erhält, sieht auch nur die 99 als roter Blase.

Und so hat sie die Notifications mit zunehmender Zahl und für mich zunehmend wirkender Bedrohlichkeit bekommen. 1, 2, 51, 52, 99. 99. 99. Fehlt eigentlich nur bei so viel Zahlenmystik, dass Facebook die 13 überspringt.

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Filmkritik: The Revenant

Es war schon ein Kritiker da, der all das an „The Revenant“ kritisiert hat, was ich auch kritisieren will. Aber das hindert mich natürlich nicht daran, das Internet mit meiner Sichtweise vollzuschreiben. Auf Deutsch habe ich es nicht gefunden. Deswegen mache ich das jetzt hier. Achtung: Spoiler. Wer „The Revenant“ noch vorurteilsfrei lesen will, sollte jetzt aufhören.

Was passiert in „The Revenant“?

Die Geschichte ist bekannt: Mann ist mit seinem Halbblut-Sohn mit Fellhändlergruppe unterwegs. Dabei wird er von Bär schwer verletzt. Die Gruppe lässt ihn zurück, zum Sterben in der Wildnis. Der Rädelsführer tötet seinen Sohn. Mann überlebt, wider alle Wahrscheinlichkeit, um Rache zu nehmen. Er nimmt Rache, findet Frieden. Abspann.

Man kann das noch kürzer zusammenfassen, in einem Haiku, das mir während des Kinobesuches eingefallen ist:

You Came All the Way
Just to revenge your son?
That’s The Revenant

(Ist MoviesAsHaikus.com noch frei? Muss mal einen Domainblogger fragen. Im Ernst: http://reviewinhaiku.com/ gibt es bereits. Und eine Kritik zu The Revenant auch: http://reviewinhaiku.com/post/140124541085/the-revenant)

Bear of a Movie
Attacking Leo’s senses
Visually stunning

Ich glaube, Tom Hardy muss den Satz sagen „You came all the way just to kill me?“ Da habe ich mich inspirieren lassen.

Sprache ist nicht so wichtig in modernen Filmen, darüber habe ich vor kurzem mal was geschrieben. Hier macht das Sinn – die Männer sind eh Eigenbrötler, und der wichtigste von ihnen ist auch noch lebensgefährlich verletzt und meistens allein. Selten habe ich mich in einem Film so über die Untertitel gefreut. Das ist immer dann der Fall, wenn Ureinwohner oder Franzosen sprechen. Die sind erfreulicherweise nicht eingeenglischt. Die Darsteller versteht man als Nicht-Muttersprachler wie ich teilweise nicht. Auf DiCaprio konnte ich mich noch einhören, auf Hardy nicht. Also unbedingt Untertitel auf der Blu-Ray anmachen. DiCaprio spielt wirklich toll, auch wenn er immer den Leidenden, aber Starken geben muss – das hat man schon nuancierter gesehen. Mein Lieblingsfilm mit ihm ist wohl „Catch Me If You Can“, glaube ich. Auch einer meiner Lieblings-Spielbergs.

Die Bilder sind aber so schön

Selten sieht ein Film auf der großen Leinwand so toll aus wie „The Revenant“. Oscar-Dauergewinner Name einfügen Emmanuel Lubezki hat den gedreht. Viel kennt man schon von seiner Arbeit für Malick. Manchmal scheint der sehr durch, vor allem beim visuellen Element 1. Aber der Reihe nach. Der Film hat im Grunde vier Elemente, die seine Bildebene bestimmen:

  1. Schnittbilder von grandioser Schönheit, die den Winter, die Kälte, die Schönheit, Natur, Wolken, Berge zeigen. So bin ich auch auf das Beitragsbild gekommen, das diesen Post illustriert. Es ist kein Material aus dem Film, sondern ein Stockbild, das ich bei Unsplash gefunden habe. Aber es könnte eins. Majestätisch, kalt, distanziert. All das ist „The Revenant“ nämlich. Eine Modenschau des visuellen Süßkrams. Schnittbilder ist natürlich untertrieben, es sind Vignetten oder Bilder wie bei Instagram, die mit der Wirklichkeit nix zu tun haben.
  2. Kampf, mit Schusswaffen, Messern, Pfeilen, Krallen – bis zum Tod, zwischen Mann und Mann, weißem Mann und rotem Mann, Mann und Tier.
  3. Wanderungen, zu Fuß, zu Pferd, auf den Händen. The Revenant ist Mad Max in dem Sinne nicht unähnlich, dass er vorantreibt. Immer weiter. Hugh Glass will nicht sterben.
  4. Digitale und andere Effekte: Der Bär, der DiCaprio angreift, ist natürlich kein echter. Und als es dem Mann einmal besonders kalt wird, krabbelt er in ein Pferd, das getötet wurde, um sich an dessen warmen Eingeweiden zu wärmen. Schauspielern ist ein Full-Contact-Sport. Nur dann bekommt man den Oscar, so scheint es.

Der Film nimmt sich so ernst, dass man unwillkürlich lachen muss. Das haben zumindest einige in der Vorstellung mit Brancheninsidern aus der Videotechnikindustrie getan – und die haben schon einiges gesehen, nehme ich mal an. Ich habe mich aufs Augenrollen beschränkt, kann sein, dass ich mir das vom guten alten Oer-Erkenschwicker Eisdielenfan abgeschaut habe.

Alles an dem Film schreit: Schaut her, wie toll ich bin. Er zeigt, was er hat. Wenn er ein Mann wäre, dann ein eingeöltes Sixpack, oder was man so macht. Keine Angst, Leo zieht auch mal sein Hemd aus, und zeigt ein bisschen Oberkörper. Wenn auch durch Narben verunstaltet.

Vieles ist aber durchsichtig und fällt dem geübten Zuschauer auf – ich hatte Zeit, eine Menge mentaler Notizen zu machen. Mehr als an einem hervorragenden Film, da muss man hinterher dekonstruieren mit einem filmwissenschaftlichen Blick. Es ist ein ganz herausragend polierter Monumentalfilm in der Schule alter Klassiker, mit auf alt getrimmten Teilen und vielen neuen Elementen, über die in der Berichterstattung drübergegangen wurde. Denn die Zahl der Spezial-Effekte dürfte bei dem Film, der so naturalistisch sein will, erheblich sein. Das geht gleich mit den Pfeilen in der ersten Szene, einem Angriff auf ein Lager der Fellhändler/-schmuggler los. Da sterben gleich mal 30 Männer. Und Tiere auch – und wie viele Tiere in dem Film sterben.

Ein paar Momente, wo ich mich sehr gewundert habe, weil sie einen ganz leichten Blick hinter die Kulissen des Filmemachens erlauben:

  • Da krabbeln Statisten so durchs Bild, dass sie in der Kameraaufnahme bleiben, obwohl es sinnvoller wäre, in die andere Richtung zu flüchten.
  • Im Winter bleibt eine Tür offen stehen, damit der Kameramann dramatisches Licht hat
  • Die Heli-Kamera oder Kabel-Kam ist wohl ein Drohne. Wie bei der Herr der Ringe wird Leo ganz allein in der Wildnis gezeigt. Auf einem zugefrorenen See, vor majestätischen Bergen. Zu dramatischer Musik
  • Die Lightbox „seltsame Aufnahmen von Bäumen im Wald“ aus Adobe Stock oder einem anderen Video-Stock-Anbieter wird komplett leer gespielt. Zur Mitte des Filmes hatte ich die Aufnahmen von Baumstämmen im Gegenlicht satt. Noch eine, und ich hätte in den Popcorn-Eimer erbrochen. Übrigens: nix trinken oder essen während des Films – sonst kommt man wirklich in Versuchung, den Eimer zu gebrauchen.

Finanznachrichten.de hat das lustigste Impressum, das ich kenne

So kann man auch von Anrufen abhalten:

Impressum | AGB | Disclaimer: „Telefon: Null Null Einundvierzig – Vierundvierzig – Sechshundertdreiundachtzig Elf Null Eins, Fax: Null Null Einundvierzig – Vierundvierzig – Sechshundertdreiundachtzig Elf Null Zwei (Es gibt kein Interesse an Anrufen oder Faxen – bitte vereinfachen Sie doch allen das Leben und schicken Sie doch einfach ein E-Mail direkt an den zuständigen Ansprechpartner!)“

(Via.)

Wer hat’s erfunden? Die Schweizer waren’s. 

Wie auch du eine bessere Führungskraft werden kannst

Für die Impulse aus dem Umfeld von Basecamp bin ich immer dankbar. Dort wird aus meiner Sicht frisch und ohne die üblichen Corporate-Social-Accountability-Floskeln über Personalarbeit und Führung nachgedacht. Ich habe das in den letzten Jahren auch getan. Und gute Führung kommt, wie echte Schönheit, von innen.

Ein Schlüsselerlebnis im Sinne von „Ja, das kenne ich auch“ hatte ich bei diesem Auszug aus einem Blogpost, der bei Signal v. Noise, der Gedankenplattform von Basecamp veröffentlicht wurde:

The power of positive intent — Signal v. Noise: „‘You’re getting defensive.’ Throughout my life, I’ve heard this quite often. Getting defensive is my greatest personal weakness. It’s a terrible habit of mine that I’ve been aggressively working to counteract, especially in the last few years.“

(Via.)

Diese Verteidigungshaltung kennen wir alle, heute will ich mal von meiner sprechen. Ich habe einen Gedanken, führe den Ball wie ein Quarterback und dann kommt jemand daher und will dir die Beine wegziehen. So fühle ich mich manchmal, wenn Kritik oder Verbesserungsvorschläge auf mich stoßen. Auf alle Fälle will der Kritiker den Pass des Quarterbacks verhindern. Warum? Weil er in der anderen Mannschaft ist. 

Kritik an einer Idee kommt aber nicht von der gegnerischen Mannschaft, sondern von der eigenen. Das muss man sich vor Augen halten. Immer wieder. Das ist schwer, aber machbar. Denn es gibt keine Konkurrenz zwischen Gedanken, nur den besseren. Und der kann von einem ganz normalen Mitarbeiter nur dann kommen, wenn er sich traut, den auszusprechen. Ohne Angst führen ist aber schwer, und auch nicht immer wünschenswert. Manche Mitarbeiter kann man mit Angst besser führen.

Claire Lew gibt den entscheidenden Tipp auch noch:

When you accuse another person of bad intentions, you create defensiveness. Instead, assume good intentions, and your defensiveness goes away. That is the best way to combat defensiveness.

Dem anderen gute Absichten unterstellen – das ist eine blendende Idee. In der Verhaltenstherapie gibt es ähnliche Tipp, die darauf abzielen, die wirkliche Intention des anderen zu ergründen. Und die anderen Menschen sind viel zu desinteressiert an dir, um dir mit negativen Intentionen zu schaden. Bis auf die Bösewichte und Trolle, denen man gleich kündigen sollte als Führungskraft. 

Newsletter-Vermarktung im Stil eines Telegrafen

Jeder Buchstabe kostet, das ist der Deal bei einer (wie ich finde) kuriosen Vermarktungsidee für einen Newsletter:

The cost is one dollar per character, per email. So you wanted the word BAZINGO to link to your site, it would cost $7 per newsletter. We expect you to get many more than 7 clicks per email, so your “cost per click” should be a bargain (no promises of course).

Paragraph of glorious patronage

(Via.)

Also, Bazingo/a wäre das Letzte, was ich bewerben würde. Der Cost per Click ist auch nicht so gut wie bei einer Facebook-Kampagne:

Last month, the 25 links in the paragraph got a total of 19,000 clicks – so the average price per click came out to about 13 cents.

Buchkritik: Universalcode 2020

Im deutschen Journalismus gibt es eine Handvoll Praktiker, die ich bewundere, unter anderem deshalb, weil sie Sätze besser schreiben und Zusammenhänge treffender zusammenfassen können als ich das je könnte. Über einen von ihnen, Jochen Wegner, habe ich das vor einiger Zeit bereits in einem Tweet gesagt.

Und meine Geschichte mit Jochen Wegner geht bis in Jonet-Zeiten 1997, 98 zurück. Damals war er schon der Spiritus rector des deutschen Onlinejournalismus. Den so zu nennen, würde mir Buchautor Christian Jakubetz untersagen. Das heißt bitteschön „Digitaljournalismus“. Aber online als Verbreitungsweg als gattungsbestimmend zu begreifen, ist zu kurz gesprungen. Das Internet ist immer an, inzwischen auch im Fernseher. Fernsehen und Radio sind anders, in dem Sinne, dass hier Stil und Verbreitungsweg zusammengebacken das Medium ergeben. Radio ist ohne die Livelinearität nicht zu denken. Es ist im Auto 7.30 Uhr, du hörst (Sendername hier einfügen), alle Staus, alle Blitzer, alle Hits der 80er, 90er Jahre und das Beste von heute. Genauso ist es mit dem Fernsehen. Es gibt eine Senderstrecke, und die muss auch gefüllt werden. Gerade ist das beste Beispiel zu Ende gegangen. Olympia ist im Fernsehen ein Programm, 17 Tage lang 17 Stunden pro Tag oder so, und nur für die Nachrichten und die Werbung wird nach Hause geschaltet.

Digital ist besser

Richtiger muss es heißen: Digital hat es besser. Der Verbreitungsweg ist das Internet, mit dem Transport der Inhalte in Datenpäckchen. Und weil das so ist, ist es am besten, wenn der Inhalt weniger Päckchen braucht. Dann kommt er schneller auf dem Screen des Konsumenten an. Das Buch „Universalcode 2020“ ist schwer im Jahr 2016 verortet, mitten in der Diskussion um Facebook und Google, die den Journalismus am Beißring im Kreis herumführen (sagt man doch so, oder). Aber wo die Zukunft im Speziellen schwer vorherzusagen ist, ist sie im Allgemeinen absehbar. So wie der Trend der Miniaturisierung die Rechenleistung eines PCs in ein Smartphone gepackt hat, sind auch die Produktionsmittel demokratisierend an die Peripherie des Mediensystems gewandert. Jeder ist ein Sender. Mit Facebook Live oder anderen Apps kann jeder Fernsehqualität livestreamen.

Jakubetz hält sich erfrischend wenig mit Details auf, weil die nur eine Überarbeitung für eine neue Auflage notwendig machen und inhaltlich wenig ergiebig sind. Den Blick fürs große Ganze bekommt man nicht, wenn man Menüs und Buttons in der Standardsoftware von anno dazumal erklärt. Zu schnell ändert sich alles, der nächste Konkurrent für Facebook steht sicher schon längt in den Startlöchern. (Schlechtes Beispiel, wahrscheinlich eher der nächste Konkurrent für einen Markt, den wir nicht im Auge haben. So wie Facebook letztlich das Telefon und Mails und Postkarten und Briefe als Konkurrent abgelöst hat. Wer ich bin, wie ich lebe- und wo ich Urlaub mache, das steht bei Facebook, und nicht auf einer Postkarte aus dem Urlaubsgebiet. Billiger ist es auch.

Billig ist ein Smartphone zwar nicht, aber man kann damit günstiger Video produzieren als mit einer herkömmlichen EB-Ausrüstung. Im Grund ist Jakubetz Band aus der Reihe des Praktischen Journalismus das Einführungswerk, das ich mir zu Teilen in dem Buch zum Fernsehjournalismus, das ich vor kurzem besprochen habe, gewünscht hätte. Da spricht ein Praktiker über die Produktionsbedingungen, und gleichzeitig hat er noch über die großen Trends nachgedacht. Das ist auf dem deutschen Markt nicht selbstverständlich.

Ein paar Schönheitsfehler hat das Buch, in besonders aktuellen Kapitel hat das Lektorat ein paar Flüchtigkeitsfehler übersehen. Einen anderen Fehler hat es noch, wenn man das stark gegliederte Werk, das man auch als Glossar oder Sammlung guter Rezepte lesen kann – in der Technikwelt nennt man das dementsprechend Cookbook – in einem Rutsch liest: Manche Hinweise wiederholen sich, ohne dass sie an Tiefe gewönnen. Und das Schlusskapitel, das drei andere Autoren verfasst haben, wirkt hinten herangetackert, weil es in Sachen Lesbarkeit spürbar abfällt.

Eine gewisse Einseitigkeit der Betrachtung des Journalismus hat das Buch noch, weil es stark auf die Aktualität fokussiert. Longform wie Reportage oder Magazinjournalismus kommt kurz – wohl auch, weil sich der Autor damit noch nicht so beschäftigt hat. Beim schnelldrehenden Tagesgeschäft ist er aber sehr wohl auf der Höhe der Zeit.

Also: Wer etwa nach einer Babypause wieder in den aktuellen Journalismus zurückkehrt, dem sei das Buch dringend empfohlen. Oder einem Journalismusausbilder, der wenig Kontakt zur Praxis hat. Oder einem Journalistenschüler, der aus dem Bewegtbildbereich kommt. Sie können alle davon profitieren. Mir als Organisator von Servicejournalismus hat es nicht so viele neue Erkenntnisse vermittelt. Aber Kopfnickerbücher sind ab und zu auch ganz gut. Sie zeigen, dass man nicht alles falsch macht im Beruf.

Und noch etwas zur Typografie:

Die Typografie ist überwiegend gut. Avenir ist eine zeitgemäße Wahl als Fließtextschrift, wenn auch nicht klassisch gut lesbar. In ein paar Jahren wird man auf der Basis der Schrift sagen können, dass das Buch irgendwann nach 2012 erschienen sein muss. Aber Impact als Überschriftentype ist beinahe unverzeihlich. Vielleicht noch in einem Buch über Memes. Comic Sans würde auch kein Designer nehmen.