Warum ich bullish für das Chromebook bin

Der Artikel von Spiegel online ist wie immer toll überschrieben: Offline taugt das Chromebook bloß als Buchstütze (http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,770183,00.html)

Recht hat der Autor. Aber: Ein ganz normales Büronotebook in einem Konzern, der großen Wert auf IT-Sicherheit legt, kann ohne eine Internetverbindung auch nicht viel. Klar kann man an Dokumenten arbeiten, aber verschicken kann man sie nicht – und auch nicht vom Server holen, wo sie in aller Regel zur besseren Zusammenarbeit und aus Sicherheitsgründen (Profile des Users liegen da auch) abgelegt sind. Klar, kann man auch im Tunnel bei der langen Bahnfahrt eine E-Mail beantworten und erst wieder im Heimathafen, wo man WLAN hat, günstig verschicken. Aber für solche Zwecke sehe ich das Gerät auch nicht (auch wenn vor allem die kundenunfreundliche Politik deutscher WLAN-Hotspotbetreiber das Land zu einer weitgehend konnektivitätsfreien Wüste macht).
Und auch nicht für Menschen wie du und ich, Privatanwender. Natürlich ist das Chromebook vor allem eine einzige lästige Einschränkung. Ziemlich dumm ohne das Web.

Aber Privatanwender werden damit eh nur wenig anfangen können. Sondern im Büro könnte es glänzen. Da macht es sich bezahlt. Für Schreibtischtäter und Bürohengste.

Denn in IT-Abteilungen hat das Ding wirklich eine Chance (- wenn die sich darauf einlassen können, dass ab sofort alle Daten bei Google liegen. Aber das ist dann wirklich ein Thema für einen ganz anderen Blogpost, den ich nicht schreiben will).

Warum ist das Gerät für IT-Fachleute so interessant? Weil Anwender nichts mehr auf dem Notebook installieren können. Nicht, weil man ihnen die Rechte weggenommen hat, etwas zu installieren, sondern weil auf dem Chromebook einfach nix installiert wird. Keine Angst mehr vor Viren, Bloatware und all dem Zeug, was Windows-Kisten mit der Zeit ansammeln.

Die Mitarbeiter loggen sich einfach mit ihrem Account ein (notwendige Bedingung für IT-Verantwortliche – und sehr hohe Hürde – Google Apps for Enterprise), und schon ist alles da. Die Mails, die Office-Anwendungen, der Browser. Die ein oder andere Unternehmensanwendung wird man neu schreiben müssen, da sie nur im IE6 funktioniert – aber das wäre eh im nächsten Geschäftsjahr passiert.

Nix installieren? Oh, damit verliere ich meine Gestaltungsmöglichkeiten als Knowledge Worker. Iwo. Ein normal konfiguriertes Windows-Notebook darf auch nix über das hinaus, was der System-Administrator und die Firmen-Richtlinie erlauben. Da werden für jede Software Anträge geschrieben und Tickets eröffnet, bevor dann auf das Gerät per Fernwartung installiert wird. Das dauert – und in der Zeit hat man auch eine passende Webanwendung gefunden. Salesforce macht CRM, Google Docs oder Zoho machen Office, GMail macht auf Exchange, GTalk oder IMO auf Communicator oder einen anderen IM, Google Docs auf Adobe Reader. Spezielle Firmenanwendungen leisten sich eh nur noch die ganz großen. Die Buchhaltungssoftware muss dann in eine virtuelle Maschine auf den Server, aber an die müssen eh nur wenige ran. Und der Windows ME-Rechner, auf dem der Faxserver und die Telefonzentrale laufen – der gehört eh auf den Wertstoffhof.

Was macht man sonst noch mit einem Rechner?
Mit Amazons Cloud Drive, Dropbox und Googles Music Beta komme ich auch ohne iTunes aus.
YouTube funktioniert, jetzt mit den Movie Rentals dort und bei Facebook und anderen On-Demand-Diensten sollte das auch gehen. Aber das will man eh nicht auf seinem Firmen-Laptop.

Also: In den USA wird es viele Firmen geben, für die 28 Dollar im Monat für ein voll gewartetes Notebook nicht viel Geld sind und die zugreifen. In Deutschland und überhaupt in Europa wird der schlechte Ruf, den Google mittlerweile hat, und die Angst vor der Datenübermittlung auf ausländische Server außerhalb der firmeneigenen Firewall das Chromebook auch im Business scheitern lassen.

Für Privatanwender ist das Ding wirklich nicht geeignet. Spielen wird man darauf nämlich auch kaum können. Gut, dass es wenigstens Angry Birds für Chrome gibt.

P.S.: Und hier noch ein Argument:

http://www.betanews.com/article/Mozilla-and-Google-force-businesses-to-use-Internet-Explorer/1308889573?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+bn+%28Betanews+Full+Content+Feed+-+BN%29

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